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Geschichte+Archäologie

China: Älteste Münzprägeanstalt der Welt entdeckt

Kupfermünzen
Lange vor solchen Kupfermünzen gab es in China schon eine standardisierte Währung in Form von Spatenmünzen.(Bild: SimoneN/ iStock)

Die erste Prägung von Münzen als standardisierter Währung war ein Meilenstein der menschlichen Geschichte. Doch wann dies erstmals geschah, war bislang unklar. Jetzt haben Ausgrabungen in der chinesischen Provinz Henan die bisher älteste sicher datierte Münzprägeanstalt der Welt zutage gefördert. Dort wurden schon um 640 bis 550 vor Christus standardisierte Spatenmünzen geprägt, wie die Forscher berichten.

Ob aus Gold, Silber oder anderen Metallen: Die Erfindung von Münzen als Währung markierte eine wichtigen Wendepunkt in der kulturellen und vor allem wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit. Zwar gab es in einigen Kulturen auch vorher schon standardisierte Metallstücke oder Objekte wie Kaurimuscheln, die die Rolle einer rudimentären Währung übernahmen. Aber mit dem Münzgeld begann der Siegeszug echter Währungen.

Wann entstanden die ersten echten Münzen?

„Münzen förderten nicht nur den kommerziellen Austausch, sondern boten Gesellschaften auch neue Wege, um Wohlstand, Prestige und Macht zu bewerten“, erklären Hao Zhao von der Zhengzhou Universität in China und seine Kollegen. Wann und wo jedoch die ersten Münzen geprägt wurden, war bislang unklar, denn sowohl in Indien als auch in China und Kleinasien wurden schon Münzen aus der Zeit um 500 v.Chr. oder etwas früher entdeckt. „Archäologische Informationen über frühe Münzprägestätten sind dagegen selten“, erklären die Forscher. Einige mögliche Prägewerkstätten in China und Kleinasien kranken zudem daran, dass sie nicht eindeutig datiert werden können.

Jetzt haben Zhao und sein Team jedoch eine Münzprägestätte in Guanzhuang in der chinesischen Provinz Henan entdeckt, die sich sicher datieren ließ – und schon um 640 bis 550 v.Chr. in Betrieb war. „An diesem Ort wurden Relikte aus verschiedenen Stadien der Münzproduktion in eindeutigen archäologischen Kontexten gefunden“, berichtet das Team. „Die Münzprägestätte war Teil einer wohlorganisierten integrierten Bronzegießerei unter der Schirmherrschaft des Zheng-Reiches.“ Die Stadt Guanzhuang lag damals an einer wichtigen Kreuzung von Handelsrouten, die die Königsstadt Wangcheng mit den östlichen Ebenen verband.

Gussformen und Spatenmünzen

Ausgrabungen zwischen 2015 und 2019 förderten in dieser Stadt eine ausgedehnte Zone mit verschiedenen Werkstätten zutage, die unmittelbar außerhalb des südlichen Stadttores lag. „Dieses Areal umfasste Werkstätten für die Herstellung von Objekten aus Bronze, Keramik, Jade und Knochen“, berichten Zhao und seine Kollegen. In der Bronzegießerei, die den größten Teil dieser Handwerkszone ausmachte, zeugen Tiegel, Gießgefäße, Bronzereste, unfertige oder zerbrochene Bronzeobjekte sowie zahlreiche tönerne Gießformen und Ofenreste von der regen Produktion.

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Unter den Artefakten entdeckte das Forscherteam auch zahlreiche Tonformen für die Herstellung von Spatenmünzen, der frühesten Münzwährung in China. Diese spaten- oder klingenförmigen Metallmünzen markieren gängiger Annahme nach den Übergang von einem Gerätegeld zu einer echten Münzwährung. Dies drückt sich unter anderem in der zunehmend standardisierten Form der flachen Metallstücke und ihrer immer reicheren Beschriftung aus. In Guanzhuang haben Zhao und sein Team sowohl Gussformen für solche Münzen als auch einige Spatenmünzen entdeckt. Die älteste davon, SP-1, ist noch weitgehend unverziert und stammt aus dem ältesten Fundschichten, die auf die Zeit ab 640 v. Chr. datiert wurden.

„Damit ist Guanzhuang die weltweit früheste bekannte archäologische Münzwerkstatt, deren Alter sicher über Radiokarbondatierung bestimmt wurde“, schreiben die Wissenschaftler. „Die Münze SP-1 ist die älteste Spatenmünze – und allgemeiner noch die älteste chinesische Münze, die aus einem archäologisch gesicherten Kontext geborgen wurde.“ An der Bronzegießerei in Guanzhuang lasse sich zudem der Wandel in der Rolle der Bronzeindustrie der damaligen Zeit ablesen: Nachdem die Gießerei zunächst der Herstellung von Gebrauchsgegenständen wie Waffen, Kutschenteilen oder rituellen Gefäßen diente, bekam sie um 640 v.Chr. eine neue Funktion als Münzprägeanstalt des Zheng Reiches.

Quelle: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2021.94

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