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Geschichte+Archäologie

Dem Bevölkerungs-Mysterium der Osterinsel auf der Spur

Die riesigen Moai zeugen von der einst bevölkerungsreichen Geschichte der Osterinsel. (Foto: oversnap/iStock)

Einst könnten bis zu 17.500 Menschen auf der Osterinsel gelebt haben und nicht nur so wenige, wie es bei der Ankunft der Europäer schien. Dies geht aus einer Untersuchung des landwirtschaftlichen Potenzials der Osterinsel zur Zeit der Blüte der Rapanui-Kultur hervor. Die vergleichsweise hohe Schätzung erklärt, wie das geheimnisvolle Volk die vielen kolossalen Steinfiguren konstruieren, transportieren und erbauen konnte.

Bis zu rund zehn Meter hoch, tonnenschwer und charismatisch: Die sogenannten Moai haben die Osterinsel berühmt gemacht. Die Steinkolosse zeugen von einer erstaunlich leistungsfähigen Kultur, die einst auf der nur 24 Kilometer langen und 13 Kilometer breiten Insel florierte. Etwa 1000 Moais hat es Schätzungen zufolge dort einst gegeben. Von Anfang an erregte dies Erstaunen: Als die ersten Europäer am Ostersonntag 1722 die Insel erreichten und anschließend erkundeten, stießen sie auf verwüstete Reste der Kultplätze. Wer sie erbaut hat, schien rätselhaft, denn auf eine leistungsfähige Gesellschaft stießen die Entdecker nicht: Nur etwa 1500 bis 3000 Menschen einer vergleichsweise simplen Kulturstufe bewohnten die Insel.

Wie viele Menschen konnte die Osterinsel einst ernähren?

Heute geht man davon aus, dass die Kulturblüte des polynesischen Volkes der Rapanui in der Mitte des 17. Jahrhunderts n. Chr. zu Ende gegangen war. Die Ursache für den Niedergang ist nach wie vor mysteriös. Klar scheint allerdings, dass er mit einem enormen Bevölkerungsschwund einhergegangen sein muss: Eine so kleine Bevölkerung, wie sie die Europäer bei ihrer Ankunft vorgefunden hatten, wäre niemals in der Lage gewesen, die monumentalen Bauwerke der Insel hervorzubringen.

Die Forscher um Cedric Puleston von der Universität von Kalifornien in Davis sind nun der Frage nachgegangen, wie groß die Bevölkerung der Insel tatsächlich einmal gewesen sein könnte. Das Projekt umfasste Archäologen, einen lokalen Experten der Rapanui Kultur, einen Bodenwissenschaftler, einen Biogeochemiker und einen Populationsbiologen. „Wir haben Karten studiert, nahmen Bodenproben überall auf der Insel, platzierten Wetterstationen, entwickelten Populationsmodelle und Simulationen zur Produktivität beim Anbau von Süßkartoffeln“, berichtet Puleston. Diese Feldfrucht bildete das Grundnahrungsmittel der Rapanui.

Rund 17.500 Menschen

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sich 19 Prozent der Inselfläche für den Anbau von Süßkartoffeln geeignet hat. Daraus konnten sie wiederum Rückschlüsse auf die einstigen Erntemengen ziehen. Anhand von Informationen zum Nahrungsbedarf sowie Geburten- und Sterberaten berechneten sie dann, welche Bevölkerungsgröße die landwirtschaftliche Produktion hervorgebracht haben könnte. „Das Ergebnis ist eine breite Palette von möglichen maximalen Populationsgrößen. Aber wenn wir unsere Landwirtschaftsschätzungen mit anderen polynesischen Inseln vergleichen, erscheint eine Bevölkerung von 17.500 Menschen bei dieser Inselgröße plausibel“, sagt Puleston.

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Im Gegensatz zu den höchstens 3000 Bewohnern bei der Ankunft der Europäer, kann diese Menschenmenge durchaus monumentale Leistungen erbracht haben. „Sie schufen eine komplizierte soziale Struktur und diese erstaunlichen Kunstwerke, bevor es dann zu der dramatischen Veränderung kam“, resümiert Puleston. Was genau auf der Insel geschah, bleibt bislang weitgehend rätselhaft. Eine populäre Theorie lautet allerdings: Die Menschen konnten mit ihrem begrenzten Lebensraum nicht nachhaltig umgehen und haben dadurch ihre Lebensgrundlage selbst vernichtet. Doch weitere Studienergebnisse der letzten Zeit scheinen dieser simplen Erklärung zu widersprechen. Die Rapanui haben sich demnach durchaus über einen langen Zeitraum hinweg nachhaltig ernährt: von viel Fisch und Produkten aus klug gepflegter Landwirtschaft. Dies scheint auch nach einer kompletten Abholzung der Insel noch möglich gewesen zu sein. Die Fragen zu den Details des Niedergangs der Rapanui-Kultur werden Forscher demnach noch weiter beschäftigen. „Einblicke in die Geheimnisse dieser Geschichte können uns dem Verständnis der Natur des Menschen näher bringen“, so Puleston.

Quelle: Frontiers
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