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Craig Venter: Rasse ist keine wissenschaftliche Variable

Welche Informationen brauchen Wissenschaftler über Teilnehmer an wissenschaftlichen Studien? Die FDA (Amerikanische Food and Drug Administration) schlägt in einem kürzlich veröffentlichten Entwurf vor, Probanden in klinischen Studien nach ihrer Hautfarbe und der Herkunft ihrer Familien einer ethnischen Gruppe zuzuordnen. Der bekannte amerikanische Genomforscher Craig J. Venter und seine Kollegin Susanne B. Haga sind jedoch skeptisch, ob diese Informationen für die wissenschaftliche Auswertung solcher Studien überhaupt sinnvoll sind. Ihre Kritik formulieren die Wissenschaftler in einem Kommentar im Fachmagazin „Science“ (Ausgabe vom 25. Juli).

Die Zusatzinformationen über den Probanden können nach Meinung der FDA Auskunft darüber geben, ob in verschiedenen ethnischen Gruppen Medikamente anders wirken oder bestimmte Krankheiten mit einer veränderten Häufigkeit auftreten. Venter und Haga dagegen halten die vorgeschlagenen Kriterien für zu allgemein und deswegen nicht aussagekräftig genug. „Die Gültigkeit der Rasse als wissenschaftliche Variable ist noch keineswegs bewiesen“, schreiben sie. Bevor eine solche Klassifizierung gemacht werden könne, müsse in genetischen Studien geklärt werden, ob tatsächlich signifikante genetische Unterschiede zwischen den so genannten Rassen existieren.

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, müsse wissenschaftlich bestätigt werden, ob diese Variationen mit unterschiedlichen Krankheitsrisiken oder dem Ansprechen auf Medikamente in Verbindung gebracht werden können. Außerdem sei die bisher gängige Praxis, die ethnische Zugehörigkeit stellvertretend für wirtschaftlichen Status und Bildungsstand anzugeben, unsinnig. Stattdessen müssten quantitativ bestimmbare soziale Faktoren herangezogen werden, deren Einfluss beispielsweise auf das Risiko einer Erkrankung wissenschaftlich bestätigt ist.

Venter und Haga fordern den Übergang zu einer „individuelleren Forschung“, die auch neuere Erkenntnisse zur Entstehung von Krankheiten, den Wirkmechanismen von Medikamenten und den genetischen Veranlagungen einzelner Probanden einbezieht. Dann könne auch die Wichtigkeit sozialer Faktoren sinnvoll und korrekt in die Auswertung von Studien einbezogen werden, schreiben die Genetiker.

Ein Großteil der in der letzten Zeit veröffentlichten amerikanischen Studien unterscheidet beispielsweise zwischen weißen und schwarzen Probanden. Während diese Differenzierung bei klinischen Studien noch halbwegs plausibel erscheint, ist der Sinn einer solchen Rassentrennung besonders in psychologischen Studien häufig nicht erkennbar.

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Ilka Lehnen-Beyel
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