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Geschichte+Archäologie

Christentum klug vermittelt

Deckblatt des ersten Bandes der Theologia Indorum, der Inhalte aus dem Alten Testament in K'iche' beschreibt. (Foto: American Philosophical Society)

Wie lassen sich Begriffe wie „Gott“, „Auferstehung“ oder „Hölle“ übersetzen und wie kann man sie mit der Vorstellungswelt der Indianer verknüpfen? Mit diesen Fragen hat sich vor 470 Jahren der Dominikanerpater Domingo de Vico im Rahmen seiner Missonsarbeit bei den Maya im Hochland Guatemalas beschäftigt. So entstand sein Werk „Theologie für die Indianer“, dem nun Forscher eine Studie gewidmet haben. Ihre Untersuchung dokumentiert die klugen Strategien des Missionars und geben zudem Einblick in die Vorstellungswelt der Maya.

„…Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern…“ Den sogenannten Missionsauftrag aus der Bibel haben viele Christen überall auf der Welt sehr ernst genommen – so auch in der Neuen Welt. Ein besonders engagierter Verkünder des Glaubens war dabei der Spanier Domingo de Vico. Er versuchte in der Mitte des 16. Jahrhunderts den Maya im Hochland von Guatemala den neuen Glauben zu vermitteln. Dazu lernte er zunächst die Maya-Sprache K’iche’ und machte sich außerdem mit den Vorstellungen der Indianer über Religion und Jenseits vertraut.

„Theologie für die Indianer“

Sein Wissen setzte er dann schließlich in Schriften um: Zwischen 1550 und 1554 verfasste de Vico in K’iche’ das über 800 Seiten umfassende Werk „Theologia Indorum“ – Theologie für die Indianer. „Es handelt sich dabei um den umfangreichsten bekannten kolonialzeitlichen Text in einer indigenen amerikanischen Sprache“, sagt Garry Sparks von der George Mason University in Washington. Das Werk ist in zwei Bände gegliedert, von denen nur 16 Abschriften erhalten geblieben sind. Sparks und sein internationales Team haben nun den ersten Band der Theologia Indorum übersetzt und die Texte inhaltlich analysiert.

Wie sie berichten, spiegelt sich in dem Werk wider, wie viel Mühe sich der Dominikanerpater gegeben hat, die Vorstellungen der Maya von der Götterwelt, der Seele und dem Leben nach dem Tod zu erfassen. Dieses Wissen nutzte er dann, um den Maya in ihrer eigenen Sprache das Christentum zu erklären. Er knüpfte dazu immer wieder an die vorhandenen indigenen Glaubensvorstellungen an. „Vico übernahm gezielt Begriffe aus der Maya-Religion und belegte diese mit einer neuen christlichen Bedeutung, um das Christentum so besser verständlich zu machen“, fasst Co-Autorin Frauke Sachse von der Universität Bonn zusammen.

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Gott wird weiblich

So bezeichnete der Dominikanerpater den christlichen Gott in seinen Schriften auch mit demselben Begriff, den die Maya für ihre höchste Schöpfergottheit verwendeten. Dieses göttliche Wesen vereint sowohl weibliche als auch männliche Aspekte und wird sprachlich in einer femininen Form ausgedrückt. So wurde auch der christliche Gott in der Sprache der Maya interessanterweise weiblich. Auf diese Weise bekam die christliche Lehre durch Vicos Übersetzung sogar eine besondere Note, sagen die Wissenschaftler.

Bei vielen Aspekten ging es allerdings auch klar darum, die Vorstellungen der Maya zu ändern. Das wird am Beispiel der Vermittlung des Begriffs „Hölle“ deutlich, berichten die Wissenschaftler. Vico benutzte dafür das K’iche’-Wort „Xibalba“ – Ort der Furcht – das die Unterwelt der Maya bezeichnete. „Diese Unterwelt war ebenfalls ein Ort des Leidens und der Qual für die Verstorbenen. Sie war aber nicht durch das ewige Feuer gekennzeichnet, sondern durch Kälte und Wasser“, berichtet Sachse. Für die Maya war Xibalba außerdem nur eine Station, die man nach dem Tode durchlief, um wiedergeboren zu werden. Denn nach ihren Vorstellungen entsprach der Verlauf des menschlichen Lebens dem einer Maispflanze: Ein Mensch wächst reift und vermehrt sich, bis er schließlich wie eine alternde Maispflanze stirbt. Nach dem Tod ruhen dann die Knochen wie Samen in der kühl-feuchten Erde – in Xibalba. Aus ihnen entsteht dann allerdings wieder neues Leben und der Zyklus beginnt von neuem.

„Dass Xibalba von Vico nun als Ort des ewigen Feuers und ewiger Verdammnis beschrieben wurde, passte somit nicht zu den Vorstellungen der Maya“, erklärt Sachse. In diesem Fall war also eine Veränderung der religiösen Ansichten das Ziel seiner Missionsarbeit. „Er wollte vermutlich mit viel Idealismus die Seelen dieser Menschen retten“, so Sachse. Diese Absicht hat ihm offenbar auch einen guten Ruf und Erfolg bei den Hochland-Maya eingebracht: Quellen berichten von „unserem geliebten Vater Vico“.

Wie das tragische Ende des Dominikanerpaters verdeutlicht, stieß er bei den Maya mit seiner Mission allerdings keineswegs nur auf Wohlwollen – seine Aufgabe war offenbar stets auch gefährlich: Im Jahr 1555 wurde Domingo de Vico bei seiner Missionsarbeit in einer benachbarten Region von der dortigen Bevölkerung getötet und den Göttern geopfert. Die anschließende Rache der Spanier war allerdings ebenfalls grausam: 260 der angeblich Beteiligten wurden getötet oder versklavt.

Quelle: Universität Bonn

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