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Aus dem Takt gebracht

Die täglichen Rhythmen im Körper des Menschen passen sich der jährlichen Umstellung der Uhren auf die Sommerzeit im März nicht an: Der natürliche Schlaf- und Aktivitätsrhythmus der Menschen wird auch in den Sommermonaten durch die Dämmerung gesteuert, und der Körper gewöhnt sich während der gesamten Zeit nicht daran, dass sich der offizielle Tagesverlauf um eine Stunde verschiebt. Das konnten Wissenschaftler aus Deutschland und den Niederlanden in der bislang größten Studie zu diesem Thema zeigen.

Der Körper passt seine internen Rhythmen, beispielsweise von Stoffwechselvorgängen, mit Hilfe des Tageslichts an die Umgebung an, in der er sich befindet. Auf diese Weise synchronisiert er seine Funktionen mit dem Tag-Nacht-Zyklus. Zweimal im Jahr jedoch wird etwa ein Viertel der Weltbevölkerung einer künstlichen Zeitverschiebung ausgesetzt, wenn im Frühjahr und Herbst die Uhren verstellt werden. Obwohl diese Zeitverschiebung einen Einfluss auf die natürlichen Rhythmen hat, gab es bislang nur wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen der Zeitumstellung. Die meisten davon kamen zu dem Schluss, dass sich der Körper innerhalb weniger Tage an die veränderte Zeit anpasst.

In ihrer Umfrage untersuchten die Wissenschaftler nun die Schlafmuster von 55.000 Menschen in Mitteleuropa. Die Versuchsteilnehmer sollten Fragen zu ihren Schlafgewohnheiten sowohl an Arbeitstagen als auch an freien Tagen machen. Dabei stellte sich heraus, dass die Probanden an ihren freien Tagen, an denen sie also nicht zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen mussten, ihren Schlaf nach der Dämmerung ausrichteten. In einem weiteren Experiment beobachteten die Wissenschaftler bei 50 Personen die Schlaf- und Aktivitätsmuster jeweils vier Wochen vor und nach der Uhrzeitumstellung. Die Schlafmuster wurden wie beim ersten Versuch per Fragebögen erfasst, während die Aktivität mit Hilfe eines Gerätes erfasst wurde, welches die Bewegungen der Versuchsteilnehmer maß.

Auch hier zeigte sich, dass sich die Nacht- und Tagesrhythmen der Testpersonen während ihrer freien Tage nicht an die Sommerzeit anpassten. Die biologische Uhr der Versuchsteilnehmer richtete sich also auch im Sommer nach der Winterzeit, während sie ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen an der um eine Stunde vorgehenden Sommerzeit ausrichten mussten. Die Forscher können noch nicht sagen, ob dadurch auf lange Zeit gesehen die Gesundheit beeinträchtigt wird. Sie betonen aber, dass das ernsthaft in Erwägung gezogen werden müsse und weitere Untersuchungen zu dieser Frage dringend nötig seien.

Thomas Kantermann (Ludwig-Maximilians-Universität in München) et al.: Current Biology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.cub.2007.10.025 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker
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