Der Mann, der die Deutschen das Baden lehrte - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Der Mann, der die Deutschen das Baden lehrte

Das Porträt von Sanitätsrath Joseph Thanisch stammt von dem Kölner Künstler A. Sticht, um 1900. (Foto: Stadtmuseum Simeonstift)

Joseph Thanisch (1838-1901) war ein für Trier wichtiger Gesundheitsförderer, der nicht nur als Mediziner aktiv war, sondern auch als Gründer der Heilbadeanstalt Dr. Thanisch in der Brotstraße bekannt wurde. Seine Nachkommen, die schon lange nicht mehr in Trier leben, haben nun das Ölporträt von Thanisch an den Ort seiner Wirkungsstätte gegeben. Im Stadtmuseum Simeonstift ist das Bild ein wertvolles Zeugnis der Sozial- und Stadtgeschichte Triers.

„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“ Unter diesem Motto machte sich der Berliner Hautarzt Oskar Lassar im 19. Jahrhundert dafür stark, öffentliche Bäder in ganz Deutschland einzurichten. 1875 eröffnete Joseph Thanisch in der Trierer Brotstraße 46 „Thanischs Bäder“, wie die Trierer Landeszeitung berichtete: „Sein Interesse für das Wohl der Bürgerschaft brachte ihn auf den Gedanken, der Stadt einen Vorschlag zum Bau einer Badeanstalt zu unterbreiten.“ Die ablehnende Haltung der Stadt nahm er zur Kenntnis und begann auf eigene Faust und wohl mit eigener Finanzierung: „Er, zielsicher, energisch und gradlinig, baute eine Badeanstalt“, so der Artikel in der Zeitung. Für die Wasserversorgung ließ er eine eigene Leitung vom Herrenbrünnchen in die Altstadt legen. Erst 1884 wurden in Trier in großem Stil die Abwassergräben beseitigt und durch eine Kanalisation ersetzt. Diese längst fällige gesundheitsfördernde Maßnahme ging einher mit dem Bau des Trierer Wasserwerkes.

Mit der Eröffnung der Badeanstalt standen den Trierern 16 große Marmorwannen und ein irisch-römisches Schwitzbad mit Dusche zur Verfügung. Später kam noch ein eigenes Duschbad für das Militär hinzu. Noch 1955 wurde er in der Landeszeitung öffentlich für sein Engagement gewürdigt: „Es war dies eine Wohltat für die ganze Stadt. Badewannen gab es damals in keinem Hause, und jeder Eimer Wasser musste aus dem Stadtbrunnen geholt werden.“

Thanischs eigentlicher Beruf jedoch war der des Arztes – ganz in der Tradition seiner Familie. Einer der ältesten Ärzte der Familie hatte in Trier im 17. Jahrhundert eine Geburtsklinik. Er wurde dreimal in einem Jahre zu Napoleon nach Paris gerufen. Ein Pierre Lebrun aus der Familie Thanisch war kurfürstlicher Leibarzt und wohnte seinerzeit in der ‚Geel Box’ (Gelbe Hose) am Domfreihof 2. Thanisch wurde am 20. Dezember 1838 geboren und arbeitete 32 Jahre lang als Chirurg und Chefarzt in der Krankenanstalt des Mutterhauses der Borromäerinnen und führte daneben auch noch eine Privatpraxis.

Als Fünfzigjähriger wurde Thanisch Sanitätsrath. Der preußische Ehrentitel wurde an nicht beamtete Ärzte verliehen, die eine über 20-jährige Praxisausübung vorweisen konnten. Über seinem Tod am 7. März schrieb die Trierische Landeszeitung: „Im März 1901, als er 61 Jahre alt war, wurde er bei einem Abendbesuch Opfer seines Berufes und verstarb an den Folgen eines Unfalls (Nierenriß).“

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Quelle: Stadtmuseum Simeonstift Trier
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