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Geschichte|Archäologie

Bücher aus der Bibliothek der Brüder Grimm wiedergefunden

Widmungsseite aus dem wiedergefundenen "Simplicissimus" mit Eigentumsstempel. (Universitätsbibliothek HU Berlin, Historische Sammlungen: Yo 82101)

Die Brüder Grimm schrieben nicht nur Bücher, sie sammelten sie auch. Zwei wertvolle Werke aus der Privatbibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm sind nun in einem Auktionshaus in München wiederaufgetaucht und der Grimm- Sammlung der Berliner Universitätsbibliothek übergeben worden. Es handelt sich um zwei Pergamentbände aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert, eines davon eine Ausgabe des bekannten Barockromans „Simplicissimus“.

Kenntnisreiche Büchersammler

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sind Laien in erster Linie durch ihre Märchensammlungen bekannt. Doch die beiden in den 1780er Jahren geborenen Brüder waren auch bedeutende Sprachwissenschaftler und Germanisten. Gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftler gaben sie das „Deutsche Wörterbuch“ heraus und schrieben Abhandlungen über Grammatik, Mythologie sowie Runen. Beide Grimm-Brüder arbeiteten Anfang des 19. Jahrhunderts zudem als Bibliothekare.

Doch ihrer Leidenschaft für Bücher frönten die Grimm-Brüder auch privat: Jacob und Wilhelm Grimm waren kenntnisreiche Büchersammler, die in ihrer Privatbibliothek viele alte und seltene Ausgaben zusammentrugen. Dass sie auch intensiv mit ihren Büchern arbeiteten, zeigen die zahlreichen handschriftlichen Notizen und Vermerke, die oft direkt auf ihre Arbeitsvorhaben wie die Kinder- und Hausmärchen oder das Wörterbuch der deutschen Sprache hinweisen.

Zwei Bücher aus der Privatbibliothek

Zwei Werke aus dieser Privatbibliothek der Brüder Grimm sind nun unverhofft in einem Münchener Auktionshaus wieder aufgetaucht und wurden der Grimm-Sammlung der Berliner Universitätsbibliothek übergeben. Bei den Werken handelt sich zum einen um eine Ausgabe des satirischen Schelmenromans „Simplicissimus“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, einem der erfolgreichsten Werke der Barockzeit überhaupt. Die Grimms besaßen dieses Werk in einer reich illustrierten Fassung aus dem Jahr 1685.

Das zweite Werk, „Unvorsichtige Heb-Amme“ aus dem Jahr 1715, ist ebenfalls eine Besonderheit. Denn es handelt sich um einen medizinischen Lehrroman des Dichter-Arztes Johann Christoph Ettner (1654-1724), der detaillierte Einblicke in die medizinische, insbesondere die gynäkologische Praxis seiner Zeit gewährt. Spannend auch: Beide Exemplare tragen zahlreiche handschriftliche Anmerkungen ihrer Vorbesitzer. Durch solche Arbeitsspuren gilt die Bibliothek der Brüder Grimm als eine wissenschaftliche Quelle ersten Ranges.

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Eingelagert und dann verschollen

Welche Irrwege diese beiden Bücher aus dem Besitz der Brüder Grimm hinter sich haben, ist bislang weitgehend ungeklärt. Klar ist nur, dass sie ursprünglich zu den Beständen der Berliner Universität gehörten. Denn im Jahr 1865 wurde die Privatbibliothek der Grimms vom Preußischen Staat erworben und zu großen Teilen der Universitätsbibliothek übergeben, wo heute noch über 6.000 Bände erhalten sind.

1943 wurden die beidne nun wiedergefundenen Werke gemeinsam mit anderen kulturell wertvollen Büchern und Gegenständen aus Berlin herausgebracht und in einem Salzbergwerk in Sachsen-Anhalt eingelagert, um sie vor Bombenangriffen und Plünderungen in Sicherheit zu bringen. Doch nach Kriegsende verliert sich die Spur der beiden Grimmschen Bücher.

Die Experten der Berliner Grimm-Sammlung vermuten, dass die Pergamentbände mehrmals den Besitzer wechselten, bis sie dann kürzlich einem Münchener Auktionshaus zum Kauf angeboten wurden. Die dortigen Fachleute erkannten jedoch die eindeutigen Besitzkennzeichen wie Bibliothekssignatur und Eigentumsstempel und kontaktierten daher umgehend die Historischen Sammlungen der Berliner Universitätsbibliothek.

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin
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