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Geschichte+Archäologie

Archäologie vom All aus

Im Nildelta fächert sich die Lebensader Ägyptens zu vielen Wasserstraßen auf. (Foto: ewastudio/iStock)

Wie und wo verliefen die Flussarme und Wasserstraßen des Nildeltas in der Pharaonenzeit? Einblicke in die antike Landschaftsstruktur im Norden Ägyptens hat nun moderne Satellitentechnik geliefert. Die entstandenen Höhenmodelle des Gebiets könnten Hinweise dazu geben, wo sich in der Pharaonenzeit Siedlungen befunden haben, berichtet das Deutsche Archäologische Institut (DAI).

Bevor seine Wassermassen das Mittelmeer erreichen, gliedert sich der Nil 25 Kilometer nördlich von Kairo in ein Netzwerk von Flussarmen und Wasserstraßen auf: Die Lebensader Ägyptens bildet dort eine Delta-Region von der Größe Hessens. Das enorm fruchtbare Gebiet ist von vielen Siedlungen und intensiver Landwirtschaft geprägt – und das ist schon seit Ewigkeiten so: Auch in der Zeit der Pharaonen war das Nildelta dicht bevölkert. Doch von den Siedlungen, Bauwerken und Tempeln der alten Ägypter haben sich in dieser von Wasser geprägten Region nur wenige Spuren erhalten.

Das Delta sah einst ganz anders aus

Klar ist: Die einstigen antiken Siedlungen lagen an den verschiedenen Nilarmen und waren mit Wasserstraßen verbunden. Die Wasserläufe dienten dabei als Verkehrsnetz, zur Bewässerung der Felder und zur Versorgung für Mensch und Tier. Wer nach Spuren der Antike sucht, muss sich demnach nur an den Gewässerverläufen orientieren, könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht: Seit der Antike haben sie sich stark verändert und verschoben. Dies wird deutlich, wenn man antike Berichte mit den heutigen geografischen Gegebenheiten vergleicht. Beispielsweise berichtete der griechische Geschichtsschreiber Herodot im 6. Jahrhundert v. Chr. von fünf natürlichen Mündungsarmen – heute gibt es nur noch zwei. Ähnlich verändert haben sich auch die Verläufe der vielen Zwischenverbindungen und Wasserstraßen im Nildelta.

Bereits seit einiger Zeit beschäftigt sich ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo mit der Rekonstruktion der antiken Wasserverläufe. Ihr Fokus liegt dabei auf der Region um die antike Stadt Buto (Tell el-Farain) im Nordwesten des Nildeltas. Zur Erforschung der Siedlungsgeschichte und der Veränderungen der Landschaft werteten sie historisches Kartenmaterial, archäologische Funde und Bohrungen aus. Doch bisher zeichneten sich in den Ergebnissen kaum deutlichen Spuren der antiken Landschaft ab. Wie das DAI berichtet, hat sich dies allerdings nun durch eine Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt geändert: Die Auswertung von Satelliten-Daten von TanDEM-X brachten den Durchbruch!

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Kein Nilarm, sondern mysteriöse Wasserstraßen

Die Zwillingssatelliten TanDEM-X liefern seit 2010 Beobachtungsdaten aus dem All, die zu einem hoch-genauen, dreidimensionalen Abbild unserer Erde führen sollen. Mit Radargeräten tasten sie dazu aus 500 Kilometer die Erdoberfläche ab. Im Blick der Satelliten stand auch das ägyptische Nildelta. Wie das DAI nun berichtet, ist aus der Kombination der Daten und den Informationen der Archäologen nun ein hochauflösendes digitales Höhenmodell entstanden, in dem sich frühere Strukturen der Landschaft erkennen lassen.

Die Auswertungen haben bereits zu einer überraschenden Erkenntnis geführt, berichten die Forscher: Durch das Untersuchungsgebiet floss im Altertum kein mächtiger Nilarm wie bisher vermutet. Stattdessen befand sich dort ein fein verästeltes Netzwerk kleiner Wasserarme. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob es sich dabei um natürliche Wasserläufe oder ein von Menschenhand geplantes Wassersystem gehandelt hat, kündigen die Archäologen an. Außerdem freuen sie sich über das große Potenzial, das das neue Höhenmodell bei der Suche nach einstigen Siedlungen bietet. Nun können die Wissenschaftler geringfügige Erhebungen im flachen Delta aufspüren, auf denen möglicherweise einst Gebäude standen. Denn um die Vorzüge der Wasserstraßen zu nutzen, gleichzeitig aber nicht durch die jährlichen Nilflut gefährdet zu sein, errichteten die Menschen der Pharaonenzeit ihre Siedlungen auf Erhöhungen, erklären die Archäologen.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut

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