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Geschichte+Archäologie

Der missbrauchte Mythos

Der aus dem brennenden Troia flüchtende Aeneas begründete das Römische Reich – das ist in Vergils Aeneis so schön erzählt und später so oft wiederholt worden, dass der Mythos fast geschichtliche Wirklichkeit wurde. Doch auch Gaius Julius Caesar nutzte die Überhöhung der heroischen Abstammung, um seine Macht zu festigen – er stamme direkt von Ascanius, dem Sohn Aeneas‘ ab, behauptete er.

Paris wurde angeblich von Troianischen Exilanten gegründet, ebenso wie Xanten. Die britischen Könige des Mittelalters führten ihre Herkunft auf versprengte Troianer zurück. Die Franken hielten sich für Nachfolger der Troianer, was die Karolinger für sich ebenfalls beanspruchten. Und die Türken sahen sich als natürliche Rächer, weil sie die Nachfolger der Helden von Troia seien.

Kein Mythos, so weisen die Autoren nach, ist in der europäischen Geschichte und Kunst so heftig geglaubt, so oft nacherzählt und so häufig benutzt worden wie der Untergang Troias. Die inhaltlichen Schwerpunkte verschoben sich dabei: Der Troianische Krieg diente vor allem mittelalterlichen Autoren mal als Schablone für edles Rittertum, mal für verhängnisvolle Liebe oder eheliche Fürsorge, mal als Beleg für sinnlosen Krieg, Kampf oder Tod. Und immer wieder wurde Homers Dichtung zur Legitimation von Herrschaftsansprüchen missbraucht.

Das alles erzählen die fachlich versierten Autoren in nachdenklichen und amüsanten Einzelbeiträgen. Man lernt eine Menge über den Menschen und sein Verhalten – bis heute. Michael Zick

Martin Zimmermann (Hrsg.) DER TRAUM VON TROIA C.H. Beck, München 2006 240 S., € 22,90 ISBN 3-406-54376-6

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