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Geschichte+Archäologie

Brettspiele – beliebt schon vor 400 Jahren

Schach
Schachfiguren aus dem Augsburger Kunstkabinett. (Bild: Greger Sundin)

Ob an Feiertagen oder zum Zeitvertreib im Lockdown: Brettspiele sind ein beliebter Zeitvertreib – und das schon seit Jahrhunderten. Einen aufschlussreichen Einblick in vergangene Spieletrends hat ein Historiker nun bei der Untersuchung des Augsburger Kunstkabinetts gewonnen, einer 1632 dem schwedischen König Gustav Adolph geschenkten Sammlung von kleinen Kunstobjekten und Spielen.

Viele Brettspiele, die wir bis heute spielen, haben eine lange Geschichte – viele von ihnen gab es bereits im 16. Jahrhundert oder sogar lange vorher. So wurde Mühle schon in der Spätantike gespielt und das aus dem Orient stammende Schachspiel war bereits im Mittelalter auch in Europa etabliert. Eine ähnlich lange Geschichte haben auch Spiele wie Backgammon oder frühe Formen des Würfelspiels „Mensch Ärgere Dich Nicht“.

Von Augsburg an den schwedischen Königshof

Welche Spiele im 17. Jahrhundert beliebt waren und wer was spielte, hat Greger Sundin, Kurator am Gustavianum der Universität Uppsala in Schweden an einem prominenten Beispiel näher untersucht. Denn in der Obhut des Museums seiner Universität ist das Augsburger Kunstkabinett, eine Kuriositäten- und Spielesammlung, die im frühen 17. Jahrhundert vom Augsburger Kunsthändler Pilipp Hainhofer zusammengestellt worden war. In dem Kabinett sammelte er Objekte aus aller Welt, von exotischen Muschelschalen über Minerale und Tierrelikten bis hin zu Teilen wissenschaftlicher Instrumente, Fossilien – und den Figuren und dem Zubehör zahlreicher Brettspiele.

„Spiele zu erforschen ist eine Möglichkeit, den Menschen, die vor uns kamen, näherzukommen“, sagt Sundin. „Die Frustration über missglückte Würfel-Würfe muss 1620 kaum geringer gewesen sein als 2020.“ Im Jahr 1632 schenkte die Stadt Augsburg dem schwedischen König Gustav Adolph das Augsburger Kunstkabinett, wodurch es nach Schweden gelangte. Das Kabinett gilt bis heute als eine der am besten erhaltenen Sammlungen ihrer Art. Sundin nutzte deshalb die Chance, anhand dieser und anderer in Europa erhaltener Spielesammlungen näher zu untersuchen, welche Spiele damals en vogue waren und ob die Figuren und Spielbretter in den Kabinetten nur Ausstellungsstücke waren oder ob sie im 17. Jahrhundert tatsächlich zum Zeitvertreib gespielt wurden.

„Höllenfahrt“ mit Karten und Spielfiguren

Der Historiker kommt zu dem Ergebnis, dass auch die adeligen und wohlhabenden Besitzer der Kunstkabinette die darin enthaltenen Spiele sehr wohl regelmäßig nutzten. Als Indiz dafür wertet er unter anderem die leicht zugängliche Platzierung der Spiele in diesen Schränken, aber auch subtile Gebrauchsspuren. Im Rahmen seiner Untersuchungen konnte Sundin auch ein rund 300 Jahre altes Rätsel des Augsburger Kunstkabinetts lösen. Denn in ihm fand sich ein Spielbrett, das sich zuvor keinem Spiel eindeutig zuordnen ließ. Was man damit spielte und wie, blieb bislang unklar. Auch im Schweden des Jahres 1694 wurde dieses Spielbrett zwar beschrieben, aber auch damals waren die Spielregeln in Vergessenheit geraten.

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Spielbrett
Spielbrett der „Höllenfahrt“. (Bild: Greger Sundin)

Wie Sundin herausfand, stammt das fantasievoll dekorierte Spielbrett von einem im Deutschen auch als „Zur Hölle fahren“ bezeichneten Spiel, in dem Kartenspiel und Brettspiel kombiniert waren. Die Spieler nutzten Karten und bewegten je nach Abschneiden parallel dazu ihre Spielfiguren auf dem Brett. Je nachdem, auf welchem Feld die Figur landete, musste der Spieler bestimmten Regeln folgen – beispielsweise eine Runde stumm bleiben oder seine Mitspieler in bestimmter Weise adressieren. Verstieß ein Spieler gegen diese Regel, wurde seine Figur ein Feld weiter in die Mitte gestellt – und rückte damit dem gekocht werden im „Höllentopf“ einen Schritt näher. Wer in diesem landete, hatte verloren, der letzte Spieler gewann dagegen den Einsatz.

Quelle: Universität Uppsala, Schwedischer Forschungsrat; Fachpublikation: Acta Universitatis Upsaliensis, 2020

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