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Geschichte|Archäologie Gesellschaft|Psychologie

Atmosphärischer Spiegel der Nah-Ost-Krisen

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Während die Stickstoffdioxidemissionen von 2005 bis 2010 fast im ganzen Nahen Osten stiegen (obere Karte), sind sie zwischen 2010 und 2014 in vielen Regionen gesunken (untere Karte). Science Advances 2015/MPI für Chemie, Steffen Beirle
Bürgerkrieg in Syrien, Handelssanktionen gegenüber dem Iran, aber auch Umweltschutzmaßnahmen – all dies spiegelt sich in charakteristischer Weise in Satellitendaten der Schadstoffemissionen im Nahen Osten wider, berichten deutsche Forscher. Die bedrückendste Feststellung: In Regionen, in denen bewaffnete Konflikte herrschen und aus denen viele Menschen geflohen sind, sanken die Stickoxidemissionen deutlich. In Gegenden, in die sich die Flüchtlinge zurückzogen, stieg die Freisetzung hingegen stark an.

Die Daten stammen aus Messungen der atmosphärischen Stickstoffdioxidmenge der letzten zehn Jahre, die der Aura-Satellit der NASA von 2005 bis 2014 gemessen und täglich zur Erde gefunkt hat.  Neben natürlichen Quellen werden Stickoxide in erster Linie bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas durch Industrie und Verkehr freigesetzt. Sie sind somit ein Zeichen für die wirtschaftliche Leistung in einem bestimmten Gebiet, erklären die Forscher um Jos Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Ihre Analysen zeigen nun: Von 2005 bis 2010 sind die Stickstoffdioxidemissionen von in nahezu allen bewohnten Gebieten des Nahen Ostens deutlich anstiegen. Doch zwischen 2010 und 2014 sanken sie vielerorts deutlich ab: in Israel, Syrien und im Iran, in und um Kairo, Bagdad und Saudi-Arabien, und auch in den für den Ölexport so wichtigen Häfen am persischen Golf. Im Libanon, in Teilen des Iraks und Jordanien stiegen die Stickoxidwerte im gleichen Zeitraum hingegen weiter an.

Anzeichen Humanitärer Katastrophen

Diese Beobachtungen lassen sich den Forschern zufolge klar mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen verknüpfen: Während in Israel und Saudi-Arabien strengere Umweltgesetze zur Reduktion der Stickoxidemissionen führten, geht der Rückgang in anderen Gebieten mit politischen und wirtschaftlichen Konflikten, Kriegen und Flüchtlingsströmen einher. „Es ist sehr tragisch, dass die beobachteten Negativtrends der Stickoxidemissionen zum Teil mit humanitären Katastrophen einhergehen“, sagt Jos Lelieveld. Besonders krass in Syrien: Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 sanken die Stickoxidwerte über Damaskus und Aleppo um 40 bis 50 Prozent. Der Grund: Vier Millionen Syrer sind bereits aus ihrem Land geflohen, unter anderem in den benachbarten Libanon. Hier stiegen die Emissionswerte allein in 2014 um 20 bis 30 Prozent.

Die komplexe Lage im Irak spiegelt sich ebenfalls in den Messungen wider: Nach der Invasion im Jahr 2003 stieg der Energieverbrauch des Landes seit 2005 um vier bis fünf Prozent. Parallel dazu stiegen die Stickoxidemissionen von 2005 bis 2014 im kurdischen Norden und im Süden des Iraks kontinuierlich an.  Anders sieht es in und um Bagdad aus sowie in den von von der Terrormiliz Islamischer Staat heimgesuchten Gebieten im Zentrum des Landes: Hier gingen die Stickoxidemissionen zwischen 2010 und 2014 deutlich zurück.

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Sanktionen im Iran und auch die Griechenland-Krise zeichnen sich ab

Für die Beobachtungen im Fall des Iran machen die Forscher die wirtschaftlichen Sanktionen verantwortlich, die im Jahr 2010 deutlich verstärkt wurden. Dadurch fiel 2013 und 2014 das Bruttoinlandsprodukt um sechs Prozent, was sich im Rückgang der  Emissionswerte bis 2014 deutlich widerspiegelt. „Wir haben anhand der Satellitenmessungen gesehen, dass die Wirtschaftssanktionen im Iran seit 2010 große Wirkung hatten“, sagt Jos Lelieveld. Er und sein Team wollen nun im Auge behalten, wie sich die Emissionswerte im Iran zukünftig weiterentwickeln, wenn die UN-Sanktionen aufgehoben werden.

Auch auf einen Krisenherd in Europa fiel der Blick der Forscher: Die Wirtschaftskrise in Griechenland lässt sich ihnen zufolge ebenfalls in den Stickoxidemissionen ablesen. Seit 2008 fiel das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands um fünf Prozent pro Jahr. Seit dem sind die Emissionen um 40 Prozent zurückgegangen, berichten Lelieveld und seine Kollegen.

Quellen

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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