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Geschichte+Archäologie

Das bedrohte Erbe Malis

Das Konzept „Welterbe“ wird auf eine harte Probe gestellt. Während der Internationale Rat für Denkmalpflege der UNESCO (ICOMOS) in Sankt Petersburg 26 neue Stätten zum internationalen Erbe der Menschheit ernannte, zerstörten in Timbuktu am Rande der Sahara Islamisten der Ansa-Dine-Miliz drei Mausoleen islamsicher „Heiliger“. Die Gebäude aus kunstvoll gestalteten Lehmsteinen sind seit 1988 auf der Welterbeliste verzeichneten. Die Bevölkerung Timbuktus zeichnet sich durch einen Islam mit volksfrommen Zügen aus, der auch die ansonsten unbekannte Heiligenverehrung beinhaltet. Davon zeugen die 16 Mausoleen sowie drei Moscheen in traditioneller Lehmbauweise.

Die Liste des gefährdeten Welterbes umfasst 39 Stätten, 18 von ihnen befinden sich in Afrika, weitere fünf auf der arabischen Halbinsel. Bisher ist keine Lösung in Sicht, wie diese Plätze angesichts der um sie tobenden Kriege bewahrt werden könnten. Diese Regionen sind ohnehin auf der Welterbe-Liste unterrepräsentiert. Zum Vergleich – allein in Deutschland sind seit diesem Monat 37 Stätten verzeichnet.

Nur zwei Jahre nach dem Eintrag Timbuktus folgte die Aufnahme auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten. Seit 1990 registrierte die UNESCO gleich mehrere potenzielle Gefahrenquellen. Zum einen existierte keine ausreichende Pufferzone. Eine solche Zone umgibt jede Welterbestätte, in ihr dürfen keine Baumaßnahmen oder sonstige Veränderungen vorgenommen werden, die das Ensemble beeinträchtigen könnten. In Timbuktu ist die Einrichtung einer Pufferzone durch die zunehmende Bevölkerungsdichte besonders schwierig. Zusätzlich rückt die Saharawüste bis in die Altstadt von Timbuktu vor.

Aus diesem Anlass reiste im Februar 2005 eine Delegation der UNESCO nach Mali, um ein Konzept zum Erhalt des Welterbes unter Einbeziehung der drei Imame in Timbuktu zu erarbeiten. Die Stadt wollte die Erforschung und touristische Erschließung der Gebäude vorantreiben und plante die Schulung lokaler Handwerker in historischen Arbeitstechniken, um die Instandhaltung zu gewährleisten. Jede zehnte Welterbestätte beinhaltet Lehmarchitektur, die durch ihre leichte Bauweise gleichzeitig am stärksten von Naturkatastrophen und menschlicher Zerstörung betroffen ist. 2011 endete die zweite Phase eines umfassenden Konzepts zum Erhalt der Lehmarchitektur in Afrika und der arabischen Halbinsel. Ab 2012 wollte sich die UNESCO eigentlich den Stätten Lateinamerika und Zentralasien zuwenden. Auf der heute endenden Tagung in Sankt Petersburg regte ICOMOS die Einrichtung eines Fonds für Mali ein, aus dem die Reparatur der Schäden finanziert werden könnte. Nimmt man die Zerstörung jedoch in Kauf, ist das Erbe bald Geschichte.

Quelle: Ulrike Schröder
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