Die Auferstehung des Neandertalers - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Die Auferstehung des Neandertalers

Vier Jahre lang wurde das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte umgebaut. Jetzt ziehen prähistorische Knochen in die neuen Räume ein: der Schädel des Neandertalers von Le Moustier wird nach über 60 Jahren erstmals wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Virtuelle Rekonstruktionen, die von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin und der Universität Zürich hergestellt wurden, hauchen dem Fund Leben ein.

Forscher halten zuweilen sensationelle Puzzleteile in ihren Händen. Der Berliner Anatomieprofessor Hermann Klaatsch zum Beispiel die Schädelfragmente eines jungen Neandertalers, der am 7. März 1908 im französischen Dorf Le Moustier entdeckt und fünf Monate später geborgen worden war. Etwa 45 000 Jahre lang hatte der Tote in seinem Grab gelegen – den Kopf auf ein Steinkissen gebettet, den Körper auf die rechte Seite gerollt, den Arm als Stütze angewinkelt. Einen Faustkeil und einen Rundschaber aus Feuerstein hatten ihm seine Lebensgefährten mit auf den letzten Weg gegeben. Doch der wurde schließlich vom Archäologen Otto Hauser gekreuzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der gebürtige Schweizer über 30 potenzielle Fundstellen an der Dordogne gepachtet oder gekauft und begann, systematisch nach Zeugnissen der Geschichte zu graben. Als er in seiner „Station 44″ von Le Moustier fündig wurde, holte er den Anatomie-Experten Klaatsch zu Hilfe. Schließlich sollte der Sensationsfund fachgerecht zusammengesetzt werden. Reise und Auferstehung des Neandertalers von Le Moustier begannen. 1910 verkaufte Otto Hauser das Skelett, zusammen mit dem Fund eines frühen Homo sapiens sapiens aus Combe Capelle, an das Museum für Völkerkunde in Berlin – für 160 000 Goldmark (umgerechnet etwa 576 000 Euro).

Während bei früheren Rekonstruktionen die Schädelteile mit den Händen aneinander reiht und mit Gips ergänzt wurden, gibt die moderne Technik den Verstorbenen ihr Antlitz zurück, fast ohne sie zu berühren. Vor allem die seit den 1970er Jahren entwickelte Computertomographie hilft bei der virtuellen Rekonstruktion. Dabei werden die Untersuchungsobjekte – anders als bei herkömmlichen Röntgenaufnahmen – während der Durchstrahlung gedreht. Ein Detektor misst und speichert die Werte jedes analysierten Winkelbereichs. Die gescannten Schichten liegen nur einen halben Millimeter auseinander. Abschließend wird die Dichte der Objekte mit Hilfe von mathematischen Verfahren berechnet und als Grauwert sichtbar gemacht. Statt herkömmlicher Röntgenbilder entsteht so eine dreidimensionale Projektion. Redaktion: Bettina Gartner

Museum für Vor- und Frühgeschichte

Schloss Charlottenburg www.smb.spk-berlin.de/mvf Langhaus Eintritt: € 6,– (ermäßigt € 3,–) 14059 Berlin

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