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Geschichte+Archäologie

Antarktis-Expedition sucht Shackletons „Endurance“

Endurance
Die "Endurance" eingeschlossen im Packeis.(Bild: Frank Hurley/ historisch)

Im November 1915 mussten Ernest Shackleton und seine Mannschaft ihr Schiff „Endurance“ nach monatelanger Drift im Packeis der Antarktis aufgeben. Zwar ist bekannt, wo das Schiff sank, aber das Wrack wurde nie gefunden. In wenigen Monaten soll nun eine Antarktis-Expedition erneut nach dem berühmten Schiffswrack fahnden. Ein Tauchroboter soll dabei unter das Eis hinabgelassen werden und den Meeresgrund nach der „Endurance“ absuchen.

Die Endurance-Expedition des britischen Polarforschers Sir Ernest Shackleton ging in die Geschichtsbücher ein. Ziel der 1914 gestarteten Imperial Trans-Antarctic Expedition war es, die Antarktis zu durchqueren. Dafür sollte Ernest Shackleton mit seinem Team mit dem Schiff „Endurance“ das Weddellmeer anlaufen und von der dortigen Küste aus die Querung beginnen. Eine zweite Gruppe steuerte mit der „Aurora“ das gegenüberliegende Rossmeer an und sollte dem Querungsteam von dort aus entgegenkommen.

Heldengeschichte der Antarktisforschung

Doch der Plan ging auf spektakuläre Weise schief: Die Endurance wurde im Weddellmeer vom Packeis eingeschlossen und Shackleton und seine Männer drifteten monatelange mit ihrem Schiff durch das Eis. Ende Oktober 1915 presste der Eisdruck den Schiffsrumpf so stark zusammen, dass er trotz seiner besonders stabilen Bauweise brach und Wasser ins Innere lief. Die Mannschaft musste daraufhin ihre Vorräte und Ausrüstung bergen und das Schiff verlassen. In einem Camp auf dem Packeis harrten sie aus, in der Hoffnung, dass sich das Eis lichten und bald Rettung eintreffen würde. Am 21. November 1915 sank die „Endurance“ schließlich, nach Angaben der Expeditionsteilnehmer auf 69° 05′ südlicher Breite und 51° 30′ westlicher Länge.

Wie es Shackleton und seine Mannschaft schafften, zu Fuß und mithilfe der zuvor geborgenen Rettungsboote des Schiffs das Packeis zu verlassen und Land zu erreichen und wie sie die Widrigkeiten der Antarktis überlebten, ohne dass ein einziger Mann starb, gilt bis heute als eine der größten Heldengeschichten der Polarforschung. Obwohl der Verlauf der Expedition durch Aufzeichnungen des Teams und Bilder des Expeditionsfotografen Frank Hurley gut dokumentiert ist, blieb das weitere Schicksal der „Endurance“ im Ungewissen. Zwar war der Ort ihres Sinkens bekannt, das Packeis machte die Stelle jedoch weitgehend unzugänglich, sodass das Wrack des berühmten Schiffs bisher nicht gefunden wurde. Auch die letzte Suche nach dem Wrack im Jahr 2019 musste abgebrochen werden, weil das Expeditionsschiffs drohte, im Eis eingeschlossen zu werden.

Neue Fahndung nach der „Endurance“

Jetzt ist ein neuer Anlauf in Vorbereitung. Lanciert vom Falklands Maritime Heritage Trust. Im Februar 2022 soll eine Gruppe von Unterwasser-Archäologen und Polarforschern mit dem Forschungsschiff „Agulhas II“ von Kapstadt in Südafrika aus ins Weddellmeer aufbrechen. Ziel ist es, das Wrack der „Endurance“, das in rund 3000 Meter Tiefe liegen soll, aufzuspüren, zu kartieren und zu filmen. Expeditionsleiter Mensun Bound erklärt: „Der Versuch, das Wrack der Endurance zu finden, ist ein immens aufregende Unterfangen, das lange als unmöglich galt. Angesichts der harschen antarktischen Umgebung gibt es auch für uns keine Erfolgsgarantie, aber wir lassen uns durch die großen Entdecker der Antarktis inspirieren.“

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Geplant ist, nach Ankunft im Wedellmeer einen speziellen Tauchroboter vom Schiff aus ins Wasser hinabzulassen. Dieses hybride autonome Unterwasservehikel namens „Sabertooth“ ist sowohl mit hochauflösenden Kameras wie mit Side-Scan-Sonar ausgerüstet. Es kann den Meeresgrund bis in Tiefen von 4000 Meter autonom absuchen und dabei seine Daten in Echtzeit zur Oberfläche übermitteln. Sollte das Eis über der wahrscheinlichen Position des Wracks zu dick sein, um sie mit dem Schiff anzusteuern, plant das Expeditionsteam, ein oder zwei Lager auf dem Eis zu erreichten. Von diesen aus soll dann das Eis durchbohrt und der Tauchroboter ins Meer hinabgelassen werden. Nach Angaben von Bound müsste die „Endurance“ relativ ungestört auf dem Meeresgrund überdauert haben. Da es kaum Erosion oder Rutschungen in diesem Gebiet gab und auch die Sedimentationsrate mit weniger als einem Millimeter pro Jahr gering ist.

In welchem Zustand ist das Wrack?

„Nach zwei Jahren der Planung für diese neue Mission denke ich, dass wir eine gute Chance haben, das Wrack unter dem Eis des Weddellmeeres zu finden“, sagt Expeditionsleiter John Shears, der bereits die Vorgänger-Expedition im Jahr 2019 leitete. „Wenn wir die Endurance dann wirklich finden, wird dies ein fantastischer Moment.“ Sollte die Suche Erfolg haben, wird es eines der Ziele sein, den Zustand des Schiffswracks zu ergründen. Denn bislang ist unklar, ob die „Endurance“ in einem Stück sank oder aber ob sie in zwei Teile zerbrach. Die Forscher hoffen zudem, auch Aufnahmen aus dem Schiffsinneren zu erhalten. Diese könnten beispielsweise zeigen, ob noch einige der 1915 zurückgelassenen Fotoplatten vorhanden sind. Auch ob das Mikroskop und gläserne Probenbehälter des Schiffsbiologen Robert Clark noch erhalten sind, könnte die Expedition zeigen.

Quelle: Falklands Maritime Heritage Trust

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