Bronzene "Götterhand" am Hadrianswall - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Bronzene „Götterhand“ am Hadrianswall

Bronzehand
Die römische Bronzehand vor dem Reinigen (Foto: Vindolanda Trust)

Überraschender Fund am Hadrianswall: Kurz nach Beginn neuer Ausgrabungen in den Ruinen des römischen Kastells Vindolanda haben Forscher einen ungewöhnlichen Fund gemacht. Sie stießen auf eine bronzene Hand – lebensgroß und naturgetreu ausgearbeitet. Weil diese Bronzehand in der Nähe eines Tempels für den römischen Gott Jupiter Dolichenus gefunden wurde, vermuten die Forscher, dass sie einst kultischen Zwecken diente.

Für das römische Reich war der Hadrianswall im zweiten Jahrhundert nach Christus die gut bewachte und stark befestigte Nordgrenze. In regelmäßigen Abständen entlang dieser Grenze waren Soldaten und ihre Hilfstruppen stationiert, um mögliche Angriffe und Rebellionen abzuwehren. Eines der bekanntesten dieser Kastelle war Vindolanda in der britischen Grafschaft Northumberland. Hier haben Archäologen im Laufe der Zeit die Ruinen des Kastells ausgegraben, aber auch Relikte von Badehäusern, Werkzeugen und mehr als tausend Schreibtafeln entdeckt.

Kinderhand aus Bronze

Im April 2018 hat eine neue Grabungskampagne in Vindolanda begonnen – und schon wenige Wochen später stießen die Archäologen auf einen unerwarteten Fund. Verschüttet in einem alten Graben in rund 1,50 Meter Tiefe entdeckten sie ein Bronzeobjekt von rund zehn Zentimetern Größe. Als sie es aus dem Graben hoben und reinigten, entpuppte sich der Gegenstand als Skulptur einer Hand – lebensecht und kunstfertig aus Bronze gegossen.

Bronzehand 2
Die Bronzehand nach der Reinigung (Foto: Vindolanda Trust)

Die Form der Hand und die sorgfältige Ausgestaltung der Handfläche deutet darauf hin, dass einst ein Gegenstand auf der Handfläche präsentiert wurde, wie die Forscher berichten. Auf der Armseite war die Bronzehand vermutlich einst an einem Sockel oder einer Säule befestigt. „Wir haben nicht gedacht, dass wir einen so gut erhaltenen und raren Kult-Gegenstand so kurz nach Start der Grabungssaison finden würden“, sagt Grabungsleiter Andrew Birley vom Vindolanda Trust.

Kultobjekt aus dem Tempel des Jupiter Dolichenus

Einen Hinweis auf den Verwendungszweck der Bronzehand gibt unter anderem ihr Fundort: Die Archäologen entdeckten sie nur wenige Meter von den Ruinen eines Tempels entfernt, der einst dem Gott Jupiter Dolichenus gewidmet war. Der Kult des Dolichenus ist bis heute relativ rätselhaft. Bekannt ist aber, dass er ursprünglich auf einen hethitischen Wettergott zurückgeht, dem unter anderem in Doliche in der heutigen Türkei gehuldigt wurde. Römische Soldaten, die dort stationiert waren, importieren diese Gottheit und als Jupiter Dolichenus breitete sich der Kult dieses Gottes auch im römischen Reich aus.

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Die Archäologen vermuten, dass die Bronzehand einst zu den Kultgegenständen im Tempel des Jupiter Dolichenus von Vindolanda gehörte. Denn ähnliche Votivhände seien auch in anderen Tempeln dieses Gottes schon gefunden worden, sagt Birley. Der römische Gott wurde typischerweise mit einem Blitzsymbol in einer Hand dargestellt – als Symbol seiner zerstörerischen Kraft. Die offene, nach oben gedrehte Hand könnte dagegen den Schutz und das Wohlbefinden symbolisiert haben, die Jupiter Dolichenus seinen Anhängern bot.

„Als wir den Dolichenus-Tempel im Jahr 2009 ausgegraben hatten, war schnell klar, dass die Tempelschätze schon zu römischer Zeit entfernt worden waren“, berichtet Birley. „Aber dieser Fund ganz in der Nähe erinnert und daran, dass das religiöse Leben und die Tempelriten rund um die Anbetung des Jupiter Dolichenus über die steinernen Tempelwände hinausreichten.“ Die Archäologen hoffen nun, dass die Bronzehand und möglicherweise weitere Funde von Kultgegenständen neue Einblicke in die religiösen Riten zu jener Zeit gewähren.

Quelle: Vindolanda Trust

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