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Geschichte+Archäologie

Bessere Chancen bei Brustkrebs

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Diagnose "Brustkrebs": Für jede Frau ein schwerer Schock. Foto: PhotoCase.com
Für jede Frau ist es ein schwerer Schock: Plötzlich kann sie einen Knoten in der Brust ertasten, der vorher nicht zu spüren war. Eine feste Stelle im Gewebe, die die Alarmglocken schrillen lässt. Womöglich Krebs? Nicht immer muss es sich um einen bösartigen Tumor handeln. Aber selbst eine gutartige Wucherung muss streng kontrolliert und beobachtet werden. Sie könnte sich auch zum bösartigen Geschwür entwickeln.

Um das zu verhindern, kann jede Frau sich einmal im Jahr vom Frauenarzt untersuchen lassen, der die Brust nach Knoten abtastet. Diese Leistung wird ab dem 30. Lebensjahr von den Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Da gerade ältere Frauen besonders anfällig für das Leiden sind, wurde zusätzlich für 50- bis 69-Jährige ein kostenloses, europaweites Mammografie-Screening eingeführt. Dabei wird die Brust alle zwei Jahre geröntgt und so mögliche Veränderungen des Gewebes sichtbar gemacht.

„Ich kann das nur jeder Frau ans Herz legen. Je früher ein Knoten in der Brust erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen und desto kleiner der Eingriff“, erklärt Bernd Gerber, Gynäkologe an der Universitäts-Frauenklinik am Klinikum Südstadt in Rostock. „Es gibt viele Frauen, die geheilt werden könnten, wenn sie nur früh genug zum Arzt gegangen wären.“ Mit seinem Appell richtet er sich besonders an Risikopatientinnen, die in paar Pfunde zu viel wiegen und schon seit Jahren den Besuch beim Frauenarzt vor sich herschieben.

Er beobachtet in seiner Klinik, dass die Zahl der Frauen rapide zunimmt, die mit einem Tumor im weit fortgeschrittenen Stadium eingeliefert werden. „Sie gehen aus Scham nicht zum Frauenarzt oder weil sie die Praxisgebühr sparen wollen“, vermutet er. Der Brustkrebs macht sich nicht von selbst bemerkbar. „Wenn es weh tut, dann ist es leider oft sehr spät“, klagt der Experte. Häufig haben sich Metastasen gebildet, die Schmerzen in anderen Körperregionen verursachen. Beschwerden in den Knochen oder unter der Achselhöhle können ein Indiz für den sich ausbreitenden Krebs sein.

Allerdings äußern sich einige Mediziner auch kritisch über die Vorsorgeuntersuchungen. Jeder Frau, die dank der Vorsorge vom Brustkrebs geheilt werden kann, stehe eine andere Frau gegenüber, die unnötig behandelt werde. Zu dieser Einschätzung kommen schwedische Mediziner in einer Publikation im British Medical Journal. Ungefährliche Knoten würden vielfach grundlos operiert.

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„Das Problem liegt nicht im Befund, sondern in der Behandlung“, entgegnet Gerber. „Es gibt noch immer eine hohe Zahl an Brustamputationen, obwohl diese in siebzig Prozent der Fälle nicht notwendig sind“, erklärt er. Die Behandlungsmethoden hätten sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Aber die modernen Techniken würden häufig nur an den spezialisierten Brustzentren eingesetzt.

Bevor die Chirurgen zum Messer greifen, sollte unbedingt eine Biopsie vorgenommen und die Lymphknoten in der Achselhöhle auf Metastasen untersucht werden. Sind diese befallen, müssen sie entfernt werden. „Das wird oft unterlassen“, bedauert Gerber. Ein schwerer Fehler, wie er findet: „Niemand stirbt an dem, was in der Brust wächst, sondern nur dadurch, dass der Krebs sich irgendwann in den Körper ausbreitet.“

Je nach Größe und Art des Tumors wird dieser zunächst mit Hormonen bekämpft. Hierzu wird meist Tamoxifen verabreicht. Neuerdings werden auch Aromatasehemmer gegeben. „Mit diesen Hormonen und einer begleitenden Chemotherapie kann eine von fünf Frauen so behandelt werden, dass keine Tumorzellen mehr nachzuweisen sind“, unterstreicht der Rostocker Gynäkologe. Bei den übrigen verkleinert sich die Geschwulst soweit, dass die Brust nicht amputiert werden muss und erhalten bleibt. Der Trend geht aus seiner Sicht zu sanfteren Eingriffen und zu einer individuelleren Behandlung.

Besteht der Verdacht, dass der Brustkrebs in der Familie liegt, so kann beispielsweise ein Gentest auf die Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 gemacht werden. Die Kosten von 4.000 bis 5.000 Euro werden jedoch von den Kassen nicht erstattet. „Sollte tatsächlich eine Mutation vorliegen, ist das natürlich auch eine psychische Herausforderung für die Patientinnen“, glaubt Peter Hillemanns, Facharzt für Frauenheilkunde an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Allerdings ist eine erbliche Veranlagung nur selten an dem Leiden Schuld. „Wenn es hoch kommt, dann sind die Gene für fünf Prozent der Brustkrebsfälle verantwortlich“, erläutert der Experte. Zu viele Pfunde, Alkohol und Rauchen zählen zu den wichtigsten Auslösern für die bösartige Wucherung. Hormone, die im Fettgewebe gebildet werden, begünstigen bösartige Veränderungen. In Europa und den USA leiden bis zu zwanzig Prozent der Patientinnen nur deshalb an Krebs, weil sie zu füllig sind. „Es gibt keinen anderen Umweltfaktor, der so einen mächtigen Einfluss ausübt“, betont Hillemanns. Um eine Rückkehr des Tumors nach der Behandlung zu vermeiden, empfiehlt er daher, Sport zu treiben und sich abwechselungsreich mit viel Obst und Gemüse zu ernähren. Alkohol und Zigaretten sollten dagegen gemieden werden.

ddp/wissenschaft.de – Susanne Donner
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