Patrone der Renaissance Burgen im Zähringerland - wissenschaft.de
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Patrone der Renaissance

Burgen im Zähringerland

Auch der Breisgau kann mit einer vielfältigen Burgenlandschaft aufwarten. Ein umfangreiches Burgeninventar der Universität Freiburg gibt detailliert Auskunft. Otto von Freising berichtet in seinen „Gesta Friderici imperatoris“, dass der junge Friedrich Barbarossa im Jahr 1146 in das Land des zähringischen Herzogs Konrad eingefallen und bis Zähringen, dessen Burg (in Freiburg gelegen) gelangt sei, ohne dass ihm jemand Widerstand leisten konnte. Bald darauf habe er eine andere, als uneinnehmbar geltende Burg Konrads erobert und den starken und begüterten Zähringer so heftig niedergeworfen, dass dieser vor Friedrichs Vater, Herzog Friedrich II. von Schwaben, und Barbarossas Onkel Konrad III. um Frieden bitten musste.

In der Schilderung der Heldentat des jungen Staufers wird schlaglichtartig deutlich, welche Rolle die Burgen als Herrschaftszentren und Herrschaftszeichen des mittelalterlichen Adels gespielt haben: Wenn sie, trotz aller Wehrhaftigkeit, vom Gegner erobert wurden, war damit der Besitzer selbst ins Mark getroffen: Die Burg stand für den Herrn und sollte standhalten.

Im vorliegenden Fall ging es um Burgen der Herzöge von Zähringen, die sich seit der Zeit um 1100 ein weiträumiges Herrschaftsgebiet am südlichen Oberrhein, im Breisgau und in der Ortenau, bis hin zur Baar und zum Neckargau aufgebaut hatten; wenig später sind sie als Rektoren von Burgund (ein für die Zähringer neugeschaffenes Amt des königlichen Stellvertreters) in den Raum zwischen Jura und Genfer See vorgedrungen. Bis zu ihrem Aussterben im frühen 13. Jahrhundert haben die Zähringer diese dominierende Rolle im Südwesten gespielt.

Die Zähringer-Forschung erhielt seit den 1980er Jahren neue Impulse, nicht zuletzt durch die große Freiburger Zähringer-Ausstellung. Hier gerieten auch die Burgen dieses fürstlichen Hauses sowie die Adelssitze der zu ihm gehörenden Gefolgsleute ins Blickfeld. Daraus erwuchsen eine große Studie von Alfons Zettler zu den Zähringer-Burgen im gesamten Herrschaftsgebiet der Herzöge und das Forschungsprojekt „Die Burgen des mittelalterlichen Breisgaus“. Unter der Leitung von Alfons Zettler von der Technischen Universität Dortmund und Thomas Zotz von der Universität Freiburg und unterstützt von der Gerda-Henkel-Stiftung, wird in ihm ein regional ausgerichtetes Burgeninventar erarbeitet, wie es für das Elsass, die Schweiz, für Tirol und die Pfalz bereits vorgelegt worden ist.

Das interdisziplinäre Burgenprojekt ist auf den mittelalterlichen Breisgau in seiner südlichen Ausdehnung bis zum Rheinknie und von hier den Hochrhein entlang bis zur Grenze des Albgaus ausgerichtet; die ganze Epoche der hoch- und spätmittelalterlichen Adelsburg wird dabei in den Blick genommen. In diesem engeren räumlichen Rahmen sollen alle verfügbaren Quellen und Befunde, die baulichen Überreste ebenso wie die historische Überlieferung, namenkundliche Hinweise und archäologische Erkenntnisse genutzt werden, um ein möglichst vollständiges Bild von der Verbreitungsdichte der Burgen im Breisgau zu gewinnen. Diese haben mit ihren Türmen als Zeichen weltlicher Herrschaft die Landschaft und die Wahrnehmung der in ihr lebenden Menschen ebenso geprägt wie die zahlreichen Kirchen.

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Es ließen sich für den mittelalterlichen Breisgau rund 300 Burgen unterschiedlicher Lage, Größe und Struktur ermitteln. In dem auf vier Bände geplanten Katalog werden die Burgen in alphabetisch geordneten Ortsartikeln behandelt, wobei mitunter auch mehrere Anlagen an einem Ort existiert haben. Jeder Artikel ist in die topographisch-burgenkundliche Beschreibung und die Darstellung der Geschichte gegliedert; dabei ist es ein Anliegen, die historischen Daten zu einer Burg in den weiteren Horizont von Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der Region einzubinden. Die ersten drei Bände sind in den Jahren 2003, 2006 und 2009 im Thor-becke Verlag erschienen; der vierte Band ist in Vorbereitung.

Indem das Breisgauer Burgenbuch das Hoch- und Spätmittelalter umfasst, kommen neben den 1218 ausgestorbenen Herzögen von Zähringen noch andere Fürsten- und Adelshäuser in den Blick, die am südlichen Oberrhein im späteren Mittelalter ihren Herrschaftsanspruch durch Burgen markiert haben: etwa die Markgrafen von Baden und ihre Nebenlinien, die Habsburger, die Grafen von Freiburg oder die Üsenberger. Daneben gilt die Aufmerksamkeit den Burgen und festen Häusern von Ministerialiät, niederem Adel oder stadtadligen Familien. So entsteht ein farbiges Bild von den Formen baulicher Repräsentation der zahlreichen Herrschaftsträger vor Ort, für welche die ebenso fruchtbare wie verkehrsgünstige, vom Rheinstrom durchzogene Landschaft des Breisgaus hohe Attraktivität besaß.

Vielfalt zeichnet auch das Erscheinungsbild der Breisgauer Burgen aus, obgleich deren Überreste kaum mit den stolzen Festen im Elsass oder in der Pfalz konkurrieren können. Doch finden sich auch im Breisgau manche Höhenburgen vom Schlag der für das zähringische Fürstenhaus namengebenden Burg Zähringen.

Ein anderes Beispiel ist etwa die Hochburg, die der badischen Nebenlinie der Markgrafen von Hachberg als Verwaltungssitz diente, bis dieser im 16. Jahrhundert in die nahe gelegene Stadt Emmendingen verlegt wurde. Erwähnen kann man auch das Wasserschloss in Heitersheim, das aus der Niederung der Rheinebene herausragt und vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ausgebaut wurde. Es war Sitz des Großpriorats der deutschen Johanniter seit der Zeit um 1500 und geht auf eine im 14. Jahrhundert bezeugte Burg des Ordens zurück. Diese war im weitläufigen Areal einer villa urbana aus römischer Zeit angelegt worden.

Nicht nur hier knüpften Burgen des Breisgaus an römische Strukturen an – auch dies ist ein interessanter Aspekt mittelalterlicher Burgengeschichte am südlichen Oberrhein!

http://www.landesgeschichte.uni-freiburg.de http://www.gerda-henkel-stiftung.de

Literatur: Alfons Zettler / Thomas Zotz (Hrsg.), Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau. 3 Bände, Ostfildern 2003, 2006, 2009. Karl Schmid (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Sigmaringen 1990.

Quelle: Prof. Dr. Thomas Zotz
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