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Geschichte|Archäologie

Die Geschichte des Weins in Italien

Forum Romanum
Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass auch auf dem Forum Romanum Wein getrunken wurde. (Foto: Vladislav Gajic / fotolia.de)
Ohne Frage gehört Wein zu den Getränken mit den längsten und reichhaltigsten Geschichten – nicht umsonst handelt es sich bei Wein um ein Kulturgut. Dabei gilt Italien als eine der absolut größten und wichtigsten Weinnationen, nicht nur Europas, sondern weltweit. Beschäftigen wir uns heute also einmal mit der Weingeschichte Italiens und finden so heraus, was gerade Italien zu einer so besonderen Weinregion macht.

Die Griechen als Urheber der Weinnation Italien

Beschäftigen wir uns mit den Ursprüngen der Weinnation Italien, so beginnt die Geschichte des italienischen Weinanbaus keineswegs mit dem römischen Reich, so wie man es vermuten könnte. Stattdessen liegen die Ursprünge noch in einer Kultur, die eine ganze Weile vor dem Reich entstand, also noch wesentlich vor dem achten Jahrhundert vor Christus mit der mythischen Gründungsgeschichte Roms.

Denn schon vor Rom gab es eine europäische Hochzivilisation, die die Weinkultur pflegte, nämlich die griechischen Stadtstaaten. Athen, wichtigster und berühmtester Stadtsaat des antiken Griechenlands, durchlitt mehrere Krisen. Der rapide Bevölkerungsanstieg in den Stadtstaaten sorgte kombiniert mit zu dieser Zeit kargen Ackerböden für große Probleme. Diese Schwierigkeiten führten dazu, dass Menschen fernab der griechischen Heimat bessere Lebensumstände suchen. Erst gegen Ende des siebten Jahrhunderts begannen dann die ersten Kolonisationsbemühungen, bei denen unter anderem die Stadt Byzanz entstand, das heutige Istanbul.

Die Regionen, die wir heute als Süditalien bezeichnen, begeisterten die Griechen dabei ganz offensichtlich besonders. Apulien, Sizilien, Kampanien und Kalabrien sind dabei die Gegenden, in denen die Griechen aktiv wurden. Bei dieser Gelegenheit brachten sie auch Weinreben aus der Heimat mit und begannen, auch in ihren Kolonien Wein anzupflanzen – die Geburtsstunde des italienischen Weinbaus war gekommen. Die Geschichte der griechischen Kolonisation ist grundsätzlich ein sehr faszinierendes Kapitel, schließlich ist sie eines der ersten bekannten Beispiele für derartige Vorhaben.

Wein im römischen Reich

So also gelangte das griechische Wissen um den Weinbau nach Italien. Später nützte es dann vor allem dem römischen Reich. Dort galt Wein lange Zeit nicht nur als exklusives Genussmittel, sondern war ein wahres Volksgetränk und entsprechend wichtiges Wirtschaftsgut. Wie etwa Bier heute als Grundnahrungsmittel verstanden wird, so galt dies lange Zeit auch in Rom und den dazugehörigen Provinzen. Durch die expansive Tätigkeit sowohl in Zeiten der römischen Republik als auch in denen des Kaiserreichs trugen die Römer das Wissen um den Weinanbau erheblich weiter in den Norden und sorgten somit auch für die Verbreitung nach Mittel- und Norditalien.

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Allerdings sollte es tatsächlich eine ganze Weile dauern, bis in Rom und Umgebung überwiegend eigene Weine getrunken wurden – bis zum ersten Jahrhundert v. Christus dominierten hier wohl noch griechische Weine. Danach aber traten die römischen Weine ihren Siegeszug an. Diese wurden übrigens in Amphoren, Vasen und Schläuchen auch in großer Hektoliterzahl auf dem See- und Landweg für den Handel transportiert.

Dass Wein in relativ großen Mengen von der Bevölkerung getrunken wurde, ist weithin bekannt – bei Frauen geht man in etwa von einem halben Liter am Tag aus, bei Männern sogar von einem ganzen. Dabei wurde der Wein aber in aller Regel nicht pur getrunken, zumal er meist in einer öligen Konsistenz eingelagert wurde, sondern stattdessen mit Wasser gestreckt, sodass auch der Alkoholkonsum etwas geringer ausfiel, als man dies bei den Konsumzahlen annehmen könnte.

Die bis heute vorhandene Dominanz italienischer Weine auf dem Weltmarkt lässt sich also durchaus bereits mit der großen Exporttätigkeit während der römischen Zeit erklären.

Wein im italienischen Mittelalter

Das römische Reich ist bekanntlich unter dem Einfall anderer Völker untergegangen, nachdem es sich bereits in ein oströmisches und ein weströmisches Reich aufgespalten hatte – auch wenn umstritten ist, wann der Untergang ganz genau stattfand und sich so der Übergang zu Mittelalter vollzog.

Die Langobarden und Goten beispielsweise brachten aus ihrer Heimat nicht die Leidenschaft für den Rebsaft mit, die die römische Bevölkerung hatte. Während die römischen Kaiser oftmals sogar spezielle Lieblingsweine hatten, dürfte dies bei den neuen Herrschern nicht der Fall gewesen sein. Allerdings änderte das nichts an der mittlerweile tief in der römischen Bevölkerung verwurzelten Weinbautradition, sodass Wein nach wie vor, oft in der Selbstversorgung, hergestellt wurde. Das hatte einerseits zur Folge, dass die kultivierten Weinbautraditionen überlebten, andererseits aber starben die Spitzenweine annähernd aus.

Die Renaissance des Weines

Die Renaissance, die überwiegend den italienischen Stadtstaaten zu verdanken ist, gilt heute nicht umsonst als eine Zeit, in der Europa seinen Fortschritt fand. Gerade im Bereich der Kunst und der Kultur entwickelten Künstler wie da Vinci, Michelangelo und Co eine ganz eigene Bildersprache, die erstmalig seit Jahrhunderten nicht etwa die christliche Religion, sondern den Menschen selbst in den Mittelpunkt stellte.

Finanziert wurden diese Errungenschaften vor allem von immens reichen und einflussreichen Clans, die sich gegenseitig in Sachen politischem Einfluss, Repräsentation und Geltung gegenseitig stets übertrumpfen wollten, so etwa die Medici, Pazzi und Strozzi in Florenz. Doch auch das rein aristokratisch regierte Venedig muss, gemeinsam mit dem noch nicht genannten Mailand, als eine der wichtigsten Städte der Renaissance gelten.

So wie die Kunst erlebte nun auch der Weinbau seine Wiedergeburt. Durch die Entstehung eines wohlhabenden Bürgertums gab es nun auch mehr Menschen, die hochklassigen Wein schätzten und auch hier die repräsentative Funktion eines gut ausgebauten Jahrgangs für sich nutzen wollten. Dass die Zentren der Renaissance hochklassige Weine anbauten, merkt man zum Beispiel in der Region Venetien noch heute, wo auch schon vor Hunderten von Jahren Weine für die reichen Familien Venedigs angebaut wurden. Die Renaissance hat gemeinsam mit der römischen Antike sicherlich die größten und wichtigsten Grundsteine für den heutigen Stellenwert des italienischen Weins gelegt.

Italienischer Wein heute

Nachdem wir uns nun mit der langen Geschichte des italienischen Weines beschäftigt haben, wollen wir uns seiner gegenwärtigen Bedeutung zuwenden. Bis heute ist Wein in Italien ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und genau wie im römischen Reich gehört er zum alltäglichen Leben der Menschen dazu. Das verwundert auch nicht, denn Italien verfügt insgesamt über Rebflächen von knapp 700.000 Hektar und erzeugt dabei jährlich über 44 Millionen Hektoliter Wein, von dem etwa die Hälfte exportiert wird. Der größere Teil der anderen Hälfte wird dabei tatsächlich konsumiert, der Pro-Kopf-Verbrauch ist dementsprechend hoch.

Mittlerweile hat sich die Weinproduktion in Italien noch deutlicher ausdifferenziert, sodass jede Region über ihre ganz eigenen Geschmäcker verfügt. Vor allem ist Italien für seine Rotweine bekannt, die international nach wie vor zu den beliebtesten gehören.

Gerade in den Nullerjahren haben die italienischen Winzer allerdings einige Krisen überstehen müssen. Wo der Rotwein gerade in den Neunzigern stark boomte, kam in den Nullerjahren der Dämpfer. Die Preise für italienischen Rotwein stürzten, befeuert durch die Euro- und die Finanzkrise, völlig in die Tiefe, der prosperierende Wirtschaftszweig verlor viel von seiner Anziehungskraft.

Gerade durch die schiere Anzahl an Anbietern, die so überaus günstige Rotweine anbieten konnten, haben gerade kleinere Winzer die Chance, sich mit ihren Familienunternehmen am Markt mit spezifisch ausgebauten Weinen zu positionieren und zu vertretbaren Preisen internationales Prestige zu erwerben.

Übrigens besitzt Italien, wie viele andere europäische Weinländer, mittlerweile eigene Wein-Qualitätsstufen, die durch die EU durchgesetzt worden sind und Neulingen auf diesem Gebiet helfen können.

Fazit

Der italienische Weinbau kann folglich auf eine lange Tradition zurückblicken, die den derzeitigen Status erst ermöglichen könnte. Auch innerhalb der EU nimmt Italien durch seine insgesamt 3000 Jahre Weinbaugeschichte eine dominierende Rolle ein. Spannend wird sein, wie sich italienischer Wein in den nächsten Jahrzehnten auf einem immer härter umkämpften Markt behaupten kann.

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