Bischofs-Mumie lag mit einem Fötus im Grab - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Bischofs-Mumie lag mit einem Fötus im Grab

Die Mumie des Bischofs Peder Winstrup wird in den Computertomografen geschoben. (Universität Lund)

Die Mumie eines schwedischen Bischofs aus dem 17. Jahrhundert liefert unerwartet reichhaltige Einblicke in die Vergangenheit. Wie Aufnahmen im Computertomografen enthüllen, sind nicht nur seine inneren Organe außergewöhnlich gut erhalten, schwedische Forscher konnten sogar die Krankengeschichte dieses prominenten Toten rekonstruieren. Überraschend auch: Am Fuß des Bischofs lag ein toter Fötus im Grab.

Zu Lebzeiten war der Tote, Peder Winstrup, ein prominenter Geistlicher und Förderer der Wissenschaften: Er war erst Priester am Hof des dänischen Königs Christian IV., und wurde 1638 Bischof der Stadt Lund. Als er 1679 starb, wurde sein Leichnam mumifiziert und ein Jahr später mit allen Ehren in der Kathedrale der Stadt bestattet.

Innere Organe noch komplett erhalten

Im Gegensatz zum sonst üblichen Prozedere balsamierte man den Toten damals allerdings nicht ein und entnahm ihm auch nicht die inneren Organe, wie Röntgenaufnahmen zeigten. Stattdessen sorgten besonders günstige Klima- und Umweltbedingungen dafür, dass der Leichnam bis heute vollständig erhalten blieb. Auch die Kleidung und das Pflanzenmaterial, das sich mit dem Bischof im Sarg befand, sind noch weitgehend intakt.

Wie einzigartig gut die Mumie konserviert ist, belegen nun Aufnahmen, die Forscher der Universität Lund mittels Computertomografie erstellten. Sie enthüllen, dass Lunge, Atemwege und selbst so sensible Organe wie die Gallenblase noch gut erkennbar erhalten sind. „Wir sehen nun, dass Winstrups Mumie eine der am besten erhaltenen Toten in ganz Europa aus dem 17. Jahrhundert ist“, sagt Per Karsten, Leiter des Historischen Museums der Universität Lund. „Sein Informationsgehalt ist vergleichbar mit dem der Eismumie Ötzi oder manchen ägyptischen Mumien.“

Tuberkulose, Lungenentzündung und verkalkte Adern

Anhand der CT-Aufnahmen gelang es den Forschern sogar, die Krankengeschichte des Bischofs bis ins Detail zu rekonstruieren. So deuten eingetrocknete Flüssigkeit und Schleim in seinen Nebenhöhlen darauf hin, dass Winstrup vor seinem Tod lange bettlägerig war. Wahrscheinlich litt der Bischof an Tuberkulose und einer Lungenentzündung, wie Verkalkungen der Lunge zeigen.

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Es gibt auch einige Hinweise darauf, dass sich der Bischof nicht unbedingt gesund ernährte. So
entdeckten die Forscher in einigen großen Blutgefäßen der Mumie verräterische Ablagerungen, die für eine Arteriosklerose sprechen. „Die Gallenblase enthält zudem mehrere Gallensteine, das deutet auf eine sehr fettreiche Ernährung hin“, erklärt Projekt-Mitarbeiterin Caroline Ahlström Arcini. Dass der Geistliche auch dem Süßen nicht abgeneigt war, zeigen einige Zahnlücken im Mund und Spuren von Karies in den noch verbliebenen Zähnen.

Fötus im Bischofs-Sarg

Doch die CT-Aufnahmen förderten auch einen sehr überraschenden Fund zutage: Zu Füßen des toten Bischofs entdeckten die Forscher den Leichnam eines rund vier bis fünf Monate alten Fötus. Das Kind muss vor seiner Zeit als Fehl- oder Totgeburt zur Welt gekommen sein. Woher dieses Baby stammt und wer es in das Grab des Bischofs legte, ist bisher rätselhaft. „Wir können nur spekulieren, ob es ein enger Verwandter von Winstrup war oder jemand anderes, der an der Vorbereitung des Sargs beteiligt war“, sagt Karsten. „Wir hoffen aber, die Verwandtschaft des Fötus bald durch einen DNA-Test aufklären zu können.“

Warum das Kind ausgerechnet im Bischofssarg verborgen wurde, ist ebenfalls noch ungeklärt. Ein möglicher Grund wäre, dem Kind auf diese Weise ein christliches Begräbnis zukommen zu lassen. Denn damals wurden Fehl- oder Totgeburten nicht getauft, ihre Seele konnte daher nach gängigem Glauben nicht in den Himmel kommen. „Der einzige Weg, die geistliche Zukunft dieses Kindes zu sichern, war es innerhalb der Kirchenmauern zu verstecken“, erklärte Karsten gegenüber CBC Radio.

Quelle: Lund University
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