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Geschichte|Archäologie

Angelsachsen-Gene enthüllen Migrations-Geschichte

In Oakington ausgegrabene Überreste einer angelsächsischen Frau aus dem 5. Jahrhundert. (Duncan Sayer)

Mehr Licht in die wechselhafte Geschichte Großbritanniens: Als vor rund 1500 Jahren Angelsachsen auf die Britischen Inseln einwanderten, hinterließen sie nicht nur archäologische Spuren, wie DNA-Analysen nun enthüllen. Denn noch heute tragen Bewohner von England, Wales und Schottland rund ein Drittel Angelsachsen-Erbgut in sich. Die Analysen zeigen aber auch, dass die einwandernden Angelsachsen damals besser in die einheimische Bevölkerung integriert waren als bisher angenommen

Im Laufe ihrer Geschichte wurden die Britischen Inseln immer wieder von verschiedensten Volksstämmen besiedelt oder erobert. „Darunter sind die militärische Invasion und Besiedlung durch die Römer im ersten Jahrhundert und die Ankunft der Angelsachsen von der europäischen Nordseeküste zwischen 400 und 650“, erklären Stephen Schiffels vom Wellcome Trust Sanger Institute und seine Kollegen. Zwischen 800 und 1000 fielen dann Wikinger an der Südostküste ein und siedelten dort und schließlich, im Jahr 1066, eroberten die aus Frankreich kommenden Normannen das Land. Die Spuren dieser wechselvollen Geschichte zeigen sich bis heute in der Kultur, in archäologischen Funden, aber auch im Erbgut der Briten.

Alte DNA als Fenster in die Ära der Angelsachsen

Besonders über die Zeit der angelsächsischen Einwanderung herrschen jedoch noch viele Unklarheiten. So scheinen einige Daten und Interpretationen von Funden darauf hinzudeuten, dass die Neuankömmlinge von der kontinentaleuropäischen Nordseeküste isoliert blieben und sich kaum mit der einheimischen Bevölkerung mischten. Auch wie viele Angelsachsen damals kamen und wie groß der Anteil ihres Erbguts in der heutigen Bevölkerung Großbritanniens ist, ließ sich bisher nur grob abschätzen.

Neues Licht in die turbulente Übergangszeit Großbritanniens von der späten Eisenzeit zur Ära der Angelsachsen bringt nun eine genetische Studie. Schiffels und seine Kollegen haben dafür das Erbgut von zehn im Osten Englands ausgegrabenen Skeletten aus der Zeit von um 50 v. Chr. bis etwa 700 n. Chr. analysiert. Die dabei erhaltenen DNA-Sequenzen verglichen die Forscher unter anderem mit hunderten DNA-Proben heutiger Briten.

Gut ein Drittel Angelsachsen-Gene

Ihre Ergebnisse zeigen: Die Einwanderung der Angelsachsen vor rund 1500 Jahren hinterließ tiefgreifende Spuren – nicht nur archäologisch, sondern auch genetisch. „Im Durchschnitt haben die heutigen Bewohner Ostenglands 38 Prozent ihres Erbguts von angelsächsischen Einwanderern geerbt“, berichten die Forscher. In manchen Gegenden seien es sogar bis zu 50 Prozent. Auch die Bewohner von Wales und Schottland tragen noch ein Drittel angelsächsischen Erbguts in sich.

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Auch wie einheimische Briten und Angelsachsen mit anderen Europäern verwandt sind, klären die Genome der sieben angelsächsischen und drei eisenzeitlichen Skelette. Demnach teilen die Angelsachsen besonders viele Gene mit Dänen und Niederländern – was ihre Herkunft von den Nordseeküsten Kontinentaleuropas bestätigt. Die schon vorher auf den Britischen Inseln siedelnden Menschen dagegen ordnen sich mit ihrem Erbgut an der Wurzel aller modernen Nordeuropäer ein.

Gut integriert

Die Gen-Analysen beantworten auch die Frage nach der Integration der eingewanderten Angelsachsen. Besonderen Einblick lieferten hier vier Skelette, die im 5. und 6. Jahrhundert auf dem Friedhof des Orts Oakington in Cambridgeshire bestattet wurden. „Ihre Gräber waren sich auffällig ähnlich: Alle vier Toten wurden in gebeugter Haltung begraben und mit ähnlichen Grabbeigaben“, berichten Schiffels und seine Kollegen. Doch wie die Genanalysen enthüllten, war ihre Herkunft sehr unterschiedlich: Zwei der Toten waren Angelsachsen, einer war Einheimischer und einer war eine Mischung beider.

„Dennoch belegen die archäologischen Funde, dass diese Individuen nach ihrem Tod auf gleiche Weise behandelt wurden“, sagt Koautor Duncan Sayer von der University of Central Lancashire. „Das beweist, dass sie alle gut in die Gemeinschaft von Oakington integriert waren – unabhängig von ihrer Herkunft.“

Quelle: Nature Communications, doi: 10.1038/ncomm10326
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