Der "Jesuitenstaat" in Südamerika Aktuell restauriert - wissenschaft.de
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Der "Jesuitenstaat" in Südamerika

Aktuell restauriert

Im Prunkstall des Unteren Belvedere in Wien sind noch bis zum 20. Februar 2011 drei jüngst restaurierte Werke der Mittelaltersammlung zu sehen. Exemplarisch werden ein Tafelgemälde, eine Steinskulptur und ein Schnitzrelief des frühen 16. Jahrhunderts näher vorgestellt. Die unterschiedlichen Objekte geben Einblick in das weite Feld der Restauriermethoden und der wissenschaftlichen Forschung.

Das exquisit gemalte Fragment einer Anbetung der Heiligen Drei Könige ist das namengebende Werk des zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit in Tirol zählenden Künstlers, des „Meisters der Habsburger“. Die Tafel ist durch zwei Habsburger-Porträts von historischem Interesse: Sie zeigt Maximilian I. in der Rolle des zweiten Königs. Er trägt eine Zackenkrone, den Orden vom Goldenen Vlies und den königlichen Wappenring mit einköpfigem Adler und dem österreichischen Bindenschild. Das winzige Detail kam erst bei der Reinigung zutage und belegt nun eine gesicherte Datierung vor der Kaiserkrönung 1508. Die Tafel dürfte kurz davor entstanden sein, da Maximilian hier altersmäßig der Porträtfassung Bernhard Strigels von 1507 ähnlich dargestellt ist. Hinter dem Monarchen ist das Profilbildnis seines 1493 verstorbenen Vaters Friedrich III. eingefügt. Es entspricht seinem bekannten Altersporträt mit Spangenkrone. Das posthume Bildnis gibt Rätsel auf. Steht dahinter das pietätvolle Gedenken an den verstorbenen Kaiser oder politisches Kalkül? Kam der seltsam unharmonisch ins Bild gesetzte, bleiche Kopf erst nachträglich hinzu? Die aktuellen Röntgen- und Infrarotaufnahmen sprechen gegen eine solche Vermutung.

Eine heikle Aufgabe stellte sich bei der Restaurierung der Skulpturengruppe einer Beweinung Christi mit Stifterpaar, die ein Wiener Bildhauer vermutlich vermutlich als Predellenrelief für ein Steinretabel geschaffen hat. Das fein gearbeitete, ausdrucksstarke Bildwerk war infolge einer massiven Versalzung akut von Ausblühungen an der Oberfläche betroffen. Über mehrere Wochen wurden aus dem Kalksandstein im Wasserbad insgesamt zwei Kilogramm Salz extrahiert. So konnten weitere Materialverluste gestoppt und Fassungsreste gesichert werden.

Das dritte Projekt betrifft das Fragment einer thronenden Maria, die wahrscheinlich einst zu einer Anna-selbdritt-Gruppe gehörte und dem „Meister von Heiligenblut“ zugeschrieben wird. Die Lindenholzskulptur weist noch die originale Polychromie und reiche Vergoldung auf. Nach einer aufwändigen Reinigung der extrem stark verschmutzten Oberfläche ist nun wieder eine adäquate Beurteilung des qualitätvollen Werks möglich.

Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien und den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamts.

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Quelle: Klara Böhm
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