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Dem Rhythmus auf der Spur

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Die Grundrhythmen der Musik ähneln sich auf der ganzen Welt – trotz aller kulturellen Unterschiede (Foto: deepblue4you/ iStock)
Der Rhythmus macht die Musik: Rhythmisches Klopfen und Trommeln sind die wohl ursprünglichsten Formen des Musizierens. Schon unsere frühen Vorfahren könnten sich in dieser Kunst geübt haben. Wie aber entstanden aus zufälligen Klängen einst rhythmisch strukturierte Kompositionen? Forscher haben versucht, diesen Prozess mithilfe eines Experiments nachzuvollziehen. Ihre Ergebnisse liefern nun eine Erklärung dafür, warum sich Musik auf der ganzen Welt trotz aller kulturellen Unterschiede in gewissen Merkmalen ähnelt.

Kaum etwas hat so tiefgreifende Wirkung auf uns wie die Musik: Sie bringt uns zum Tanzen, beeinflusst unsere Stimmung, stärkt unser Gehirn und wirkt sogar auf unsere Gene. Kein Wunder, dass schon ungeborene Kinder im Mutterleib auf melodische Töne reagieren. Sein ausgeprägtes Faible für die Musik hat der Mensch wahrscheinlich sehr früh entwickelt: Wissenschaftler vermuten, dass bereits unsere frühesten Vorfahren damit begannen, Rhythmen zu trommeln. Womöglich zeigten bereits die gemeinsamen Vorfahren des Menschen und der Schimpansen ein solches musikalisches Verhalten. Denn auch unsere engsten Verwandten können lernen zu trommeln – und die Rhythmen, die sie dabei produzieren, sind erstaunlich menschenähnlich. Im Laufe der Evolution hat sich unser musikalisches Repertoire immer weiterentwickelt. Heute gibt es wohl kaum eine menschliche Kultur, die sich nicht durch ihren ganz eigenen Musikstil auszeichnet.

Trotz der musikalischen Vielfalt sind sich die meisten Kompositionen bei genauerem Hinhören jedoch erstaunlich ähnlich: So gibt es bestimmte Strukturelemente, die für menschengemachte Musik auf der ganzen Welt typisch sind. „In Bezug auf den Rhythmus können zum Beispiel sechs Merkmale als Universalien gelten, die gehäuft und in allen geographischen Regionen vorkommen“, sagen Wissenschaftler um Andrea Ravignani von der University of Edinburgh. Dazu gehören unter anderem die Gruppierung von Schlägen in Zweier- oder Dreier-Takte sowie das Konstruieren von wiederkehrenden, rhythmischen Motiven. Wie aber kann es sein, dass Musik, die aus ganz unterschiedlichen Traditionen heraus entstanden ist, solche Gemeinsamkeiten aufweist?

Aus Zufall wird System

Um das herauszufinden, haben Ravignani und seine Kollegen ein Experiment gestartet. Ihr Ziel: Die Evolution von Musik nachempfinden und klären, wie aus zufälligen Tonfolgen rhythmische Kompositionen werden. Dafür baten sie Probanden zunächst, zufällig generierte Trommelsequenzen zu hören und diese anschließend zu imitieren. Diese Imitation spielten sie weiteren Teilnehmern vor, die die Folge dann ihrerseits nachtrommeln sollten und so weiter. Dabei beobachteten sie, wie sich die ursprüngliche Sequenz im Laufe mehrerer solcher Runden veränderte. Das Ergebnis: Tatsächlich verwandelten die Probanden die ursprüngliche Schlagfolge immer mehr zu einer Sequenz mit klar strukturierten, rhythmischen Mustern. Und: Sie wandten dabei automatisch all jene Regeln an, die als universell für Musik auf der ganzen Welt gelten.

Die Wissenschaftler glauben, dass sich dieses Phänomen mit grundlegenden psychologischen Mechanismen erklären lässt: So nehmen wir die Welt nie genauso so wahr wie sie wirklich ist. Beim Imitationsversuch schleichen sich deshalb kleine Fehler ein, die die Tonsequenz verändern – getreu dem Stille Post-Prinzip ergeben sich Verzerrungen. Außerdem neigen wir dazu, in Kategorien zu denken. Auch Gehörtes ordnen wir deshalb in Schubladen und strukturieren es entsprechend. Zu guter Letzt wollen wir es unserem Gedächtnis möglichst einfach machen: Automatisch verändern wir Gehörtes daher so, dass es für uns einfacher zu lernen und zu merken ist – zum Beispiel, indem wir es in kleine „Päckchen“ gruppieren. Solche Eigenschaften sind dem Team zufolge allen Menschen gemein – und könnten deshalb zur Entstehung musikalischer Universalien beigetragen haben.

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Als unsere Vorfahren unstrukturierte Klänge aus ihrer Umgebung wahrnahmen und versuchten, diese zu imitieren, passierte demnach womöglich etwas Ähnliches wie im Laborexperiment. Das führte schließlich dazu, dass aus ursprünglich unstrukturierten Tönen komplexe musikalische Systeme wurden. „Wir vermuten, dass musikalische Rhythmen zumindest teilweise durch den Einfluss kognitiver und biologischer Verzerrungsprozesse entstanden sein könnten und auf diese Weise die kulturelle Entwicklung geprägt haben“, schreiben die Forscher. Dies erkläre, warum unterschiedliche Musiktraditionen bestimmte Gemeinsamkeiten teilen: „Es sind Spuren der charakteristischen Biologie jener Lebewesen, die die Musik kreierten“, schließen Ravignani und seine Kollegen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Daniela Albat
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♦ Die Buchstabenfolge mi|kr… kann in Fremdwörtern auch mik|r… getrennt werden.

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