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Spanischer Bürgerkrieg

Auf der Suche nach den verschollenen Opfern des Franco-Regimes

Todesopfer
Diese Bilder zeigen im Spanischen Bürgerkrieg Vermisste und Getötete, deren Überreste in Almagro begraben liegen könnten. (Bild: Gema Ortiz Iglesias)

Im Rahmen des Spanischen Bürgerkriegs wurden zehntausende Menschen von Anhängern des Franco-Regimes exekutiert und in Massengräbern verscharrt. Im spanischen Almagro arbeiten Archäologen und forensische Anthropologen jetzt daran, die Toten aus einem der größten Massengräber der Provinz Ciudad Real zu bergen und mittels DNA-Proben zu identifizieren. Denn bis heute wissen viele Familien dieser Opfer nicht, wo ihre damals getöteten Angehörigen geblieben sind.

Im Jahr 1936 kam es in Spanien zu einem Putsch, bei dem Militärs und nationalistisch ausgerichtete Gruppen unter General Francisco Franco die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen versuchten. In den folgenden Jahren brach ein Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf hunderttausende Menschen zu Tode kamen. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen führten vor allem die Nationalisten unter Franco aber auch gezielte Massentötungen von Anhängern der Republikaner durch. Die teilweise zuvor in Lagern gefangen gehaltenen Opfer wurden häufig in Massengräbern verscharrt, ohne dass ihre Angehörigen erfuhren, was aus ihnen geworden war und wo die Überreste lagen.

Suche nach den Opfern und ihren Familien

Schon seit mehr als 20 Jahren arbeiten verschiedene Wissenschaftlerteams im Rahmen des Projekts „Mapas de Memoria“ – Karten der Erinnerung – daran, die Gräber der damals Ermordeten aufzuspüren, die Toten zu bergen und ihre Identität zu klären. Im ersten Schritt suchen die Forschenden dafür in historischen Aufzeichnungen und Archivmaterial nach Hinweisen auf Hinrichtungen und Gräber aus der Zeit des Franco-Regimes. Parallel dazu versuchen weitere Teams, auf Basis von Zeitzeugenberichten, aktuellen Berichten und auch sozialen Medien, die Angehörigen von Opfern dieser Ereignisse ausfindig zu machen.

„Während die Archäologen nach den menschlichen Überresten suchen, versuchen die sozialen Anthropologen, die Familien, ihre Geschichte und Geschichten aufzuspüren“, erklärt Jorge Moreno, Leiter des Projekts Mapas de Memoria. Zurzeit konzentrieren sich die Forschenden dabei auf Massengräber in der Provinz Ciudad Real, ein rund 200 Kilometer südlich von Madrid um die gleichnamige Stadt liegendes Gebiet. Hier wurden in den letzten zehn Jahren bereits 53 Massengräber mit Opfern des Franco-Regimes lokalisiert und 3457 Tote identifiziert.

Bergung der Toten von Almagro

Zurzeit läuft die Ausgrabung eines Massengrabs in Almagro, in dem Ermordete aus der Zeit von 1939 bis 1940 bestattet worden waren. Das Areal bildet heute einen Teil des örtlichen Friedhofs, was die Identifizierung der Bürgerkriegsopfer erschwert. „Diese Ausgrabung ist besonders kompliziert, weil es in diesem Areal auch nach dem Krieg noch viele normale Begräbnisse gab“, erklärt der forensische Anthropologe Nicholas Márquez-Grant. „Wir müssen die Toten daher vorsichtig Schicht für Schicht freilegen und bergen, um ihre Würde nicht zu verletzen.“ Bisher haben die Forschenden elf Gräber von Bürgerkriegsopfern identifiziert, in denen teilweise mehrere Tote liegen.

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Ausgrabung
Ausgrabungen in Almagro. (Bild: Cranfield Forensic Institute)

Einige Tote sind durch Einschusslöcher im Schädel eindeutig als Mordopfer erkennbar. Die Wissenschaftler suchen nun anhand von Beifunden in den Gräbern und DNA-Proben nach den Angehörigen für zunächst 26 dieser Toten. „Ursprünglich hatten wir nur vier Familien dieser Toten aufgespürt, aber in den letzten zehn Tagen ist es uns gelungen, 21 Familien zu finden und ihre Geschichte aufzuzeichnen“, berichtet Moreno. Einer der heute noch lebenden Angehörigen ist José Barios, dessen Großonkel in Almagro exekutiert und beerdigt wurde. „Als die Ausgrabungen begannen, hat das bei mir noch nicht viel ausgelöst. Aber als sie dann den ersten Toten fanden und ich den Schädel und Fuß dieses Menschen sah, dachte ich: ‚Jetzt sind wir endlich da und finden dich‘.“

Die Wissenschaftler rechnen damit, dass die Ausgrabungen in diesem Massengrab von Almagro noch bis in den Juni hinein andauern werden. Die geborgenen Überreste werden dann von Anthropologen näher untersucht und es werden DNA-Proben entnommen, um anhand dessen die Toten und ihre Todesumstände zu identifizieren. Nach Abgleich mit den DNA-Proben der parallel dazu aufgespürten Angehörigen erhalten die Familien ihre Toten zurück und können ihre sterblichen Überreste in ihrer Heimat zur Ruhe betten. Können die Forschenden keine Angehörigen mehr ausfindig machen, werden die Toten wieder in Almagro beerdigt. „Wir tragen damit dazu bei, den Toten ihre Würde zurückzugeben, und helfen den Familien, einen Abschluss und Frieden zu finden“, sagt Maria Benito Sanchez von der Complutense Universität Madrid

Quelle: Cranfield University

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