Das Naturgesetz der Ungleichheit - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Das Naturgesetz der Ungleichheit

Im Herbst 1753 veranstaltete die renommierte Académie de Dijon ein Preissauschreiben. Die Teilnehmer waren aufgefordert, in einem Essay folgende Frage zu beantworten: „Was ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, und steckt ein Naturgesetz dahinter?“ Die Frage war brisant, hätte ihre Beantwortung doch an den Grundfesten der absoluten Monarchie rütteln können. So gewann denn auch der Abbé François Xavier Talbert den Hauptpreis, eine Goldmedaille. Der Aufsatz des frommen Mannes, von dem noch zahlreiche Predigten und Elogen auf Persönlichkeiten wie König Ludwig XV. überliefert sind, lag ganz auf der Linie der weltlichen und geistlichen Autoritäten.

Bleibende Bedeutung war allerdings einem anderen Wettbewerbsbeitrag beschieden, mit dem an den Grundfesten der herrschenden Ordnung gerüttelt wurde. In seinem „Discours sur l’o rigine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes“ (Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen) vertrat der Philosoph Jean-Jacques Rousseau die Ansicht, man müsse, um die Ungleichheit zu verstehen, in die Urgeschichte des Menschengeschlechts zurückblicken und seinen Naturzustand untersuchen. Der Denker konnte sich auf keine archäologischen Befunde berufen, und sein Wissen über außereuropäische Naturvölker ging kaum über anekdotenhafte Berichte hinaus. Dennoch kam er zu dem überraschenden Resultat: „ Der Erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: ‚dies ist mein‘, und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen hätte.“

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