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Geschichte|Archäologie

Bürgerrecht für Alle

Büste des Kaisers Marcus Aurelius Antoninus, genannt Caracalla, Kopie des RGZM (Original: Neapel, Nationalmuseum, 1. Hälfte 3. Jh. n. Chr., Italien) Foto: RGZM/ V. Iserhardt, R. Müller

Die Sonderausstellung „Bürgerrecht und Krise – Die Constitutio Antoniniana 212 n. Chr. und ihre innenpolitischen Folgen“ im Römisch-Germanischen Zentralmuseum widmet sich dem Erlass von Kaiser Caracalla, der allen Freigeborenen des Römischen Reiches das volle Bürgerrecht bescherte. Die Besucher können sich bis zum 1. Januar 2013 über die Hintergründe und weitreichenden Folgen des Bürgerrechtsedikts informieren.

Das antike Römische Imperium war bis zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. in rechtlicher Hinsicht auch für seine freien Bewohner, in Abgrenzung zu den unfreien Sklaven, eine Zweiklassengesellschaft. Wer nicht das römische Bürgerrecht besaß, war in rechtlicher Hinsicht deutlich benachteiligt. Für Nicht-Bürger der Provinzen war die Erlangung des Bürgerrechts deshalb äußerst attraktiv. Der einfachste Weg, diesen Rechtsstatus zu erlangen, war, sich im Militär oder in der Verwaltung um das Imperium verdient zu machen. Als Kaiser Caracalla im Jahre 212 n. Chr. allen freien Bewohnern des Reiches das Bürgerrecht gewährte, stellte dies einen enormen gesellschaftlichen Umbruch dar.

Im kaiserlichen Erlass, der erstmals der Öffentlichkeit in Form eines Faksimiles präsentiert wird, ist die Maßnahme als Dank an die Götter für die Rettung Caracallas vor einem angeblichen Mordkomplott seines Bruders Geta ausgewiesen. Die wahren Motive für die Constitutio Antoniniana waren vermutlich weniger in Caracallas Gutmenschentum begründet, als von pragmatischen Überlegungen geleitet. Denn mit dem Bürgerrecht waren nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten verbunden. So durften die Neubürger auch gleich Steuern entrichten, die bisher nur die „civitates“ – also die vollberechtigten Bürger – zahlen mussten. Diese fiskalische Interpretation der Beweggründe macht vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Militärausgaben durchaus Sinn.

In gesellschaftlicher Hinsicht war das Edikt, wie die Ausstellung zeigt, ein voller Erfolg: Die Integrationskraft, die die rechtliche Gleichstellung für das Imperium bewirkte, könne nicht überbewertet werden. Wirtschaftlich war die Maßnahme offenbar weniger gut durchdacht: Eine schwere Inflation brachte den Staat an den Rand eines Währungszusammenbruchs. Dies belegen zahlreiche ausgestellte Münzfunde, bei denen eine rapide Absenkung des Feinmetallgehalts für die Zeit nach Caracallas Regentschaft festzustellen ist.

Quelle: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz
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