Die ersten Europäer lebten im Osten - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Die ersten Europäer lebten im Osten

Womöglich ist der Mensch viel früher in Europa eingewandert, als bisher angenommen. Dafür sprechen neue Funde einer russisch-amerikanischen Forschergruppe in Kostenki, einem altsteinzeitlichen Fundort am Ufer des Don 400 Kilometer südlich von Moskau. „Artefakte in den tiefsten Schichten deuten darauf hin, dass moderne Menschen hier auf dem osteuropäischen Flachland eher eintrafen als in Mittel- und Südeuropa – und zwar schon vor 45 000 Jahren“, sagt John Hoffecker von der University of Colorado. Das sind mindestens 5000 Jahre früher als bisher angenommen.

Die Forscher fanden den Wohnplatz unter einer Schicht Asche, die sich nach einem Vulkanausbruch vor über 40 000 Jahren über die Region gelegt hatte. Das Alter der Fundstücke wurde mittels Magnetstratigraphie und Lumineszenz-Datierung relativ sicher bestimmt. Besonders wertvoll ist der roh geschnitzte Kopf einer Elfenbeinfigurine, die Hoffecker zufolge „das älteste Stück bildender Kunst“ darstellt. Sie ist rund 10 000 Jahre älter als Figuren aus der Schwäbischen Alb, wie der berühmte „Löwenmensch“. Ob jedoch der gesichtslose Elfenbeinkopf aus Kostenki wirklich „ Kunst“ ist, bezweifelt der Tübinger Archäologe Nicholas Conard. Der Leiter des Instituts, das die Funde von der Schwäbischen Alb untersucht hat, vertritt die These, der moderne Mensch habe – aus dem Nahen Osten kommend – Donau aufwärts Süddeutschland erreicht, wo er sich möglicherweise in einer Art kulturellem Wettstreit mit dem Neandertaler künstlerisch weiterentwickelte.

Demnach müsste es mehrere Wanderrouten gegeben haben: „Während die frühesten Artefakte im südlichen und zentralen Europa solchen im Nahen Osten sehr ähnlich sind“, erläutert Hoffecker, „ unterscheiden sich die Funde in Kostenki von allen anderen.“ Wie Conard vermutet er, dass die Einwanderer auf einem anderen Weg ins heutige Russland gelangt sind. Hoffecker behauptet sogar, diese „gänzlich andere Gruppe moderner Menschen“ sei nicht aus dem Nahen sondern aus dem ferneren Osten gekommen, vielleicht aus Zentralasien. Neandertaler gab es am mittleren Don zu der Zeit wohl nicht. Zumindest fanden Forscher dort bislang keine Spuren von ihnen. Den anatomisch modernen Menschen muss also etwas anderes zu kulturellen Leistungen inspiriert haben. Hoffecker tippt auf das lebensfeindliche Klima.

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