Djerba Auf den Spuren des antiken Purpurhandels - wissenschaft.de
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Djerba

Auf den Spuren des antiken Purpurhandels

Meninx
Ausgrabungen in einem römischen Badehaus von Meninx und Skizze des Marktbaus mit einem Schiffsanleger. (MAP/ Stefanie Holzem; Max Fiederling, Tobias Bitterer)

Die antike Stadt Meninx auf der Insel Djerba war vor mehr als 2000 Jahren eines der wichtigsten Zentren des Purpurhandels im Mittelmeerraum. Wie die Stadt und der Hafen dieser Metropole damals aussahen, hat ein deutsch-tunesisches Archäologenteam in den letzten Jahren erforscht. Ihre Funde enthüllen unter anderem, auf welchem Wege Schiffe in den Hafen von Meninx geleitet wurden. Zudem belegen sie den Wohlstand der Stadtbewohner und den Import antiker Luxusgüter.

Die Stadt Meninx entstand wahrscheinlich schon im vierten Jahrhundert vor Christus – damals noch als Teil des Reichs von Karthago. Wegen ihrer günstigen Lage an der geschützten Südostküste der heute zu Tunesien gehörenden Insel Djerba entwickelte sich Meninx zum Hauptort der Insel und zu einer wichtigen Hafenstadt. Über sie wurde in der Antike ein Großteil des wertvollen und begehrten Purpurfarbstoffs verschifft, wie schon der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere berichtete. Die florierende Purpurgewinnung auf der Insel soll ein Grund dafür gewesen sein, warum die Römer schon im ersten und zweiten punischen Krieg versuchten, Meninx zu erobern. Unter den Römern erlebte die Stadt dann im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus eine wirtschaftliche Blütezeit.

Vor Meer und Feinden gut geschützter Hafen

Wie das antike Meninx und sein Hafen damals aussahen, untersucht seit 2015 ein deutsch-tunesisches Archäologenteam unter Leitung von Stefan Ritter von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Rahmen ihrer Ausgrabungen und mithilfe von Magnetometeruntersuchungen und Sedimentbohrungen gelang es den Forschern, die ungewöhnliche Struktur von Meninx mit ihren parallel zur Küste verlaufenden Straßen zu ergründen und auch die Anlage des antiken Hafens zu rekonstruieren. Demnach lag Meninx vor Wind und Wellen geschützt an einer Flachwasserlagune, die durch breite Sandbänke vom offenen Meer abgegrenzt war. Nur zwei tiefere Kanäle ermöglichten Schiffen die Durchfahrt durch die Lagune – das schützte den Hafen auch vor Angriffen von See. Denn nur Ortskundige kannten die komplizierte Zufahrt zum Hafen, wie Ritter erklärt.

Wollte ein Schiff die Hafenstadt Meninx anlaufen, musste es zunächst über eine tiefe und breite Fahrrinne in einen Nebenkanal einschwenken, der über eine längere Strecke parallel zur Küste verlief. Erst an seinem Ende erreichte man die teils gemauerten, teils hölzernen Piers des Hafens von Meninx. Von dort konnten Arbeiter die Waren leicht zu den nahen Speicherbauten transportieren. Auf Basis von Untersuchungen der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie konnten die Wissenschaftler die Lage dieser antiken Hafenanlagen und ihrer komplizierten Zufahrtswege rekonstruieren. Auch die Relikte zahlreicher Schiffswracks und Reste von Piers wurden in diesem Küstengebiet gefunden.

Prächtige Häuser und importierte Luxusgüter

Im Rahmen ihres Forschungsprojekts konnten Ritter und seine Kollegen auch einige Erkenntnisse zum Aufbau der antiken Stadt Meninx gewinnen. Die Überreste mehrerer Wirtschaftsbauten, Wohnhäuser und Heiligtümer zeugen dabei vom Wohlstand dieser antiken Handelsmetropole. „Wir entdeckten sogar ein gut erhaltenes Privatbad aus der römischen Kaiserzeit, mit Mosaikböden, prächtigen Wandmalereien und Statuen“, berichtet Ritter. Die Quelle dieses Reichtums war der begehrten Purpurfarbstoff, der aus im Mittelmeer heimischen Meeresschnecken gewonnen wurde.

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Funde deuten jedoch darauf hin, dass die Bewohner von Meninx zumindest einen Teil des Farbstoffs direkt vor Ort verarbeiteten: „Wir haben starke Indizien dafür, dass Purpur aus Meninx nicht als reiner Farbstoff exportiert wurde, sondern man aus Schafwolle hergestellte Textilien vor Ort färbte und sie dann verkaufte“, berichtet Ritter. Das solcherart aufgewertete Material wurde dann in den gesamten Mittelmeerraum geliefert. Im Gegenzug ließen sich die wohlhabenden Bewohner der Hafenmetropole Luxusgüter aus dem gesamten Mittelmeerraum liefern, wie die auf Basis ihrer Archäologen feststellten. Demnach wurden damals Nahrungsmittel, insbesondere Wein, aber auch Tafelgeschirr und Marmor aus Italien, Spanien, Griechenland, Kleinasien und Ägypten importiert.

Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München / Meninx-Projekt

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