Bergbau-Pioniere: Die Kelten auf der Suche nach dem weißen Gold - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Bergbau-Pioniere: Die Kelten auf der Suche nach dem weißen Gold

Blick in die Ausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“: Vorn ein Zeremonialgefäß der Kelten. (Foto: LWL / MuseumsPartner).

Den Kelten und ihren Methoden der Salzgewinnung widmet sich das LWL-Museum für Archäologie in Herne mit der Ausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“. Gezeigt werden ab 23. August Funde aus dem österreichischen Hallstatt, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sind. Rund 250 spektakuläre Exponate nehmen die Besucher mit in das älteste noch in Betrieb stehende Bergwerk der Welt.

Die Kelten, die vor über 2600 Jahren hier wirkten, entwickelten den ersten quasi-industriellen Salzbergbau. Sie bauten unterirdische Förderhallen, um die über 300 Meter tiefen Salzadern abzubauen. Zu sehen ist etwa die älteste Holztreppe der Welt, deren Stufen verstellbar waren, dazu Leuchtspäne, Textilien, Tragesäcke und Schaufeln, die für den Salzabbau verwendet wurden. Sogar eine Marketingstrategie erdachten die Kelten: Sie boten ihr Salz in Herzform an.

Erdrusche mit gewaltigen Schlammlawinen verschütteten im Lauf der Zeit die prähistorischen Stollen. Dies war Glück im Unglück: Das Salz konservierte eine Vielzahl jener Gegenstände, die nun in der Ausstellung zu sehen sind. Die einzelnen Themenblöcke der Schau werden in sechs riesigen, begehbaren „Salzblöcken“ präsentiert.

Durch das Salz entstand für die Kelten auch neuer Reichtum, der sich in den großzügigen Grabbeigaben widerspiegelt, die bei ersten Ausgrabungen im 19. Jahrhundert entdeckt wurden und in ihrer Fülle auch heutzutage noch nicht vollends geborgen werden konnten. Der Reichtum musste jedoch teuer erkauft werden: Offensichtlich nahmen die arbeitenden Eltern selbst Kleinkinder mit in die Tiefe des Salzbergwerks. Davon zeugt ein Kinderbarett, eine schützende Kopfbedeckung, die vor Staub, untertägigem Wetter und anderem Ungemach schützen sollte. Das winzige Barett, welches einem Säugling im Alter von drei bis sechs Monaten gepasst haben muss, ist 2.500 bis 2.800 Jahre alt.

Im Berg war Schwerstarbeit zu leisten: Eine Studie an 215 Skeletten des Gräberfeldes belegt, dass die Knochen bei jüngeren und älteren Menschen, bei Frau und Mann hochgradig strapaziert waren. So sehr, dass die Knochen an den Muskelansatzstellen verändert und die Gelenke abgenutzt waren. Diese Spuren verraten, dass die Frauen die schweren Transportarbeiten übernahmen, während die Männer mit dem Pickel arbeiteten und den Abbau vorantrieben.

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Die Sonderausstellung wurde vom Naturhistorischen Museum Wien in Zusammenarbeit mit der Ausstellungsgesellschaft Museums Partner erstellt und ist bis zum 25. Januar 2015 zu sehen.

Quelle: Redaktion DAMALS / Archäologiemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
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