„Amazonen-Grab“ entdeckt - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

„Amazonen-Grab“ entdeckt

Rechts: Kopfschmuck auf dem Schädel einer der gefunden Skythinnen. Links: Rekonstruktion des einstigen Aussehens. (Bild: www.archaeolog.ru)

Die Skythinnen könnten die Inspiration für den antiken Amazonen-Mythos geliefert haben, heißt es. Ein Fund dokumentiert nun erneut die besondere Stellung der Frauen des antiken Reitervolkes: Archäologen haben im Südwesten Russlands die Überreste von vier skythischen Frauen entdeckt, die vor etwa 2500 Jahren mit Waffen und Reitausrüstung bestattet wurden. Eine dieser „Amazonen“ wurde zudem mit einem kostbaren Kopfschmuck beigesetzt, berichten die Archäologen.

Bis heute sind sie ein Symbol für wehrhafte Frauen: Die griechische Mythologie beschreibt die Amazonen als mächtige Kriegerinnen, die sich mit den Männern messen konnten. Es gibt Vermutungen, dass reale Vorbilder in der antiken Welt zur Entstehung dieser mythischen Gestalten beigetragen haben. Der Blick richtete sich dabei auf die Skythen, die einst in Zentralasien bis in den Südwesten des heutigen Russland gelebt haben. Aus zahlreichen Grabfunden geht mittlerweile hervor, dass einige Frauen dieser nomadisch lebenden Reitervölker eine hohe gesellschaftliche Stellung einnahmen und von Jugend an den Umgang mit Waffen erlernten. Es erscheint somit möglich, dass diese Frauen mit der Entwicklung der antiken Amazonen-Sagen in Verbindung standen.

Ein Gemeinschaftsgrab mit martialischen Beigaben

Ein Archäologenteam der Russischen Akademie der Wissenschaften berichtet nun über eine weitere Entdeckung, die die besondere Stellung der skythischen Frauen dokumentiert. Der Fundort befindet sich im Gebiet des Flusses Don im Südwesten Russlands und umfasst 19 Grabhügel, die derzeit von dem Team untersucht werden. Wie die Wissenschaftler berichten, stießen sie in einer der Grabanlagen auf die Überreste von vier weiblichen Individuen. Es handelt sich um zwei junge erwachsene Frauen, ein 12 bis 13 Jahre altes Mädchen und eine Frau im Alter von 45 bis 50 Jahren. Aus den Strukturen der Grabanlage aus Holz und Lehm geht hervor, dass sie alle zur gleichen Zeit bestattet wurden – den Datierungen zufolge im 4. Jh. v. Chr.

Neben den menschlichen Überresten stießen die Archäologen auf zahlreiche Grabbeigaben mit martialischem Charakter: 30 Eisenpfeilspitzen, Speere, Messer, Fragmente eines Pferdegeschirrs und Eisenhaken zum Aufhängen der Reitausrüstung. Zudem wurde eine der beiden jungen Frauen in einer Reiterposition begraben, berichten die Archäologen. Direkt neben dieser „Reiterin“ lagen zwei Speere, außerdem waren ihr ein Bronzespiegel, ein Armband aus Glasperlen und eine griechische Trinkschale beigelegt worden.

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Eine bewaffnete Frau mit prächtigem Kopfschmuck

Die spektakulärste Entdeckung glückte den Archäologen allerdings bei der älteren Frau, die mit ihren 45 bis 50 Jahren für die damalige Zeit ein respektables Alter erreicht hatte: Sie war mit einem prächtigen zeremoniellen Kopfschmuck beigesetzt worden. Die reich verzierten Metallstücke besaßen einen Goldgehalt von 65 bis 70 Prozent, ergaben die Analysen. Wie die Archäologen berichten, sind vergleichbare Stücke zwar bereits bekannt. Sie wurden allerdings selten von Archäologen entdeckt, sondern von Bauern und gelangten erst auf Umwegen in Expertenhände. Im aktuellen Fall wurde der skythische Kopfschmuck hingegen vor Ort entdeckt und sogar noch am Schädel sitzend.

Wie aus weiteren Funden hervorgeht, handelte es sich offenbar auch bei der Frau mit dem Kopfschmuck um eine wehrhafte Skythin: Direkt bei ihrem Skelett entdeckten die Archäologen ein Eisenmesser, das in ein Stück Stoff gehüllt war und eine eiserne Pfeilspitze. „Unsere Funde der letzten Jahre haben bereits gezeigt, dass bewaffnete Frauen bei den Skythen weit verbreitet waren“, sagt Grabungsleiter Valerii Guliaev. Dennoch ist der aktuelle Fund nun etwas Besonderes, betont der Archäologe: „Zum ersten Mal sind wir auf eine Gemeinschaftsbestattung von vier Amazonen gestoßen“. Welches Schicksal sie vor 2500 Jahren verbunden haben könnte, bleibt allerdings der Vorstellungskraft überlassen.

Quelle: AKSON Russian Science Communication Association

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