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Geschichte+Archäologie

Archäologen lüften Geheimnis der Keltenfürstin

Das Grab der Keltenfürstin lag im Boden der baden-württembergischen Gemeinde Bettelbühl. Schon die ersten Funde unterstrichen die gesellschaftliche Bedeutung der Bestatteten: fünf goldene Kugeln, die vermutlich zu einer Halskette gehörten, sieben Ringe aus Gagat, einem fossilen Holz, ein verziertes Gürtelblech, eine drei Zentimeter große Bernsteinkugel, Teile eines Pferdegeschirrs, Reste eines Trinkservices, kunstvolle Gewandspangen, ein 28 Zentimeter langes Goldband.

Und die Tote, eine etwa 30-jährige Frau, war nicht allein: Oberhalb des Grabes fanden die Forscher die Zähne eines Kindes. In der Kammer selbst war eine weitere Frau beigesetzt.

In einer spektakulären Aktion schnitten die Forscher einen 80 Tonnen schweren und 7,5 mal 5,6 Meter großen Block aus dem Boden und brachten ihn nach Ludwigsburg, um ihn in Ruhe studieren zu können. Sie untersuchten Erde, Holz und Knochen. Nach vier Jahren Forschung haben die hochrangige Dame und ihre Begleiterin jetzt ein paar ihrer Geheimnisse preisgegeben.

„Die Grabkammer war aus Tannen- und Eichenstämmen gebaut“, berichtet Dirk Krausse, Landesarchäologe Baden-Württembergs. „Zum Teil ist die Rinde der Bäume erhalten geblieben.“ Das erlaubte es den Archäologen, das Grab genau zu datieren: Es wurde im Herbst 583 v.Chr. angelegt. Und 2600 Jahre später säuberlich zersägt: In 20 Teile zerlegten die Forscher den gewaltigen Block, „um die Stücke in einen Computertomografen zu geben, der enthüllen sollte, was sich darin verbirgt“, erklärt Dirk Krausse.

Die Forscher entdeckten 150 Bernsteinperlen, 50 Goldobjekte sowie einige Hundert weitere kleine Gegenstände. All diese Funde unterstreichen den hohen Rang der Bestatteten.

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Talismane zur Abwehr von Unheil

Unter den Füßen der zweiten Frau fanden die Forscher den Stirnpanzer eines Pferdes. „Er ist 40 Zentimeter lang“, sagt Dirk Krausse. „Das muss ein großes Tier gewesen sein.“ Darunter lag eine Gebissstange. Die Frau war offenbar eine Reiterin – und ihr Pferd war auf ganz außergewöhnliche Weise geschmückt. „Was wir entdeckt haben, ist in der Archäologie ohne Beispiel“, sagt Krausse begeistert. Sein Team fand Wildschweinzähne, an denen Glöckchen angebracht waren. „Eine Art Schellenbaum, der am Pferd befestigt wurde“, meint der Archäologe. Er sollte vermutlich Unheil abwenden.

Ähnliche magische Zwecke vermutet Dirk Krausse auch bei weiteren Stücken, die nahe der zweiten Frau gefunden wurden: einem versteinerten Seeigel, einem Ammoniten, einer steinzeitlichen Klinge aus Feuerstein, einer Hämatitkugel und drei Stücken Bergkristall aus den Alpen. „Von all dem wusste man in der Hallstattzeit nicht, woher es stammt“, sagt Krausse. „Das weist in eine übersinnliche Sphäre. Vielleicht gehörten diese Dinge einer Zauberkundigen.“

An Hexerei würde es grenzen, einen Bronzegürtel aus dem Block zu retten. „Dieses Stück können wir mit unseren heutigen Methoden nicht restaurieren“, bedauert der Landesarchäologe. Das Metall ist stark korrodiert und würde zerbröseln. „Wir lassen es deshalb im Block. Vielleicht werden in Zukunft Untersuchungsmethoden entwickelt, mit denen man sich diesem Stück nähern kann, ohne es zu zerstören.“ Stück für Stück lüftet sich der geheimnisvolle Schleier über dem Keltengrab.

Dieser Artikel ist ursprünglich in der August-Ausgabe von bild der wissenschaft erschienen.

  
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© wissenschaft.de – Dirk Husemann
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