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Nordrhein-Westfalen

Bronzezeitliche Schmuckwerkstatt entdeckt

Teile einer Gussform aus Ton, die einst der Herstellung von umlaufend gerillten Halsringen aus Bronze diente. © LWL/T. Poggel

Wo sich bald Windräder drehen sollen, wurde in Westfalen vor rund 3000 Jahren offenbar glutflüssiges Metall in spezielle Formen gegossen: Im Zuge von Erdarbeiten zum Bau von Windkraftanlagen bei Erwitte im Kreis Soest haben Archäologen die Spuren einer Schmuckwerkstatt aus der späten Bronzezeit entdeckt. Den Funden zufolge wurden dort verzierte Hals- und Armringe hergestellt.

Wie so oft waren es auch im aktuellen Fall Baumaßnahmen, die Archäologen auf den Plan gerufen haben. Allerdings gab es dabei zunächst keine konkreten Hinweise auf mögliche Funde: Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) verließen sich auf ihre Intuition, als sie im Zuge der Konstruktion mehrerer Windkraftanlagen bei Erwitte eine baubegleitende Untersuchung ansetzten. „Die leichte Hanglage der Fläche, eingefasst von zwei entwässernden Bächen, ließ uns schlicht hoffen, hier fündig zu werden“, erklärt LWL-Archäologin Eva Cichy.

Mittelalterliche – und bronzezeitliche Spuren

Wie sich zeigte, hatten die Experten ein gutes Näschen bewiesen: Auf der über zwei Hektar großen Untersuchungsfläche kamen tatsächlich Siedlungsspuren ans Tageslicht. Zunächst identifizierten die Archäologen Strukturen, die wahrscheinlich aus dem Mittelalter stammen: „Es handelt sich um vier flach gemuldete, runde Holzkohlegruben, erkennbar an dem hitzegeröteten anstehenden Boden, die den in Westfalen für das frühe bis hohe Mittelalter typischen Grubenmeilern ähneln“, erklärt LWL-Archäologin Rashida Hussein-Oglü. Diese Anlagen, bei denen eine Grube in den Boden gegraben, mit Holz befüllt und mit Ästen und Reisig bedeckt wurden, dienten der Herstellung von Holzkohle, erklären die Experten.

Doch offenbar gab es auf dem Areal schon deutlich früher Betriebsamkeit, wie aus dem eigentlichen Überraschungsfund hervorgeht: In der Verfüllung einer entdeckten Siedlungsgrube entdeckte das Team elf weich gebrannte Rotlehmbrocken. Der Archäologe Bernhard Sicherl erkannte in den zunächst unscheinbar wirkenden Stücken die Reste von Gussformen. „Es handelt sich um die Spuren einer Gießwerkstatt aus der Bronzezeit. Naturwissenschaftliche Untersuchungen haben diese Datierung mittlerweile auch bestätigt“, erklärt Sicherl.

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Gussformen für spezielle Schmuckringe

Demnach wurden am Fundort im Zeitfenster von 1300 bis 800 v. Chr. Schmuckgegenstände hergestellt. Genauere Untersuchungen verdeutlichten, dass die Formen der Herstellung von speziellen Ringen dienten. „Mit einer der Formen ließ sich ein umlaufend gerillter Halsring herstellen, wie er für die späte Bronzezeit bekannt ist“, sagt Sicherl. Mit einer anderen Form konnte vermutlich ein ovaler Armring mit ovalem Querschnitt gegossen werden. Wie Cichy berichtet, wurden ähnliche Ringe am Fuße des Raffenbergs in Hagen und in einem ehemaligen Gewässer in Kamen gefunden. Möglicherweise hatten diese Armreifen demnach eine spezielle Bedeutung: „In beiden Fällen wurden die Ringe nicht in Siedlungen entdeckt, sie wurden eher als Opfergabe an landschaftlich besonderen Stellen deponiert“, sagt die Archäologin.

„Eine Werkstatt für Ringschmuck, das ist in Westfalen bisher einzigartig“, freut sich ihr Kollege Bernhard Sicherl. Eine spannende Frage bleibt nun allerdings offen: Wie war der Werkplatz in das Umfeld eingebunden? Lag er am Rand einer Siedlung und wenn ja, wo befand sie sich? Einblicke in diese und weitere Fragen könnten vielleicht weitere Ausgrabungsergebnisse liefern, schreibt das LWL. Inwieweit es entsprechende Nachforschungen geben wird, muss aber offenbar noch geklärt werden.

Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe

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