Buddhas auf dem Pulverfass - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Buddhas auf dem Pulverfass

Ein internationales Team gräbt die größte buddhistische Fundstätte Afghanistans aus. Ein zweites Pompeji, schwärmt der Chefarchäologe – aber ein massiv bedrohtes.

Welche Untertreibung: Mes Aynak heißt „kleine Mine“. Tatsächlich aber liegt dort, im Osten Afghanistans, das zweitgrößte Kupfervorkommen der Welt. Schätze schlummern auch in den Hügeln des Landstrichs: prachtvolle Klöster, gewaltige Festungen und alte Siedlungen aus mehr als 2000 Jahren afghanischer Geschichte. Sobald der Kupferabbau beginnt, werden Sprengungen die Statuen und die Bauwerke mit ihren Wandmalereien zu Staub zerblasen. 20 Archäologen kämpfen in Mes Aynak gegen die Zeit, die Landminen und die Argumente einer verzweifelten Regierung.

100 Milliarden Dollar, schätzen Geologen, ist das Kupfer unter Mes Aynak wert. Für die Regierung Afghanistans ist das ein warmer Regen. Denn ab 2014 sitzt der Staat auf dem Trockenen: Dann wollen sich die internationalen Mächte aus dem Land zurückziehen. Damit werden die meisten externen Finanzquellen für den Wiederaufbau des Landes versiegen. Afghanistan muss bis dahin auf eigenen Füßen stehen. Wenn die neue Ordnung des Landes zusammenbräche, würde das den radikal-islamischen Taliban den Rücken stärken. Der Krisenherd im Mittleren Osten stünde womöglich erneut in Flammen.

Mes Aynak, 30 Kilometer südlich von Kabul, könnte einen Ausweg bieten – durch den Abbau des Kupfers dort. Das erfordert jedoch tonnenschwere Technik, Berge von Geld und ausgebuffte Experten – nichts davon kann Afghanistan aufbringen. Deshalb verkaufte die afghanische Regierung schon 2007 die Abbaurechte für das Kupfer an die „Metallurgical Corporation of China“, ein Unternehmen der chinesischen Regierung. Der Preis für die Schürfrechte: vier Milliarden Dollar sofort und ein Teil des Ertrags als Dividende. 30 Jahre lang fließt Geld in die Staatskasse Afghanistans. So lange planen die Chinesen, in Mes Aynak zu sprengen und zu baggern. Danach wird von der Region nichts als eine vergiftete Kraterlandschaft von der Größe Manhattans übrig sein.

Ausgelöscht ist dann auch die afghanische Geschichte, die in den Hügeln Mes Aynaks einen mindestens 2000 Jahre währenden Dornröschenschlaf gehalten hat. Menschen lebten hier vermutlich schon vor 4000 Jahren, in der Bronzezeit. Belegt ist die Anwesenheit der Kuschana, deren hellenistisch beeinflusstes Reich von der Mitte des 1. Jahrhunderts bis um 250 n.Chr. bestand. Sie gelten als letzte Erben Alexanders des Großen. Ihnen folgten buddhistische Mönche, Nomaden aus China und Händler aus Indien. Sie alle hinterließen Spuren. Gebäude voller Gold und Klöster voller Kunst sind in Mes Aynak unter einer dünnen Bodenschicht verborgen.

Anzeige

Drei Jahre Galgenfrist

Ausgegraben ist davon bislang kaum etwas. Zwar wurden französische Archäologen bereits 1963 auf Spuren antiken Kupferabbaus aufmerksam, und in den 1970er-Jahren untersuchten die Sowjets die von schwarz-violetter Schlacke bedeckten Hügel, allerdings nur sporadisch. Ihre Berichte ließen ahnen, wie geschichtsträchtig Mes Aynak ist. Erst seit 2009 dürfen Archäologen das Gelände untersuchen – zu spät, um noch viel retten zu können.

Drei Jahre Notgrabung – mehr war nicht drin für ein Areal, dessen vollständige Untersuchung 30 Jahre dauern würde. Die Galgenfrist verdanken die Archäologen der langwierigen Vorbereitung des Kupferabbaus: Bevor das Metall aus Mes Aynak auf dem Weltmarkt landet, müssen die Chinesen Unterkünfte für die Bergarbeiter und Straßen bauen. Eine Weile war sogar der Bau einer Eisenbahnlinie geplant.

Um so viel wie möglich retten zu können, arbeiten täglich 20 Archäologen aus Frankreich, Polen, Dänemark, den Niederlanden, Tunesien und Afghanistan vor Ort. Sie werden unterstützt von 500 Arbeitern und beschützt von 1600 afghanischen Polizisten. Die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte durchsuchen nach Feierabend die Hilfskräfte nach gestohlenen Artefakten. Überdies halten sie Taliban fern, die in den umliegenden Dörfern leben. Trotzdem ist die Arbeit gefährlich, denn die Region ist mit Landminen gespickt.

In hektischer Arbeit haben die Grabungsteams drei buddhistische Klöster aus der Hügellandschaft geschält. Angesichts der Menge an Artefakten glaubt Chefarchäologe Philippe Marquis, in einem zweiten Pompeji zu stehen. Wie in dem berühmten antiken Ort am Fuß des Vesuvs sind auch die Gebäude Mes Aynaks gefüllt mit Statuen, Wandmalereien und Texten, die Teile der afghanischen Geschichte neu erzählen.

Schatten bunter pracht

Den am reichsten geschmückten Klosterbau birgt der Tepe Kafiriat. Vom 2. bis 8. Jahrhundert beteten und arbeiteten hier Mönche und schmückten ihre Heimstatt immer prachtvoller aus. Übrig geblieben sind Kapellen, Höfe, Korridore, Versammlungshallen und Wohnungen auf einem Areal von 80 mal 35 Metern. Darin stehen über 100 Statuen. Sie zeigen den Buddha, die Bodhisattvas (die „Erleuchteten“) und Stifterpersönlichkeiten. An den Abbildern ist noch immer ockerfarbener Leim erkennbar, mit dem wohl seinerzeit Goldblätter befestigt waren. Auch Reste vielfarbiger Malereien sind noch zu sehen – Schatten einer bunten Pracht, die sich vormals im Innern des Klosters entfaltet haben muss.

Die Buddhisten schufen Riesen auf tönernen Füßen. Ursprünglich ragten viele der Plastiken bis zu sieben Meter auf und stießen mit ihren Lockenköpfen an die Kuppeldecken. Heute sind die Dächer eingestürzt und die Monumente nur noch halbe Heilige. Mehr als Füße und Beine sind in vielen Fällen nicht erhalten. Kein Wunder: Modellierten die Klosterkünstler ihre Werke doch aus Lehm, den sie nicht im Ofen brannten, sondern an der Luft trocknen ließen. Das fragile Gemenge widerstand zwar dem Zahn der Zeit, nicht aber den Spitzhacken der Plünderer.

Die gingen nicht gerade zimperlich mit den Kulturschätzen um. In die verschütteten Klöster wurden Dutzende Stollen hineingetrieben. Die Stupas, reich ausgestattete Denkmäler für Buddha, sind aufgebrochen. Statuen, die man nicht wegabschleppen konnte, wurden kurzerhand enthauptet und die Köpfe auf dem Kunstmarkt versilbert. Eine Barbarei mit Tradition: Einige Spuren der Plünderer stammen aus dem 21. Jahrhundert, andere aus dem vorletzten Jahrtausend.

zerbrechlich wie sandburgen

Die geköpften Buddhas bereiten den Archäologen Kopfzerbrechen. Denn die Notgrabungen sehen vor, möglichst viele Funde aus Mes Aynak herauszuschaffen, bevor die Chinesen mit den Sprengungen beginnen. Aber das bleibt Wunschdenken. Genau wie die Plünderer schafften es auch die Wissenschaftler nicht, die Kunstschätze mitzunehmen. Die Meisterwerke aus luftgetrocknetem Lehm sind zerbrechlich wie Sandburgen. Bei dem Versuch, ein Fresko von einer Wand zu nehmen, zerbröselte das Material unter den Händen der Retter. Ein ähnliches Schicksal droht den Statuen – die Darstellungen von Buddha würden bei Berührung ihrem großen Vorbild ins Nirwana folgen. Es ist zum Verzweifeln: Bleiben die Artefakte stehen, werden sie bei den Sprengungen vernichtet. Räumen die Forscher die Denkmäler ab, brechen sie entzwei.

Ebenso ratlos stehen die Retter Mes Aynaks vor einem Berg transportfähiger Objekte. Zwei weitere Klöster sowie Festungen und Häuser der Kuschana haben so viel Schmuck, Werkzeug, Kunst und Alltagsgegenstände ausgespuckt, dass niemand weiß, wo dieser Fundreichtum gelagert werden soll. Im Afghanischen Nationalmuseum in Kabul wurde bereits einiges verstaut, aber die Kapazität dort ist begrenzt. Ein notdürftig errichtetes Lagerhaus vor der Ausgrabungsstätte nimmt derzeit alles auf, was in der Hauptstadt keinen Platz findet. Der gesamte Komplex muss rund um die Uhr bewacht werden. Wie es hier weitergehen soll, wenn die Chinesen mit dem Abbau des Kupfers begonnen haben, weiß niemand.

Kupfer und Kunst liegen unter einer Schicht aus Sand und Gestein – und sind doch nur die oberflächlichsten Schätze, die Mes Aynak zu bieten hat. Denn in den Hügeln des östlichen Afghanistans ist auch ein Berg aus Wissen begraben. Schon angesichts der Lage der Klöster um den zentralen Hügel glaubt Philippe Marquis zu erkennen, dass die Mönche den Abbau und den Handel des Kupfers kontrollierten. Damit wäre ihre einstige Macht etwa mit der des Zisterzienserordens in Europa vergleichbar. Auch in Mitteleuropa verdienten Klöster an Erzen – speziell von Eisen – und stiegen dadurch zu Machtzentren mit großem wirtschaftlichen Einfluss auf.

Diese Vermutung hegt auch Hans Curvers. Der niederländische Archäologe, der bis Februar 2012 in Afghanistan gearbeitet hat, erklärt: „Wir können an den Klöstern erkennen, wie sich ein Ort entwickelt hat, dessen wichtigster Wirtschaftsfaktor Kupfer war, und welche Rolle die Mönche dabei gespielt haben. Es gibt Beispiele, wo Geistliche für Bergbau verantwortlich waren. In anderen Regionen haben Mönche Brücken und Straßen bauen lassen.“

Um Mönch und Mine wissenschaftlich verbinden zu können, fehlen den Forschern allerdings noch Dokumente über die Verwaltung der Klöster. Zwar sind Fragmente aufgetaucht, aber der Großteil, der Schlussfolgerungen zulassen würde, liegt noch irgendwo in den Hügeln verborgen.

Mes Aynak könnte obendrein die Tür zu einem anderen Fundort Afghanistans öffnen: zu Tepe Kalan – einem Fundhügel, der bereits 1940 von dem US-Amerikaner Jean Carl Harrington ausgegraben wurde. Dessen Aufzeichnungen und Fotos gingen fast vollständig verloren. Die wenigen erhaltenen Zeilen berichten von 3,8 Meter hohen Buddhastatuen, ebenfalls aus ungebranntem Lehm. Mit ein wenig Glück, so hoffen die Ausgräber, könnten die Notgrabungen Aufschluss über die verschollenen Schätze Tepe Kalans liefern, mit einer großen Portion Glück sogar die Lage des Klosters verraten.

Die Artefakte aus Mes Aynak sprechen Bände: über die buddhistische Zeit der Region rund um Kabul vom 3. bis zum 9. Jahrhundert n.Chr., über die Entwicklung der buddhistischen Kunst, über die Anbindung Afghanistans an die Seidenstraße und darüber, dass hier möglicherweise eine Kupferstraße nach Indien verlief.

All das bleibt jedoch Gedankenspiel, wenn nicht mehr Handfestes geborgen werden kann. Hans Curvers vermutet: „ Afghanistan könnte vormals das Indus-Tal mit Kupfer versorgt haben. Aber ohne die Analyse des afghanischen Kupfers und den anschließenden Vergleich mit dem Kupfer der hinduistischen Objekte ist das reine Spekulation.“

Eine verborgene Stadt?

Es würde die Archäologen nicht überraschen, wenn eine ganze Stadt aus dem Wüstensand auftauchen würde. Denn: Nach den Lehren von Buddha soll ein Kloster stets in der Nähe einer Stadt errichtet werden, damit die Mönche das erbettelte Essen schnell zu ihren Brüdern bringen können. Demnach wäre es möglich, dass die drei Klöster des Landstrichs fußläufig zu einer Stadt gebaut wurden, die erst noch gefunden werden muss.

Mes Aynak bleibt voller Geheimnisse. Jedenfalls so lange, bis die Sprengungen das Ende der Ausgrabungen bedeuten. Wann die Frist abgelaufen ist, wissen nicht einmal die Chinesen. Ursprünglich sollte im Dezember 2012 das letzte Stündlein der historischen Stätte geschlagen haben. Aber der schleppende Aufbau der Infrastruktur bremste die Bagger aus. Noch immer gibt es keine Elektrizität und keine gepflasterten Straßen, die Sattelschlepper tragen können. Es fehlen Maschinen und detaillierte Abbaupläne. Hinzu kommen die Sicherheitsprobleme mit den Taliban und mit den Landminen. Die chinesischen Arbeiter, die Mes Aynak für die Ausbeutung vorbereiten sollten, haben die Region schon wieder verlassen. Ihre Wohngebäude stehen leer – eine Geisterstadt inmitten verschütteter Ruinen.

„Laut unseren Bergbau-Experten ist der Kupferabbau erst in drei Jahren möglich“, sagt Cheryl Benard. Die US-Amerikanerin ist Direktorin der „Alliance for the Restoration of Cultural Heritage“ mit Sitz in Washington, D.C. Die „ARCH“ ist eine von einem knappen Dutzend internationaler Organisationen, die versuchen, die Schätze Mes Aynaks zu retten. Benards Einschätzung: „Die Chinesen warten die Wahlen in Afghanistan 2014 ab, um festzustellen, welche Rolle die Taliban spielen werden.“ Aber das muss nicht bedeuten, dass die Notgrabung in die Verlängerung gehen kann. Benard: „Die Bergbaugesellschaft kann jederzeit alle Archäologen des Geländes verweisen.“ Denn im Hintergrund dränge die afghanische Regierung, damit das Geld aus den Dividenden zu fließen beginnt.

Ein kleiner funke hoffnung

Obwohl die Vernichtung der afghanischen Kulturgüter fast unaufhaltsam scheint, geben Cheryl Benard und ihre Kollegen nicht auf. Im Juni 2012 trafen Archäologen, Mitglieder von ARCH, Bergbauingenieure und Ökologen an der Johns Hopkins University in Washington zusammen, um einen Rettungsplan auszuarbeiten. „Wir glauben, dass Bergbau und Erhalt des kulturellen Erbes nebeneinander existieren können, wenn einige Empfehlungen berücksichtigt werden“, sagt die Kulturschützerin. Demnach könnten die Chinesen einen Zeitplan entwickeln und öffentlich zur Einsicht vorlegen. Dort, wo erst später Kupfer abgebaut werden soll, könnten die Ausgrabungen zunächst weitergehen.

Ein Hoffnungsschimmer geht auch von der Novelle des afghanischen Bergbaugesetzes aus. Denn das war den internationalen Konzernen bislang zu schwammig. In die neue Fassung könnte ein Kulturschutzplan eingearbeitet werden, hofft das Team von ARCH. Cheryl Benard ist jedoch realistisch: „In Afghanistan sind Gesetze das eine, ihre Anwendung aber etwas ganz anderes.“

Die Kulturgüter Afghanistans liegen auf einem Pulverfass. Da sich die Regierung nun in einem Fall dafür entschieden hat, die Landeskultur dem Geld zu opfern, befürchten Denkmalschützer, dass dies Schule machen wird. Gleich in der Nachbarschaft Mes Aynaks könnte der Ausverkauf archäologischer Stätten weitergehen. Auch dort liegt eine mit Geschichte getränkte Region, auch dort gibt es Kupfervorkommen. Der Bergbau in Mes Aynak könnte ganz Afghanistan untergraben. ■

Bei seiner Recherche staunte DIRK HUSEMANN einmal mehr darüber, welche politische Dimension Archäologie haben kann.

von Dirk Husemann

Kuschan – die vergessene Großmacht

Das Reich der Kuschan war eines der größten Herrschaftsgebiete der Spätantike. Es erstreckte sich vom Aralsee bis zum Golf von Bengalen. Weil es nur rund 200 Jahre existierte, ist es heute weitgehend unbekannt. Seine größte Ausdehnung erreichte der Machtblock um 128 n.Chr., zur Zeit des römischen Kaisers Hadrian. Die Reichsgründer waren No- maden, die Vorläufer der Hunnen aus Nordwestchina nach Zentralasien verdrängt hatten.

Am mittleren Oxus (heute: Amudarja) ließen sich die Kuschanfürsten nieder und eroberten Baktrien, das heutige nördliche Afghanistan. Dort kam das Nomadenvolk mit dem Erbe Alexanders des Großen in Berührung, der die Region zwischen 329 und 327 v.Chr. erobert hatte.

In Baktrien war das griechische Alphabet gebräuchlich, die Kuschan übernahmen die Schriftzeichen. Auch die Münzprägung in dem jungen Reich trug hellenistische Merkmale mit griechischer Schrift und Herrschergestalten im Stil Alexanders.

Von Baktrien dehnten die Kuschan ihr Territorium zunächst über den Hindukusch nach Süden aus. In dieser Phase ließen sie sich auch in Mes Aynak nieder. Wenig später regierte der Kuschankönig Kanishka ein Reich, das sich über weite Teile Zentralasiens erstreckte. Unter dem Druck der persischen Sassaniden fiel es im 3. Jahrhundert rasch wieder zusammen. Lokale Kuschanfürsten sind bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. belegt.

Die Buddhas von Bamiyan

Das islamische Afghanistan ist gebrandmarkt durch die Zerstörung seines buddhistischen Kulturguts. Vor elf Jahren erschütterte die Vernichtung eines der weltweit größten buddhistischen Monumente die Felswände des Bamiyan-Tals und die Weltöffentlichkeit. Nur wenige Autostunden von Mes Aynak entfernt ragten zwei Buddhastatuen 53 und 36 Meter hoch in den Himmel. Sie waren aus den Felshängen, die das Bamiyan-Tal begrenzen, herausgemeißelt. Geschützt durch Felsnischen hatten die Buddhas von Bamiyan seit dem 6. Jahrhundert n.Chr. alle Wirren der afghanischen Geschichte überdauert, bis das Talibanregime 2001 ihre Zerstörung anordnete. Milizen zwangen die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes, die Statuen unter Lebensgefahr zu erklettern und Löcher für Dynamitstangen hineinzubohren. Dann wurde gesprengt.

Die Unesco erklärte das gesamte Bamiyan-Tal mit seinen alten Wohnhöhlen und Fresken zum Weltkulturerbe. Archäologen versuchen seither, Fragmente der Statuen zu sammeln und in Teilen wieder zusammenzusetzen (bild der wissenschaft 5/2008, „Wiedergeburt in Stein“). Die Sozialwissenschaftlerin Cheryl Benard ist überzeugt: „Wären in Mes Aynak nicht buddhistische, sondern islamische Kulturgüter gefährdet, würde deren drohende Vernichtung einen Volksaufstand hervorrufen.“

Kompakt

· Womöglich ist bei Mes Aynak eine ganze Stadt in der Erde verborgen.

· Das Problem: Die archäologischen Schätze liegen über dem zweitgrößten Kupfervorkommen der Welt.

· Die afghanische Regierung will das Kupfer mit chinesischer Hilfe zu Geld machen, das sie dringend braucht.

Mehr zum Thema

LESEN

Conrad Schetter Kleine Geschichte Afghanistans C.H. Beck, München 2010, € 9,95

Susanne Koelbl, Olaf Ihlau Krieg am Hindukusch Menschen und Mächte in Afghanistan Pantheon, München 2009, € 14,99

Ahmed Raschid Taliban Afghanistans Gotteskämpfer und der neue Krieg am Hindukusch C.H. Beck, München 2010, € 14,95

Edward Conze Eine kurze Geschichte des Buddhismus Insel, Frankfurt a.M. 2005, € 3,95

INTERNET

3D-Rekonstruktionen des Geländes: www.youtube.com/watch?v=p6riTyn4PtQ&feature=plcp und www.youtube.com/watch?v=MzPn92zQLHc

Die Organisationen APAA und ARCH setzen sich für den Schutz von Mes Aynak ein: www.apaa.info www.archinternational.org

Online-Petition gegen die Zerstörung der Altertümer in Mes Aynak: www.change.org Bei der Suche „Mes Aynak“ eingeben, das erste Ergebnis ist die an Präsident Hamid Karzai gerichtete Petition.

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Or|to|lan  〈m. 1; Zool.〉 Art der Ammern: Emberiza hortulana [<ital. ortolano ... mehr

De–fac|to–An|er|ken|nung  〈f. 20; Rechtsw.〉 Anerkennung ohne rechtl. Grundlage, nur aufgrund bestehender Tatsachen

Duo|de|num  〈n.; –s, –na; Med.〉 = Zwölffingerdarm [zu lat. duodecim ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige