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Erzherzog Franz Ferdinand

Bronzezeitliche Minicomputer?

Neben der Nofretete ist er eines der Prunkstücke im Neuen Museum in Berlin: der „Berliner Goldhut“. Aus der späten Bronzezeit (14. bis 8. Jahrhundert v. Chr.) stammt der 74,5 Zentimeter hohe, nur 490 Gramm leichte, aus einem Stück getriebene Hohlkörper mit einer Wandstärke von 0,06 Millimetern. Er ist mit Punzierungen reich verziert.

Noch drei weitere Hüte dieser Art sind aufgefunden worden. Sie befinden sich im Historischen Museum in Speyer, im Musée d’Archéologie National in Saint-Germain-en-Laye und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Alle vier geben den Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Unklar ist ihre Funktion. Und was hat es mit den Punzierungen auf sich? Sind sie rein ornamental zu verstehen?

Wilfried Menghin, bis 2008 Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, hat sich intensiv mit dem spektakulären Objekt beschäftigt und kommt in seiner Publikation (Der Berliner Goldhut. Regensburg 2010) zu einer markanten These: Die Goldhüte seien „bronzezeitliche Minicomputer“. Die Punzierungen stellen seiner Meinung nach ein System zur Berechnung eines lunisolaren (auf Sonne und Mond bezogenen) Kalenders dar.

Menghin umgibt den ausgezeichnet erhaltenen Berliner Goldhut mit einem weiten kulturellen Kontext. Sodann deutet er die überwiegend aus konzentrischen Ringen, Stern, Rad und liegender Sichel bestehenden Motive der Punzierung als kosmische Symbole. In einer graphischen Darstellung zeigen sich 21 durch Kerbwülste und Perlbänder begrenzte Ornamentzonen. Sie enthalten Zähleinheiten, die vor allem durch die konzentrischen Kreise gebildet werden und sich auf die astronomischen Größen Tag, Monat und Jahr beziehen lassen. Nach Auffassung des Autors funktionierte der Goldhut wie eine Art Abakus, an dem die Sonnen- und Mondzyklen ablesbar waren. Bereits in den prähistorischen Kulturen Mitteleuropas um 1000 v. Chr. seien lunisolare, auf dem Prinzip des 19-jährigen Mondzyklus beruhende Kalenderkonzepte bekannt gewesen, wie man sie sonst mit Mesopotamien oder der griechischen Welt verbindet.

Fest steht für Menghin, dass die Goldhüte bei Kulthandlungen als sakrale Kopfbedeckung für Priesterkönige dienten, deren Macht sich auf wahrscheinlich geheimes Wissen um die kosmische Ordnung gründete. Die Goldhülle umgab die eigentlichen Hüte aus Filz oder Leder.

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Die Untersuchungen bieten so einen faszinierenden Einblick in die wegen ihrer Schriftlosigkeit nur schwer zugänglichen kulturellen und religiösen Vorstellungen des bronzezeitlichen Menschen.

Quelle: Dr. Heike Talkenberger
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