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Geschichte+Archäologie

Auf den Spuren der Kreuzfahrer

Kreuzfahrer-Gebeine
Kreuzfahrer-Gebeine in einem Grab in Sidon. (Bild: Claude Doumet-Serhal)

Die Kreuzzüge waren eine prägende Ära für die Geschichte Europas und des Nahen Ostens. Doch über die Fußsoldaten des Kreuzritterheeres war bislang nur wenig bekannt. Jetzt geben DNA-Analysen von neun im Libanon gefallenen Kreuzfahrern erste Einblicke. Sie enthüllen, dass auch einheimische Soldaten an der Seite der europäischen Kreuzritter kämpften – und dass einige europäische Soldaten Kinder mit Frauen der Levante zeugten.

In der Zeit von 1095 bis 1291 zogen hunderttausende von Kreuzrittern und Fußsoldaten aus verschiedenen Regionen Europas ins Heilige Land, um Jerusalem und das Heilige Land für das Christentum zu sichern. Nach der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 gelang es den Kreuzfahrern tatsächlich, zumindest Teile des Nahen Ostens unter ihre Herrschaft zu bringen – allerdings nicht für lange. Ende des 13. Jahrhunderts eroberten die muslimischen Truppen unter Sultan Saladin die letzten christlichen Bastionen und vertrieben die Kreuzfahrer aus dem Nahen Osten.

Blick ins Kreuzfahrer-Grab

Trotz der prägenden Bedeutung der Kreuzzüge für die europäische Geschichte ist allerdings nur wenig über die Menschen bekannt, die an diesen „heiligen Kriegen“ teilnahmen. „Wir wissen zwar, dass Richard Löwenherz an den Kreuzzügen teilnahm, aber über die normalen Soldaten, die bei diesen Feldzügen mitzogen und starben, wissen wir kaum etwas“, sagt Chris Tyler-Smith vom Wellcome Sanger Institute. Ebenso unklar war bisher, ob die Kreuzritter und ihre Armeen genetische Spuren bei den Menschen des Nahen Ostens hinterlassen haben.

Um das zu klären, haben Tyler-Smith, sein Kollege Mark Haber und ihr Team das Erbgut von Toten in einem der wenigen bekannten Kreuzfahrer-Gräber analysiert – einem Massengrab mit mindestens 25 Toten bei Sidon im heutigen Libanon. „Dieser Ort war eine wichtige Festung im Kreuzfahrer-Königreich von Jerusalem – und zwischen 1100 und 1249 ein Schauplatz großer Schlachten gegen die Araber“, erklären die Forscher. Die Verletzungen der Männer, Schuhschnallen europäischer Machart und Münzen aus Italien sprechen dafür, dass es sich bei den Toten um Kreuzfahrer handelte.

Nicht alle waren Europäer

Um herauszufinden, woher diese toten Kreuzfahrer kamen, verglichen Haber und sein Team das Erbgut der Toten mit dem von verschiedenen europäischen und nahöstlichen Volksgruppen. Das überraschende Ergebnis: Nur drei dieser Kreuzzugs-Soldaten waren europäischer Herkunft, wie ihre genetische Verwandtschaft mit heutigen Spaniern und Sardiniern belegt. Die sechs anderen Toten jedoch kämpften zwar im christlichen Heer, waren aber keine Europäer: Vier von ihnen stammten aus dem Nahen Osten und waren genetisch eng mit den ortsansässigen Libanesen verwandt.

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Diese Ergebnisse belegen, dass das Heer der Kreuzfahrer deutlich heterogener zusammengesetzt war als vielfach angenommen. Neben den schon in Europa für den „heiligen Krieg“ angeworbenen Soldaten kämpften auch einheimische Verbündete auf Seite der Christen. „Das stützt historische Überlieferungen nach denen lokale Christen die Kreuzfahrer unterstützten – als Fußsoldaten oder sogar indem sie Marschälle und Ritter wurden“, erklären die Wissenschaftler. „Die Kreuzfahrer und ihre Verbündeten aus dem Nahen Osten lebten, kämpften und starben Seite an Seite.“

Keine bleibenden Spuren

Dieser enge Kontakt erstreckt sich offenbar auch auf einheimische Frauen: Zwei der toten Kreuzzugs-Soldaten waren gemischter Herkunft, wie die DNA-Analysen enthüllten – ein Elternteil war europäisch, das andere libanesisch. „Die Kreuzfahrer hatten demnach Beziehungen mit lokalen Frauen und deren Söhne nahmen dann auf Seiten der Christen am Kampf teil“, erklärt Haber. Allerdings haben diese Nachkommen der Kreuzfahrer kaum bleibende Spuren im Genpool des Nahen Ostens hinterlassen. Denn bei den heutigen Libanesen sind keine Hinweise auf die Einkreuzung europäischer DNA mehr erkennbar, wie die Analysen ergaben.

„Wenn man die Genetik der heutigen Libanesen mit der von Menschen aus der römischen Zeit in dieser Region vergleicht, sieht man eine scheinbare Kontinuität“, sagt Haber. „Man würde nicht erkennen, dass es dazwischen eine Zeit gab, in der auch Europäer und Menschen gemischter Herkunft im Libanon lebten.“

Quelle: Cell Press, Wellcome Sanger Institute; Fachartikel: American Journal of Human Genetics, doi: 10.1016/j.ajhg.2019.03.015

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