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Altes Ägypten

Beschrifteter Scherben-Schatz geborgen

Links: Eine Tonscherbe mit einer Quittung über Opfergaben für die Tempelgöttin Repit. Mitte: Eine der möglichen Strafarbeiten aus der schulischen Nutzung der Scherben. Rechts: Eine Zeichnung mit typisch kindlichen Zügen. © Athribis-Projekt Tübingen

Einblicke in den altägyptischen Alltag: Archäologen haben in der Nähe der Ruinen eines ptolemäischen Tempels mehr als 18.000 Tonscherben entdeckt, die vor etwa 2000 Jahren als Schreibmaterial gedient haben. Auf ihnen wurden in verschiedenen Schriftsystemen Namenslisten und Geschäftsabschlüsse notiert und offenbar nutzten auch die Schüler einer Schule die Scherben als Unterreichsmaterial. Zahlreiche Exemplare waren dabei fortlaufend mit nur einem Zeichen beschrieben. Vielleicht handelte es sich um Strafaufgaben, sagen die Forscher.

Der Blick richtet sich auf eine Ausgrabungsstätte nahe der ägyptischen Stadt Sohag, rund 200 Kilometer nördlich von Luxor. Dort befand sich in der Antike die Siedlung Athribis, deren Überreste ein internationales Archäologenteam unter der Leitung der Universität Tübingen bereits seit einiger Zeit erkundet. Im Fokus standen dabei zunächst die Ruinen eines Tempels, den Pharao Ptolemaios XII. erbauen ließ, der von 76 bis 51 v. Chr. über das Land am Nil herrschte. Es handelte sich dabei um den Vater der berühmten Kleopatra. Das Heiligtum war der Löwengöttin Repit und ihrem Gemahl Min geweiht und wurde bis in die römische Epoche genutzt. Nach dem Verbot heidnischer Kulte im Jahr 380 n. Chr. wurde es dann allerdings zu einem christlichen Nonnenkloster umfunktioniert.

Blick auf die Überreste der Tempelanlage von Athribis. © Marcus Müller

Wie die Universität Tübingen berichtet, stießen die Archäologen im Jahr 2018 bei erweiterten Grabungen im Westen des Tempelbereichs auf Schuttmassen, in denen sie große Mengen von beschrifteten Tonscherben entdeckten. Nun berichten sie über die Untersuchungen dieses besonderen Schatzes, der vielschichtige Einblicke in das Alltagsleben in der Siedlung Athribis in der ptolemäischen und römischen Ära Ägyptens liefern kann.

Antike Notizzettel

Wie die Archäologen erklären, war es in der Antike üblich, dass die Bruchstücke von Tongefäßen als alltägliches Schreibmaterial genutzt wurden. Beschriftet wurden diese sogenannten Ostraka dazu mit Tusche und einem Schreibrohr – einem sogenannten Kalamus. Die Scherben erfüllten dabei die Funktion von Notizzetteln und wurden entsprechend massenweise genutzt und später weggeschmissen. So sind bereits viele Exemplare bekannt. Doch ein so umfangreicher Fund wie im aktuellen Fall ist etwas Besonderes, betonen die Archäologen.

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Ihren Untersuchungsergebnissen zufolge waren 80 Prozent der Tonscherben in Demotisch beschriftet, das sich seit etwa 600 v. Chr. aus dem Hieratischen entwickelt hatte. Demotisch bildete im Gegensatz zu Hieroglyphen die alltägliche Verwaltungsschrift in der Ptolemäer- und Römerzeit. Zu den zweithäufigsten Funden zählen Ostraka mit griechischen Zeichen und auch Beschriftungen in hieratischer und hieroglyphischer Schrift wurden entdeckt. Einige offenbar jüngere Exemplare weisen zudem koptische oder arabische Zeichen auf.

Als besondere Kategorie haben die Archäologen außerdem Ostraka mit bildlichen Darstellungen entdeckt. „Diese Tonscherben zeigen verschiedene figürliche Abbildungen, darunter Tiere wie Skorpione und Schwalben, Menschen sowie Götter aus dem naheliegenden Tempel bis hin zu geometrischen Figuren“, sagt Grabungsleiter Christian Leitz von der Universität Tübingen.

Quittungen und schulische „Strafarbeiten“

Wie aus den Übersetzungen hervorgeht, handelt es sich bei vielen der Texte um Auflistungen von Namen sowie Abrechnungen unterschiedlicher Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Die Scherben erfüllten demnach die Funktion von Quittungen. Eine besonders interessante Entdeckung war, dass viele Scherben offenbar aus einer antiken Schule stammten, berichtet das Team: „Es gibt Zahlenreihen, Rechenaufgaben, Grammatikübungen, Listen von Monatsnamen und ein sogenanntes Vogelalphabet. Jedem Buchstaben wurde dabei ein Vogel zugeordnet, dessen Namen mit diesem Buchstaben begann“, sagt Leitz. Bemerkenswert sind zudem Zeichnungen, die charakteristisch kindliche Züge aufweisen.

Besonders heben die Forscher außerdem schulische Ostraka hervor, die in besonderer Weise beschriftet waren: Hunderte sind mit den immer gleichen ein oder zwei Zeichen fortlaufend beschrieben worden. Wie sonst nicht üblich, wurden dazu neben den Außenseiten auch die Rückseiten der gewölbten Scherben verwendet. Bei diesen sehr ausgiebig erscheinenden Schreibübungen könnte es sich um Strafarbeiten gehandelt haben, die einige Schüler anfertigen mussten, sagen die Wissenschaftler.

Das Team hofft nun auf weitere Funde in Athribis, die noch mehr Einblicke in den Alltag vor rund 2000 Jahren geben können. Dazu sollen die Grabungen in den spannenden Schuttbereichen jetzt weitergehen, schreibt die Universität Tübingen.

Quelle: Universität Tübingen

Video: Universität Tübingen

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