Das Land, wo tatsächlich Honig floss - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Das Land, wo tatsächlich Honig floss

honeyl_tt.jpg
Die Forscher fanden in der historischen Stadt Tel Rehov mehrere Reihen von zylindrischen Bienenstöcken. Foto: Amihai Mazar, Hebräische Universität
Archäologen haben in Israel die Überreste von Bienenhäusern aus dem 9. bis 10. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Die Imkerei konnte jedes Jahr mehrere hundert Kilogramm Honig produzieren, schätzen die Wissenschaftler um Amihai Mazar von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Bisher waren Archäologen davon ausgegangen, dass sich die Bienenzucht in großem Stil im Nahen Osten erst viel später durchsetzte. Das in der Bibel überlieferte Bild von Israel als dem „Land, in dem Milch und Honig fließen“ könnte daher mehr der Wirklichkeit entsprechen, als Archäologen bisher glaubten.

Ort der Ausgrabung im Beth-Shean-Tal ist die historische Stadt Tel Rehov, zur Zeit des Nordreichs Israel ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Die Forscher fanden ein Bienenhaus mit insgesamt mehr als dreißig Bienenstöcken, die auf mehreren Etagen untergebracht waren. Die Stöcke selbst bestanden aus achtzig Zentimeter langen Zylindern mit einem Durchmesser von rund vierzig Zentimetern. Sie waren aus ungebranntem Ton und Stroh hergestellt und auf der Vorderseite mit einem Einflugloch für die Bienen versehen. Auf der Rückseite hatten sie einen abnehmbaren Deckel, über den der Honig entnommen werden konnte. Solche aus Ton gefertigten Bienenstöcke sind bereits aus dem Alten Rom und den griechischen Kulturen bekannt, nicht jedoch aus dem Nahen Osten dieser Zeit, erklärt Mazar.

Die Forscher vermuten, dass die Imkerei einst aus mehreren hundert Stöcken bestand und daher eine geradezu industrielle Honigproduktion ermöglichte. Genutzt wurde er nicht nur als Delikatesse, sondern auch für medizinische und kultische Zwecke. Jedoch dürfte auch das Bienenwachs Verwendung zum Fetten von Leder gefunden haben sowie als Beschichtung von Holztafeln, die zum Schreiben benutzt wurden.

Israel wird in der Bibel insgesamt 16 Mal als „das Land, in dem Milch und Honig fließen“ bezeichnet. Bibelforscher nahmen jedoch bislang an, dass mit dem Begriff „Honig“ nicht der Bienenhonig, sondern das Fruchtfleisch von Früchten wie Datteln und Feigen gemeint ist. Bienenhonig wird in der Bibel hingegen nur in Zusammenhang mit Wildbienen erwähnt. Möglicherweise sei dieser Begriff doch wörtlich zu nehmen, erklären die Archäologen.

Mitteilung der Hebräischen Universität in Jerusalem ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Po|ly|ure|than  〈n. 11; Abk.: PUR〉 Kunststoff, der durch Polyaddition von Cyanaten an Verbindungen mit zwei od. mehr reaktionsfähigen Wasserstoffatomen erzeugt wird [<grch. polys ... mehr

Food|watch  〈[fudwt] ohne Artikel〉 gemeinnützige Organisation für Verbraucherschutz ● ~ fordert den Rückruf von Olivenöl, das mit Schadstoffen belastet ist [<engl. food ... mehr

Tro|pen|kol|ler  〈m. 3; Med.〉 Erregungszustand bei Nichteinheimischen unter der Einwirkung des Tropenklimas, von Tropenkrankheiten, Alkohol u. a.

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige