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Geschichte|Archäologie

Ein Pferd der spanischen Konquistadoren

Pferdezahn
400 Jahre alter Pferdezahn aus Puerto Real. © Florida Museum / Jeff Gage

Ein auf der Insel Haiti entdeckter Pferdezahn stammt von einem der ältesten bisher bekannten Hauspferde der westlichen Hemisphäre. DNA-Analysen belegen, dass dieses Pferd schon im 16. Jahrhundert von den Konquistadoren aus Spanien in die Karibik gebracht worden sein muss. Die DNA-Probe bestätigt zudem eine Legende, nach der wilde Ponys auf der Insel Chincoteague vor der Küste Virginias von einer dort gesunkenen spanischen Galleone stammen sollen: Diese wilden Ponys sind die engsten modernen Verwandten des Konquistadoren-Pferds.

Alle heute in Nordamerika lebenden Pferde gehen auf Importe durch frühe Siedler aus Europa zurück – so viel ist klar. Denn alle ursprünglich auf diesem Kontinent heimischen Ur-Wildpferde starben schon am Ende der letzten Eiszeit aus. „Erst im späten 15. Jahrhundert mit der Ankunft der ersten europäischen Entdecker in der Karibik kehrten auch die Pferde nach Amerika zurück – diesmal in Form des domestizierten Pferdes Equus caballus“, erklären Nicolas Delsol von der University of Florida in Gainesville und seine Kollegen.

Schon Kolumbus brachte die ersten Pferde mit

Historische Aufzeichnungen legen nahe, dass die ersten europäischen Pferde schon mit der zweiten Reise des Christoph Kolumbus in die Karibik gelangten. „Nach Berichten des Oviedo y Valdés nahm Kolumbus diese Pferde auf den Kanaren an Bord. Am 28. November 1493 landeten sie dann im Ort La Isabela auf der Insel Hispaniola an“, so Delsol und sein Team. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte kamen mit den Schiffen der Konquistadoren immer mehr Pferde auf die Insel und wurden auch auf das mittelamerikanische Festland gebracht.

„Eine der ikonischsten Episoden dieser Ära ist die Ankunft der 16 Pferde des Hernan Cortés an der mexikanischen Golfküste“, berichten die Wissenschaftler. „Diese Tiere waren für den Erfolg der spanischen Eroberer so essenziell, dass der spanische Geschichtsschreiber Bernal Diaz del Castillo jedem dieser Pferde eine detaillierte Beschreibung samt Namensnennung widmete.“ Gängiger Annahme nach vermehrten sich die importierten Pferde immer weiter und bildeten gemeinsam mit weiteren, von späteren europäischen Siedlern mitgebrachten Pferden den Grundstock aller heutigen nordamerikanischen Pferde inklusive der Mustangs.

Ein Pferdezahn aus Puerto Real

Das Problem jedoch: Auch wenn historische Überlieferungen diesen Ablauf nahelegen, gibt es kaum archäologische Funde der von den Spaniern importierten Pferde. Nur eine einzige Studie hat bisher die DNA eines indianischen Pferdes aus dem 17. Jahrhunderts isolieren können, aber wenig zur dessen Abstammung in Erfahrung gebracht. An diesem Punkt kommt nun ein Zufallsfund ins Spiel, den Delsol bei der genetischen Analyse von Rinderzähnen aus der rund 400 Jahre alten Siedlung Puerto Real im Norden Haitis machte. Dieser Ort war 1503 von den Konquistadoren gegründet worden und war in Karibik eine der wichtigsten Anlaufstellen für Schiffe aus Spanien. 1578 wurde Puerto Real jedoch aufgegeben und später zerstört.

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„Ich war dabei, die mitochondriale DNA der fossilen Zähne zu sequenzieren, als ich bemerkte, dass einer der Zähne nicht dazu passte“, berichtet Delsol. Denn wie sich herausstellte, handelte es sich nicht um einen Rinderzahn, sondern um den Zahn eines Pferdes. „Damit bot sich uns die einmalige Chance, die Frage der Herkunft der ersten kolonialen Pferde und ihre Beziehung zu europäischen Pferderassen jener Zeit zu klären“, erklären die Forscher. „Auch der Zusammenhang dieser Konquistadoren-Pferde mit modernen wildlebenden Pferden in Nordamerika lässt sich daran untersuchen.“ Um das zu bewerkstelligen, verglichen die Wissenschaftler die mitochondriale DNA – die die mütterliche Abstammung des Pferdes verrät – mit der von 83 Genomen moderner und historischer Pferde.

Rätsel der Chincoteague-Ponys gelöst?

Die Analysen enthüllten: Das Pferd aus Puerto Real gehörte zum Haplotyp A, einer Abstammungsgruppe, die früher vor allem bei Pferden in Zentralasien, Südeuropa und dem Nahen Osten vorkam. In Nord- und Mitteleuropa waren Pferderassen mit diesem Gentyp zur Zeit der Konquistadoren dagegen nicht verbreitet. „Pferde dieses Haplotyps sind aber aus archäologischen Fundstätten der Bronzezeit auf der Iberischen Halbinsel bekannt“, berichten die Wissenschaftler. Ihrer Ansicht nach spricht dies dafür, dass die ersten nach Nordamerika gebrachten Pferde tatsächlich aus Spanien stammten und wie von historischen Quellen berichtet über die Kanaren in die Karibik gebracht wurden.

Interessant jedoch: Die engsten heutigen Verwandten des Pferdes von Puerto Real leben nicht in Spanien, sondern auf der Insel Chincoteague vor der Küste des US-Bundesstaats Virginia – rund 1500 Kilometer nördlich von Haiti. Die Chincoteague-Ponys leben schon seit mehreren hundert Jahren auf dieser Barriereinsel. Bisher war jedoch strittig, ob sie von den ersten englischen Siedlern in dieser Gegend stammen oder von den Konquistadoren. Einer Legende nach sollen die Pferde von einer Spanischen Galleone entlaufen sein, die vor der Insel auf Grund lief und sank. Die DNA-Vergleiche belegen nun, dass diese Geschichte wahr sein könnte. „Es ist nicht gut dokumentiert, aber die Spanier haben diese Gegend schon früh im 16. Jahrhundert erkundet“, erklärt Delsol. Die enge Verwandtschaft des Pferdes aus Puerto Real mit den Chincoteague-Ponys könnte dies nun bestätigen.

Quelle: Florida Museum of Natural History; Fachartikel: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0270600

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