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Geschichte|Archäologie

Antike Schreiber nutzten metallische Tinte früher als gedacht

Röntgenfluoreszenz-Aufnahmen (rechts) machen das Blei in der Tinte der beiden Papyrus-Fragmente sichtbar. (Brun et al./ PNAS)

Unerwarteter Fund: Die Schreiber der griechischen und römischen Antike kannten metallhaltige Tinte schon gut 350 Jahre früher als bisher angenommen. Das belegen Analysen von Schriftrollen, die im Jahr 79 vor Christus in Herculaneum verschüttet wurde. Mittels moderner Röntgenverfahren entdeckten Forscher in den Schriftzügen auf den Papyri stark erhöhte Bleimengen. Sie deuten auf eine absichtliche Beimengung zur Tinte hin.

Antike Bibliothek unter der Asche

Als der Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ausbrach, begrub er die Städte Pompeji und Herculaneum unter meterdicken Aschenschichten. In Herculaneum wurde dabei eine ganze Bibliothek mit hunderten Papyrusdokumenten verschüttet. Eingebettet in die Asche blieben viele dieser Schriftrollen bis heute erhalten – wenn auch teilweise stark verkohlt und zusammengepresst.

Bisher nahm man an, dass die Schreiber der Antike vorwiegend kohlenstoffbasierte Tinten nutzten, meist bestand diese aus Ruß, der mit Wasser und weiteren Zusätzen gemischt wurde. „Plinius der Ältere beschreibt bereits die Herstellung dieser Tinte, die aus dem Rauch von Holzöfen gewonnen wurde“, berichten Emmanuel Brun von der Universität von Grenoble und seine Kollegen. Der Zusatz von Metall zur Tinte wurde dagegen erst ab etwa 420 nach Christus üblich – so dachte man bisher.

Bleitinte auf Papyrus-Fragmenten

Doch nun belehren zwei Schriftrolle-Fragmente aus der Bibliothek von Herculaneum die Historiker eines Besseren. Brun und seine Kollegen hatten sie mit Hilfe von Röntgen-Fluoreszenz-Scans durchleuchtet, um die Schrift sichtbar zu machen. Gleichzeitig erlaubt dieses Verfahren, auch die elementare Zusammensetzung der Tinte zu bestimmen.

Das überraschende Ergebnis: Die Schriftzüge enthalten bis zu 84 Mikrogramm pro Quadratzentimeter Blei. „Diese ziemlich hohen Blei-Konzentrationen können nicht einer Kontamination durch das römische Wasser oder einen Tintenbehälter zugeschrieben werden“, sagt Brun. „Stattdessen sprechen diese Werte dafür, dass das Blei absichtlich der Tinte zugesetzt wurde.“

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Das Blei könnte in der Tinte möglicherweise als Pigment gedient haben, wie die Forscher erklären. Denn Bleiweiß oder Bleisulfid wurden in der Antike häufig als Färbezusätze in Kosmetika genutzt. Denkbar wäre aber auch, dass das Blei als Bindemittel diente. „Bleiverbindungen wie Bleioxid wurden damals oft in Gemälden eingesetzt, weil sie die Ölfarbe schneller trocknen ließen“, so Brun. Plinius der Ältere beschreibe zudem die Verwendung von rotem Blei in Büchern, dieses Pigment würde allerdings nur für bestimmte Buchstaben eingesetzt.

Wichtig für die Entzifferung weiterer Schriftrollen

„Die Entdeckung von Metall in der Tinte verändert unsere Vorstellung über die Schreibkunst in der griechischen und römischen Antike“, konstatierten Brun und seine Kollegen. Denn der Fund in einer Schriftrolle aus der Bibliothek von Herculaneum belegt, dass die Schreiber schon mehr als 300 Jahre früher als gedacht metallische Tintenzusätze kannten und verwendeten.

Diese Erkenntnis hat aber auch große Bedeutung für die Erforschung und Entzifferung von bisher ungeöffneten Schriftrollen aus Herculaneum und von weiteren historischen Manuskripten. „Die chemische Zusammensetzung der Tinte beeinflusst, welches bildgebende Verfahren und welche Wellenlänge man auswählt, um die Schrift sichtbar zu machen“, erklärt Brun. Das Wissen um Metallzusätze in den antiken Tinten könnte daher die Entzifferung weiterer Schriftrollen erleichtern.

Gleichzeitig verändert dies den Blick auf archäologische Funde, deren Zweck bisher ungeklärt blieb, wie die Forscher erklären. So wurde in Pompeji an einer Stelle ein schwarzes Pulver gefunden, das theoretisch ein Überrest von Tinte oder aber von Kosmetika sein könnte. Weil das Pulver Blei enthielt, wurde ersteres ausgeschlossen – möglicherweise zu Unrecht, wie sich nun zeigt.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.1519958113
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