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Römisches Reich

Aquädukt belegt imperiales Scheitern

Aquädukt-Pfeiler zeugen von dem unvollendeten Bauprojekt der Römer in Armenien. (Bild: Artaxata-Projekt)

Es ist das am weitesten im Osten gelegene Bauwerk seiner Art: Archäologen haben in Armenien Überreste eines unvollendeten Bogenaquädukts der Römer entdeckt. Der Bau aus der Zeit Kaiser Trajans sollte der Etablierung der Königsstadt Artaxata als Zentrum der römischen Provinz Armenien dienen. Doch noch vor der Vollendung der Wasserleitung gaben die Römer den Machtanspruch im äußersten Osten wieder auf. Der Fund zeugt somit von der Ära der Wende bei der Entwicklung des Imperiums, sagen die Wissenschaftler.

Monumentale Markenzeichen antiker Zivilisation: An vielen Orten kann man noch heute die Reste der hoch aufragenden römischen Leitungssysteme bestaunen. Diese Bogenaquädukte transportierten Wasser über große Distanzen und landschaftliche Hindernisse hinweg in die Städte des Reiches. Funde von Spuren dieser weitverbreiteten römischen Bauwerke sind normalerweise eher wenig aufsehenerregend. Doch im aktuellen Fall richtet sich der Blick auf einen erstaunlich weit im Osten gelegenen Fundort. Es handelt sich um die einstige Königsstadt Artaxata, die seit 190 v. Chr. ein Zentrum Armeniens bildete. Antiken Beschreibungen zufolge war Artaxata eine prächtige Metropole, die von hellenistischer Kultur geprägt war. Durch ihre Lage erlangte sie schließlich auch eine große Bedeutung im Machtkampf zwischen den Römern und den Mächten des Ostens.

Römische Spuren im äußersten Osten

Um Einblicke in die Geschichte dieser interessanten Stadt zu erhalten, untersucht ein internationales Archäologenteam bereits seit einigen Jahren das Areal des antiken Artaxata. Dabei zeichneten sich in den Ergebnissen von geomagnetischen Analysen Anomalien im Untergrund ab, die eine punktierte Linie zu ergeben schienen. Durch anschließende Sondierungen und Bohrungen konnten die Archäologen dann die verantwortlichen Strukturen charakterisieren. Wie sich zeigte, handelt es sich um unfertige Pfeiler eines antiken Bogenaquädukts, das offenbar der Wasserversorgung Artaxatas dienen sollte. „Den geplanten Verlauf rekonstruierten wir durch eine computergestützte Pfadanalyse zwischen den möglichen Quellen und dem Bestimmungsort des Wassers“, berichtet Co-Autor Mkrtich Zardaryan von der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien in Jerewan.

Den entscheidenden Hinweis, dass es sich um ein römisches Bauprojekt gehandelt hat, lieferte eine Analyse des für die Konstruktion der Pfeiler verwendeten Kalkmörtels: Es handelte sich demnach um eine typisch römische Rezeptur. Die Analyse von Erdproben ermöglichten zudem eine grobe Datierung für den Bau des Aquädukts auf die Zeit zwischen 60 und 460 n. Chr. Wie die Experten erklären, erscheint damit die Regierungszeit Kaiser Trajans am wahrscheinlichsten. Denn zwischen 98 und 117 n. Chr. erreichte das Imperium seine größte Ausdehnung und verleibte sich dabei auch Armenien ein. „Die monumentalen Fundamente sind offenbar Zeugnisse einer unvollendeten Aquäduktbrücke, die zwischen 114 und 117 n. Chr. von der römischen Armee gebaut wurde”, sagt Erstautor Achim Lichtenberger von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

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Zeugnis imperialen Scheiterns

Wie er und seine Kollegen erklären, sollte der Bau wohl dem Vorhaben der Römer dienen, Artaxata als Hauptstadt der neuen Provinz Armenien zu etablieren. „Der geplante und teilweise ausgeführte Aquäduktbau bezeugt, wie viel Aufwand in kürzester Zeit betrieben wurde, um Artaxata infrastrukturell ins Reich einzubinden“, erklärt Co-Autor Torben Schreiber von der Wilhelms-Universität Münster.

Doch dieser Plan ging offenbar nicht auf: „Das Bauwerk blieb unvollendet, da nach dem Tod Trajans im Jahr 117 n. Chr. dessen Nachfolger Hadrian die Provinz Armenia noch vor der Fertigstellung der Wasserleitung aufgab“, sagt Schreiber. Er und seine Kollegen sehen in dem Fund daher nun ein interessantes Zeugnis aus der Wendezeit der territorialen Entwicklung des Imperiums: Das unvollendete Aquädukt belegt den gescheiterten römischen Imperialismus in Armenien.

Quelle: Wilhelms-Universität Münster

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