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Präkolumbische Baukunst

Ältester Monumentalbau aus Lehmziegeln entdeckt

Los Morteros
Luftaufnahme des Hügels Los Morteros im Norden Perus. (Bild: Ana Cecilia Mauricio Llonto)

Im Norden Perus haben Archäologen den ältesten aus Lehmziegeln errichteten Monumentalbau der Neuen Welt entdeckt. Die im Inneren des als Los Morteros bekannten Hügels verborgenen Lehmziegelwände sind schon 5100 Jahre alt und damit der älteste Beleg für eine systematische Nutzung solcher Ziegel für architektonische Bauten. Reste von Votiv-Opfergaben legen zudem nahe, dass der präkolumbische Monument einst rituellen Zwecken diente.

Lehmziegel sind in vielen Regionen der Erde ein wichtiges Baumaterial: Rund 30 Prozent der Weltbevölkerung und die Hälfte aller Menschen in Entwicklungsländern lebt noch heute in Lehmbauten. Eine besondere Bedeutung erhielten die nach ihrem Spanischen Namen auch als Adobe-Ziegel bezeichneten Lehmziegel aber im präkolumbischen Amerika. Dort prägten sie über tausende von Jahren die architektonische Tradition und wurden für den Bau enormer Monumente eingesetzt.

Ein Hügel erweist sich als Monumentalbau

Doch trotz dieser enormen Bedeutung für die Architektur der neuen Welt lag der Ursprung dieses Baumaterials bisher im Dunkeln: „Keine der verfügbaren Studien hat sich die Wurzeln der Lehmziegel-Produktion oder die technologische Entwicklung ihrer Struktur und Zusammensetzung näher angeschaut“, erklären Ana Cecilia Mauricio von der Pontifikalen Katholischen Universität Peru und ihre Kollegen. Eine Chance, mehr darüber zu erfahren, hat das Forscherteam angesichts neuer Entdeckungen in Los Morteros im Norden Perus genutzt.

Der 150 Meter breite, 200 Meter lange und 15 Meter hohe Hügel Los Morteros liegt inmitten einer kargen Wüstenlandschaft scheinbar im Nirgendwo – unter anderem deshalb galt er auch lange als natürlichen Ursprungs. Erst im Jahr 2010 enthüllten Bodenradar-Analysen, dass unter den Erdschichten Reste von architektonischen Strukturen verborgen liegen. Daraufhin begannen Mauricio und ihr Team ab 2012, diese Überreste in Ausgrabungen näher zu erkunden. „Wir konnten belegen, dass der Los-Morteros-Hügel keine natürliche Struktur ist, sondern ein Hügelbau, der in zwei komplexen Perioden der Besiedlung errichtet worden ist“, berichten die Archäologen.

Lehmziegel in ihrer ursprünglichsten Form

Die Ausgrabungen förderten unter anderem die Überreste von rund 5100 Jahre alten Gebäuden zutage. Deren Wände bestanden aus Lehmziegeln, die auf einem Fundament aus Felsgestein und Mörtel aufgeschichtet worden waren. Im Inneren der Räume bildete eine dicke Lehmschicht den Boden und die Wände waren mit Lehmputz bedeckt. In einem dieser Räume entdeckten die Forscher drei Kindergräber, die offenbar Teil einer größeren Votiv-Opfergabe waren. „Diese rituelle Aktivität, sowie die große Größe und Bauweise spricht dafür, dass dieses Lehmziegelbauwerk einst monumentale Ausmaße hatte und eine ebenso wichtige Funktion erfüllte“, konstatieren Mauricio und ihre Kollegen.

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Das eigentlich Spannende an diesem Bauwerk waren jedoch die Wände und ihre Lehmziegel: „Alle Ziegel waren grob rechteckig und ungefähr 30 bis 40 Zentimeter lang, zehn Zentimeter breit und sieben Zentimeter hoch“, berichtet das Team. Ihnen zufolge legt die Struktur dieser Ziegel nahe, dass sie direkt aus einer natürlichen, wassergesättigten Lehmschicht herausgeschnitten und dann so wie sie waren getrocknet wurden. Darin und in ihrem hohen Alter unterscheiden sich diese Lehmziegel von allen bisher aus Süd- und Mittelamerika bekannten: „In ihrer einzigartigen Zusammensetzung, ihrer inneren Struktur und ihrem Alter zeigen die Lehmziegel von Los Morteros die Anfänge dieser architektonischen Tradition“, schreiben Mauricio und ihr Team. Gleichzeitig sei der Hügelbau von Los Morteros das älteste bekannte Monumentalgebäude der Neuen Welt, das aus Lehmziegeln errichtet wurde.

Wie das Team erklärt, kennzeichnen die noch einfachen, nicht modifizierten Lehmziegel dieses Baus eine Phase, in der die Menschen dieser Region offenbar noch mit diesem naturbasierten Baumaterial experimentierten. „Erst in den folgenden Zeitperioden entwickelten die Kulturen dieser Region dann die Rezepte für die Herstellung und Trocknung der haltbareren, massenproduzierten Lehmziegel, die die großen Architektur-Traditionen des präkolumbischen Peru prägen sollten“, konstatieren die Archäologen.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2102941118

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