Das Geheimnis des Wikinger-Tiegels - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Das Geheimnis des Wikinger-Tiegels

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Credit: Thinkstock
Die Wikinger segelten mit ihren seetüchtigen Schiffen schon vor tausend Jahren nach Grönland und Nordamerika. Auf Neufundland gründeten sie sogar für einige Zeit eine Siedlung. Dass die Nordmänner auch weiter nördlich in der kanadischen Arktis präsent waren, belegt nun ein auf der Baffin-Insel entdecktes Steingefäß. In ihm haben Forscher Spuren von geschmolzener Bronze entdeckt, was nahelegt, dass die Wikinger es als Schmelztiegel für die Metallverarbeitung nutzten – denn die Inuit kannten diese Technik nicht. Der kleine Tiegel ist gleichzeitig das älteste Zeugnis der Bronzeherstellung in Nordamerika, wie die Forscher berichten.

Erik der Rote soll der erste gewesen sein: Der Überlieferung nach segelte er 982 mit einigen Kameraden von Island aus gen Westen, um den Berichten über ein geheimnisvolles Land nachzugehen. Die Wikinger erreichten tatsächlich wenig später die Südküste Grönlands. Im Laufe der nächsten Jahre gründeten sie mehrere Siedlungen an der Südspitze der Rieseninsel, begünstigt wurde dies durch eine Phase mit mildem Klima wie Studien zeigen. Offen blieb allerdings bisher die Frage, in welchem Maße die Wikinger auch an den Küsten Nordamerikas siedelten. Archäologische Funde in der kanadischen Arktis deuten darauf hin, dass die Wikinger zumindest sporadisch dort waren und auch Kontakt mit den Inuit der Region hatten. Und Ausgrabungen in L’Anse aux Meadows in Neufundland sprechen für eine kurzeitige Siedlung der Nordmänner in diesem Gebiet. Patricia Sutherland von der Universitys of Aberdeen und ihre Kollegen haben nun einige Funde näher untersucht, die weiter nördlich in frühen Inuitsiedlungen auf der kanadischen Baffin-Insel entdeckt wurden, deren Herkunft aber unklar war.

Steingefäß mit verräterischen Bronzeresten

Zu diesen Funden gehört auch das Fragment eines kleinen, dickwandigen Steingefäßes. Das fünf Zentimeter hohe Gefäß ist halb durchgebrochen, zu erkennen ist aber noch, dass es einen ebenen Boden hatte und möglicherweise am oberen Rand eine Tülle besaß, wie die Forscher berichten. Um herauszufinden, woraus dieses Steingefäß bestand und wozu es einst genutzt wurde, untersuchten sie seine Innenfläche mit Hilfe eines Raster-Elektronenmikroskops. Dabei zeigte sich Überraschendes: Die Forscher fanden 57 Bronzepartikel in den mikroskopisch kleinen Ritzen und Gruben des Gefäßes. Außerdem entdeckten sie winzige Glaskügelchen, wie sie entstehen, wenn Stein auf hohe Temperaturen erhitzt wird und schmilzt.

„In diesem Gefäß müssen einst kleine Mengen von Zinn und Kupfer geschmolzen worden sein, wahrscheinlich um kleinere Bronzeobjekte zu gießen“, schlussfolgern Sutherland und ihre Kollegen. Mit einem Alter von rund tausend Jahren sei dieser Tiegel damit der älteste Beleg des Metallschmelzens und -gießens in Nordamerika. Der Fund dieses Gefäßes auf der Baffin-Insel liefert aber auch einen weiteren Beleg dafür, dass die Wikinger schon vor rund tausend Jahren Nordamerika besuchten. Denn ähnliche keramische Tiegel wurden von den Wikingern auch in Skandinavien genutzt, um Nichteisen-Metalle zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass das Gefäßfragment zusammen mit Relikten gewebter Textilien, einem Stein mit Spuren geschmolzenen Metalls auf der Oberfläche und weitere Zeugnissen früher europäischer Handwerkskunst gefunden wurde.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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Napf|schne|cke  〈f. 19; Zool.〉 zu den Vorderkiemern gehörende Schnecke mit napfartiger, flacher Schale, die in der Gezeitenzone des Meeres an Felsen sitzt: Patella

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