Auf den Spuren des Reichs von Kusch - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Auf den Spuren des Reichs von Kusch

Türsturz
Türsturz aus der Nekropole Sedeinga, laut Inschrift gewidmet der Adatalabe (Foto: Vincent Francigny / Sedeinga archaeological mission)

Es gilt als das Reich der „Schwarzen Pharaonen“: Das nubische Reich von Kusch ist bis heute kaum erforscht. Doch Ausgrabungen in einer Nekropole im Norden des Sudan liefern nun spannende Einblicke in Lebenswelt und Gesellschaft dieser Menschen. Unter den aktuellen Funden sind gleich mehrere Stelen mit Inschriften, die hochrangigen Frauen gewidmet sind. Denn sie hatten im Reich von Kusch großen Einfluss und einen hohen Status.

Während die Dynastien und Reiche des alten Ägypten heute recht gut erforscht sind, ist über ihre Nachbarn im Süden deutlich weniger bekannt – das Reich von Kusch. Diese sowohl von ägyptischen als auch von schwarzafrikanischen Einflüssen geprägte Kultur erstreckte sich in der Zeit von etwa 700 vor Christus bis 350 nach Christus vom ersten Nilkatarakt bis in den Norden des heutigen Sudan. In der Anfangszeit lag das Zentrum dieses Reichs der „Schwarzen Pharaonen“ bei Napata, rund 400 Kilometer nördlich von Khartum. Ab etwa 300 vor Christus wurde das etwas weiter südlich gelegene Meroe zur Hauptstadt und zum kulturellen Zentrum.

Hunderte Gräber und Pyramiden

Auf den Spuren des Reichs von Kusch führen Archäologen im Rahmen eines französisch-sudanesischen Projekts bereits seit 2009 Ausgrabungen in Sedeinga durch – einer großen Nekropole der Nubier am Westufer des Nils. Die Totenstadt erstreckt sich über mehr als 25 Hektar und umfasst die Ruinen von mindestens 80 aus Ziegeln errichteten Pyramiden und hunderten Gräbern.

Stele
Stele mit einem Text, der die Herkunft einer hochrangigen Frau names Maliwarase beschreibt (Foto: Claude Rilly / Sedeinga archaeological mission)

Wie die Forscher herausfanden, stammt der Großteil dieser Bauten aus der napatanischen Anfangszeit des Reichs von Kusch vor rund 2700 Jahren. 500 Jahre später jedoch bauten die Nubier die Nekropole weiter aus. Sie ergänzten neue Totentempel aus Ziegeln und Sandsteinblöcken westlich der alten Pyramiden und Gräber und bauten auch einige neue Pyramiden. In den Ruinen der Nekropole haben die Archäologen bereits zahlreiche verzierte Sandsteinstelen, Türrahmen und Türsturze entdeckt. Auf vielen sind zudem Texte in meroischer Schrift eingemeißelt – der ältesten Schrift Schwarzafrikas.

Mächtige Frauen

Neue Funde aus der Grabungssaison von 2017 liefern nun weitere Einblicke in das Reich von Kusch und seine Bewohner. Die Archäologen entdeckten unter anderem eine Stele, die laut Inschrift einer Dame namens Maliwarase gewidmet war. Dem Text nach war sie die Schwester von zwei Hohepriestern des Amon und einer ihrer Söhne war Gouverneur von Faras, einer Stadt am zweiten Nilkatarakt. Nahe einem der Gräber fanden die Wissenschaftler zudem einen verzierten Türsturz, in den vier Zeilen Text eingraviert sind. Er besagt, dass das zugehörige Grab einer weiteren hochrangigen Frau gehörte, einer gewissen Adatalabe. Sie war mit einem Prinzen aus der königlichen Familie von Meroe verwandt. Eine zweite Stele ist Ataqeloula, ebenfalls einer Frau aus der Elite der Meroer gewidmet.

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„Dass diese beiden Stelen hochrangigen Frauen gewidmet sind, ist kein Einzelfall“, erklären die Forscher. „Denn in der meroischen Gesellschaft waren es die Frauen, die das Prestige einer Familie verkörperten und die die Erbschaft weitergaben.“ Insgesamt bilden die bisher in der Nekropole von Sedeinga gefundenen Objekte die bisher größte Sammlung von meroischen Texten überhaupt, wie die Archäologen berichten. Diese erste Schriftsprache Schwarzafrikas wurde in Zeichen geschrieben, die eng an die altägyptische Schrift angelehnt waren.

Quelle: CNRS

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