Die älteste Heilige Österreichs - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Die älteste Heilige Österreichs

Skelett
Das Skelett der Heiligen vom Hemmaberg Foto: ÖAW)

Die Verehrung von Heiligen hat in Hemmaberg in Kärnten eine lange Tradition. Jetzt enthüllen neue Analysen, dass in einer der Kirchen des Orts die Gebeine der ältesten Heiligen Österreichs aufbewahrt werden. Sie stammen von einer Frau, die im 1. bis 2. Jahrhundert gestorben ist – in der Zeit der frühen Christenverfolgung. Warum sie allerdings als Heilige verehrt und ihre Knochen als Reliquie aufbewahrt wurden, ist unbekannt.

Der Hemmaberg in Kärnten war im 6. Jahrhundert ein florierender christlicher Wallfahrtsort mit intensiven Verbindungen nach Oberitalien. Der starke Zustrom an Pilgern gipfelte im Neubau von zwei Doppelkirchenanlagen, zahlreichen Pilgerunterkünften, Platzanlagen und Nebengebäuden. Da die Bedeutung frühchristlicher Pilgerheiligtümer unmittelbar mit der Strahlkraft der dort verehrten Heiligen verbunden war, wurden auch am Hemmaberg mehrere Kirchen mit Reliquien ausgestattet – so viel war schon länger bekannt.

Fund unter dem Altar

Bereits 1991 stießen Archäologen bei Ausgrabungen in der eigens für die Heiligenverehrung errichteten Kirche N auf Reliquien, die unter dem Altar deponiert worden waren. In der Reliquiennische lagen neben einem Holzkästchen und einem Silberring auch menschliche Knochen in einem 29 Zentimeter breiten Schrein aus Stein. Von wem diese Knochen stammten und wie alt diese Reliquien waren, blieb damals jedoch zunächst unbekannt.

Jetzt haben Archäologen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Knochen und den Reliquienschrein mit modernen Methoden näher untersucht. Sie unterzogen die Knochen unter anderem einer Radiokarbonanalyse, um sie datieren zu können, sowie einer Isotopenanalyse. Geologen testeten zudem das Gestein des Heiligenschreins auf Zusammensetzung und Herkunft. Ihre Ergebnisse geben nun erstmals Einblicke in die Geschichte und Hintergründe der Heiligen vom Hemmaberg.

Die Datierungen ergaben, dass es sich bei der Reliquie um die Gebeine einer Frau handelt, die bereits im 1. oder 2. Jahrhundert gestorben war. Damit handelt es sich bei dem Fund um die älteste Heilige Österreichs, wie die Archäologen berichten. Sie lebte zur Zeit der frühen Christenverfolgungen in der Region. Interessanterweise aber wurde sie erst rund 400 Jahre später in den Schrein am Hemmaberg umgebettet und ab dann offenbar als Heilige verehrt. Der Schrein selbst war nicht lokaler Herkunft, sondern stammte aus Oberitalien.

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Todesursache unbekannt

Auch zur Toten konnten die Forscher einige Informationen gewinnen: „Wir haben herausgefunden, dass es sich um eine Frau handelte, die im Alter zwischen 35 und 50 Jahren gestorben war“, berichtet Michaela Binder von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Durch DNA-Analysen konnten wir nachweisen, dass sie aus dem südöstlichen Mittelmeerraum stammte.“

Woran die Heilige vom Hemmaberg damals gestorben ist, lässt sich jedoch aus dem Skelett nicht ableiten, wie die Forscher erklären. Bioarchäologische Untersuchungen zeigen zwar, dass die Frau von Kindheit an unter Krankheiten litt und zu Lebzeiten starken körperlichen Belastungen ausgesetzt war. Ob sie jedoch an einer Krankheit starb oder den Märtyrertod, wie es ihr Status als Heilige nahelegt, ist nicht feststellbar. Auch eine Heiligenlegende, die ihre Todesumstände oder ihren Namen beschreibt, ist leider nicht überliefert, wie die Archäologen berichten.

Das im Verlag Holzhausen neu erschienene Buch „Die Heilige vom Hemmaberg. Cold Case einer Reliquie“ gibt nun Einblicke in kulturhistorische Details des Falles, wie die besondere genetische Herkunft und die beschwerlichen Lebensbedingungen der Verstorbenen, die Rekonstruktion des Reliquienschreins, das frühe Christentum im Alpenraum oder die Praxis der Reliquienteilung. Es vermittelt aber auch die Anwendung moderner Methoden und Analyseverfahren in der heute stark durch Interdisziplinarität geprägten archäologischen Forschung.

Quelle: Österreichische Akademie der Wissenschaften

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