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Geschichte+Archäologie

Die Anfänge der Wikinger-Metallurgie

Metallschmelze
Wikinger stellten schon im 8. Jahrhundert verschiedene Metalllegierungen her. (Bild: homostock/ iStock)

Die Herstellung von Metalllegierungen spielte für die Wikinger eine wichtige Rolle – sie nutzten sie in Alltagsobjekten, für Waffen und Schmuck. Wie sich die Metallurgie-Techniken der Wikinger im Laufe der Zeit weiterentwickelten, zeigen nun archäologische Funde aus der dänischen Wikinger-Siedlung Ribe. Sie dokumentieren, wie die Tiegel und Legierungen vom 8. zum 9. Jahrhundert optimiert und standardisiert wurden.

Die Stadt Ribe an der Westküste Dänemarks war im frühen Mittelalter ein Handelshafen der Wikinger – und eine wichtige Stätte der Metallverarbeitung. „Die Rolle von Ribe als Knotenpunkt des nordeuropäischen Seehandels lieferte lokalen Handwerkern Zugang zu den Rohstoffen und Märkten, was die Produktion von Metalllegierungen und Metallgegenständen an diesem Ort förderte“, erklären Vana Orfanou von der Universität Aarhus und ihre Kollegen. Von dieser Metallverarbeitung zeugen tausende von Tiegeln, Schlackenresten, Metallstücken und Fragmente von Gussformen.

Wechsel mit Beginn der Wikinger-Ära

Orfanou und ihr Team haben nun einige dieser Funde näher untersucht, um mehr über die Anfänge der Metallverarbeitung in dieser Wikinger-Niederlassung herauszufinden. Dafür analysierten sie 1126 Proben von Tiegeln und Gussformen, fertigen Metallobjekten wie Schlüsseln und Schmuck sowie Metallbarren und Schlackenreste aus der Zeit von 700 bis 850 n. Chr. auf ihren Metallgehalt und chemische Zusammensetzung hin. „Indem wir sowohl die Werkzeuge wie auch die fertigen Gegenstände untersuchen, bekommen wir einen besseren Einblick darin, welche Metallverarbeitungstechniken in Ribe genutzt wurden und wie sie sich im Laufe der Zeit weiterentwickelten“, so Orfanou.

Tatsächlich zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen der frühen Periode bis etwa 790 und der späteren, von Wikingern dominierten Zeit. Anfangs nutzten die Handwerker in Ribe demnach Schmelztiegel aus Lehm mit einem eher geringen und stark variierenden Aluminiumgehalt, später dagegen enthielten die gebrannten Tiegel mehr aluminiumhaltige Minerale. Das verlieh ihnen eine bessere Hitzestabilität und deutet darauf hin, dass die Metallurgen den dafür günstigen Lehm später gezielt suchten, wie die Forscher berichten. Schon in dieser Frühzeit stellten die Handwerker zudem bevorzugt Legierungen aus mehr als zwei Metallen her, ihre Zusammensetzung schwankte jedoch noch stark.

Standardisierung bei Legierungen und Verfahren

Das änderte sich nach 790: Ab dieser Zeit zeigt sich ein Trend zu einer systematischeren und standardisierten Legierungs-Herstellung. „Wir dokumentieren eine Reihe schneller technologischer Fortschritte am Beginn des Wikingerzeitalters. Innerhalb eines Jahrhunderts veränderten die Handwerker ihre Technik von der eher zufälligen Mischung der Metalle zu einem optimierten Prozess, bei dem gezielt bestimmte Legierungen hergestellt wurden.“ Dabei wurde beispielsweise Bronze und Messing mit hohem Bleigehalt vorwiegend in der Anfangszeit und für praktische Gegenstände wie Schlüssel verwendet – möglicherweise, weil Blei weich und leicht zu verarbeiten war.

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Später dominierten dagegen härtere Legierungen mit einem höheren Zinkanteil. Zinkreiche Bronze wurde dabei vorwiegend für Gebrauchsgegenstände produziert, das goldglänzende Messing dagegen für Schmuck. „Die Legierungs-Produktion der späteren Phase ist zeitlich mit dem Aufkommen ganz neuer Ornament-Typen verknüpft, die eine stärkere Modellierung zeigen, und vermutlich auch auf neue Gusstechniken zurückgehen“, berichten Orfanou und ihre Kollegen. Ihrer Ansicht nach könnte der Wandel der Technologie und die Einführung neuer Legierungen auf das Eintreffen neuer Handwerker zurückgehen, aber auch auf den Erfahrungsaustausch mit Metallurgen aus anderen Wikinger-Niederlassungen.

„Die Wikingerzeit markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte, an dem die Kommunikation über Meere hinweg in Nordeuropa exponentiell anwuchs“, erklärt Orfanou. „Die Entwicklung von Handwerkskünsten wie der Metallurgie gibt uns einzigartige Einblicke in die kulturellen und sozialen Konsequenzen dieses wohlbekannten Beispiels einer ‚Proto-Globalisierung‘.“

Quelle: Springer; Fachartikel: Archaeological and Anthropological Sciences, doi: 10.1007/s12520-021-01308-1

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