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Geschichte|Archäologie

Alte DNA gibt Aufschluss über Abstammung der Hunde

Hund und Wolf
Hundeschädel und Eiszeitwolf © Jessica Rae Peto/ Francis Crick Institute

Wann, wo und wie oft wurden die Hunde domestiziert? Trotz langjähriger Forschungen sind diese Fragen noch nicht vollständig geklärt. Nun haben Forscher ein weiteres Puzzleteil beigetragen. Sie haben 72 alte Wolfsgenome analysiert, die eine Zeitspanne von 100.000 Jahren umfassen. Das Ergebnis: Die Vorfahren der heutigen Hunde gehen auf mindestens zwei verschiedene Wolfspopulationen zurück. Die Vierbeiner wurden demnach entweder mindestens zweimal unabhängig voneinander domestiziert oder bereits domestizierte Hundevorfahren haben sich mit wildlebenden Wölfen vermischt.

Seit mindestens 15.000 Jahren sind Hunde die besten Freunde des Menschen. Wann und wo genau ihre Vorfahren, die Wölfe, jedoch domestiziert wurden, ist nach wie vor unklar. Anhand von archäologischen Funden und DNA-Analysen haben schon viele Forscher daran gearbeitet, Zeit und Ort der Domestizierung genauer einzugrenzen. Manche Studien verorteten die Wiege des modernen Hundes in Europa, andere in Zentralasien. Die Vergleiche moderner Genome ließen dazu allerdings nur in begrenztem Maße Rückschlüsse zu.

Doppelte Abstammung der Hunde

Um der Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Hunde näher zu kommen, hat ein Team um Anders Bergström vom Francis-Crick-Institut in London nun 72 alte Wolfsgenome aus Europa, Sibirien und Nordamerika analysiert, die aus einem Zeitraum von 100.000 Jahren stammen. „Durch dieses Projekt haben wir die Zahl der sequenzierten alten Wolfsgenome stark erhöht, was es uns ermöglicht, ein detailliertes Bild der Abstammung der Wölfe im Laufe der Zeit zu erstellen, einschließlich der Zeit, in der die Hunde entstanden sind“, sagt Bergström.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich Spuren des Erbguts von eiszeitlichen Wölfen aus Asien bei allen heutigen Hunden finden. Für frühe Hunde aus Nordost-Europa, Sibirien, Ostasien und Amerika scheint diese östliche Wolfspopulation der alleinige Vorfahr zu sein. „Für Hunde im Nahen Osten und in Afrika haben wir jedoch festgestellt, dass bis zur Hälfte ihrer Abstammung auf eine Population zurückgeht, die mit den modernen südwesteurasischen Wölfen verwandt ist“, berichten die Forscher.

Szenarien der Domestizierung

Für diesen Befund gibt es zwei mögliche Erklärungen: Einerseits könnte es sein, dass sowohl im östlichen als auch im westlichen Eurasien Wölfe unabhängig voneinander domestiziert wurden und begannen, Menschen zu begleiten. Diese zunächst getrennten Populationen früher Hunde könnten sich später vermischt haben. Andererseits wäre es denkbar, dass die Domestizierung nur einmal in Asien stattfand und sich die Hunde später, nachdem sie gemeinsam mit menschlichen Siedlern nach Europa gewandert waren, mit dort heimischen wilden Wölfen vermischten. Welches dieser beiden Szenarien stattgefunden hat, lässt sich anhand des bisherigen Forschungsstandes nicht ausmachen.

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„Keines der von uns untersuchten alten Wolfsgenome stimmt direkt mit einem dieser Hundevorfahren überein, was bedeutet, dass die genauen Vorläuferpopulationen noch nicht gefunden wurden“, schreiben die Forscher. Während man bislang davon ausging, dass die direkten Vorfahren der Hunde heute ausgestorben sind, halten es Bergström und sein Team anhand der Genomanalysen für plausibel, dass aus der Vorläuferpopulation der Hunde auch heute lebende Wölfe hervorgegangen sein könnten, die sich allerdings durch fortlaufende genetische Veränderungen so weit von den Hunden entfernt haben, dass sie nicht mehr als direkte Verwandte zu erkennen sind.

Wolfsjunges
18.000 Jahre altes Wolfsjunges aus Jakutien. © Sergey Fedorov

Evolution in Echtzeit beobachten

Da die 72 alten Wolfsgenome rund 30.000 Generationen umfassen, war es möglich, eine Zeitleiste der Veränderungen in der Wolfs-DNA zu erstellen und so die natürliche Selektion zu verfolgen. In mehreren Fällen beobachteten die Forscher, wie sich Mutationen über die gesamte eurasische Wolfspopulation ausbreiteten. „Das war möglich, weil die Art über große Entfernungen hinweg eng miteinander verbunden war. Diese Vernetzung ist vielleicht ein Grund dafür, dass Wölfe die Eiszeit überleben konnten, während viele andere große Fleischfresser verschwanden“, sagt Bergströms Kollege Pontus Skoglund.

Eine dieser Mutationen betraf zum Beispiel ein Gen, das an der Entwicklung von Schädel- und Kieferknochen beteiligt ist. Innerhalb von 10.000 Jahren ging diese zunächst sehr seltene Variante auf alle Wölfe der Population über – womöglich, weil Veränderungen der Beutetiere während der Eiszeit Wölfen mit einer bestimmten Kieferform Vorteile verschaffte. „Dies ist das erste Mal, dass Wissenschaftler die natürliche Selektion in einem großen Tier über einen Zeitraum von 100.000 Jahren direkt verfolgt haben und so die Evolution in Echtzeit beobachten konnten, anstatt zu versuchen, sie anhand der heutigen DNA zu rekonstruieren“, so Skoglund.

Quelle: Anders Bergström (Francis-Crick-Institut, London) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-022-04824-9

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