Die Schätze der Steppenreiter - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Die Schätze der Steppenreiter

Auf dieser keltischen Silbermünze aus Satu Mare ist ein Reiterkrieger mit einem Vogelhelm dargestellt. Sie wurde um 200 vor Christus geprägt.

Hinter der Donau hörte für lange Zeit die Welt auf, zumindest aus römischer Perspektive. Tatsächlich trafen hier zwischen Theiss-Ebene und Karpatenbecken vielfältige ethnische Gruppen aufeinander, deren kulturelle Traditionen von der weiten Landschaft geformt wurden. Die neue Sonderausstellung „Roms unbekannte Grenze“ des Keltenmuseums in Manching bei Ingolstadt vereint beeindruckende Funde aus Rumänien und Ungarn, die den Reichtum im äußersten Osten des Römischen Reichs widerspiegeln. Die Exponate umspannen acht Jahrhunderte zwischen 400 vor bis 400 nach Christus und stammen aus zahlreichen Partnermuseen, unter anderem in Satu Mare (Sathmar) und Alba Iulia (Karlsburg). Dank der mehrmonatigen Vorbereitungen zum Transport und der Präsentation der Ausstellungsstücke, die zu den wertvollsten nationalen Kulturgütern Rumäniens und Ungarns zählen, sind sie nun zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Seit Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. die Völker seiner Welt beschrieb, waren griechische und später römische Autoren von den Reitervölkern im Osten fasziniert. Ihr Urteil über Kelten, Daker, Sarmaten und Vandalen schwankte zwischen Bewunderung für die Gewandtheit zu Pferde und Mitleid mit der vermeintlich fehlenden kulturellen Raffinesse. Bis ins frühe Mittelalter folgte man den antiken Quellen. So führte eine Traditionslinie von den Skythen über die Hunnen und Awaren bis zu den Ungarn im 9. Jahrhundert und mit ihr die Angst vor einer blitzschnellen Kriegerschar aus dem Osten. Mit ihren Charakterisierungen bestimmen die antiken Autoren bis in die Gegenwart das Bild der Steppenreiter. Archäologische Ausgrabungen in fürstlichen Grabanlagen, sowie wertvolle Depots sind reich an silbernen Schmuckstücken und Münzschätzen – sie zeigen ein Bild jenseits des Barbaren-Topos. Insbesondere die Feinschmiedekunst erreichte eine unnachahmliche Güte. Davon zeugt ein in der Ausstellung gezeigter goldener Schildbuckel aus dem Ungarischen Nationalmuseum in Budapest. Die figürliche Darstellung weist den Fund in das dritte Jahrhundert nach Christus. Während der Schildbuckel bereits 1849 bei Pustza in einem Hügelgrab geborgen wurde, präsentiert die Schau auch die jüngsten Funde einer aktuellen Grabung in Zalau/Rumänien. Wie der Leiter des Römer Kelten Museums in Manching, Wolfgang David, mitteilte, wurden dort vor kurzem zwei Kriegergräber entdeckt, die Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus angelegt wurden. Ihre außerordentlich reiche Waffenausstattung ist nun in Manching zu sehen, darunter eine „Iorica squamata“ – ein für Reiter typischer Schuppenpanzer.

Im Fokus der Forschung liegt die Frage nach den kulturellen Einflüssen, die sich in dieser Kunst vereinten. Das Wechselspiel zwischen Assimilation und scharfer Abgrenzung im Kontakt mit der hellenischen und römischen Welt fand in der Bewahrung der eigenen Ästhetik Ausdruck. Die Tier- und Spiralornamentik zeigt indes Parallelen zu den Kelten der späten Eisenzeit, die auch in Manching ein großes Siedlungszentrum errichteten. Beide Landschaften liegen an der Peripherie des Römischen Reiches und zeichneten sich schon lange vor ihrer Eroberung durch die Römer als Durchzugs- und Kontaktgebiete zwischen Südost- und Mitteleuropa aus.

Quelle: Ulrike Schröder
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