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Japan

Einblick in die Benimmregeln der Edo-Zeit

Brief
In diesem Brief listet der Anführer des Hosokawa-Clans die Benimmregeln für seine Männer auf. Brief (Bild: Tsuguharu Inaba)

Kein Alkohol, keine Streitigkeiten und kein Sumo-Ringen: Zu Beginn der Edo-Zeit im Japan des frühen 17. Jahrhunderts herrschten strikte Benimmregeln für die Untertanen der streitbaren Fürsten. Das enthüllt ein Dokument aus dem Jahr 1608, in dem das Oberhaupt des Hosokawa-Clans 13 Benimmregeln auflistet. Diese sollten sicherstellen, dass beim vom Shogun verordneten Aufbau des Sunpu-Schlosses kein Streit mit Angehörigen anderer Clans ausbrach.

Der Beginn der Edo-Zeit im Jahr 1603 markiert den Übergang von einem erbitterten Machtkampf verschiedener Fürsten zur Herrschaft der Tokugawa-Shogune. Der erste Shogun Tokugawa Ieyasu teilte die Herrschaftsgebiete der streitbaren Fürsten (Daimyos) neu auf und ersann mehrere Maßnahmen, um den fragilen Frieden in seinem Reich aufrechtzuerhalten. Dazu gehörte die Verlegung der Hauptstadt von Kyoto nach Edo, aber auch ein Bauprogramm, durch das überall im Land die im Krieg zerstörten Infrastrukturen und Schlösser wiederaufgebaut wurden.

Bauprojekte als Einigungsstrategie

Für diese Bauarbeiten mussten die Fürsten auf Anweisung des Shoguns Bautrupps zu einem bestimmten Ort entsenden und Material stellen. Dies verhinderte zum einen, dass die Daimyos zu große Reichtümer anhäuften, zum anderen wurden die Männer verschiedener Clans dadurch gezwungen, an diesen Projekten zusammenzuarbeiten. Die Regierung versuchte damit, die Wunden des Bürgerkriegs zu kitten und die Beziehungen zwischen den Clans zu verbessern, wie der Historiker Tsuguharu Inaba von der Kumamoto Universität erklärt. Die Shogune spannten verfeindete Clans für dasselbe nationale Projekt ein, um sie zu disziplinieren, aber auch um eine gemeinsame Basis zu schaffen.

Damit es dabei zwischen den verfeindeten Clans nicht zu Streitigkeiten oder sogar kriegerischen Auseinandersetzungen kam, waren allerdings strenge Benimmregeln nötig. Diese gaben die Clan-Anführer ihren Bautrupps und Soldaten mit auf den Weg. Was diese Regeln beinhalteten, enthüllt nun ein von Inaba und seinen Kollegen entdecktes Dokument aus dem Jahr 1608. In diesem listet Tadaoki Hosokawa, der Daimyo des im Nordosten der Insel Kyushu beheimateten Hosokawa-Clans 13 Regeln für seine Leute auf. Diese wurden im Januar 1608 dazu abkommandiert, beim Wiederaufbau des Sunpu-Schlosses in der Nähe des heutigen Tokio mitzuhelfen.

13 Regeln zur Konfliktvermeidung

Der erste Punkt in der Regelliste instruiert die entsandten Hosokawa-Arbeiter, in allen Belangen die Befehle des Aufsehers zu befolgen. Der zweite Punkt stellt alle Kämpfe innerhalb des Clans unter strenge Strafe. In den folgenden Artikeln der Liste geht es um die Vermeidung von Konflikten mit den Angehörigen anderer Clans. Wichtig war dies vor allem deshalb, weil die beiden am Bau beteiligten Clans, Hosokawa und Mori, erst wenige Jahre zuvor erbitterte Gegner im Bürgerkrieg gewesen waren, wie Inaba erklärt. Im Regelwerk verbietet Punkt 3 schon das Anschauen der Kämpfe eines anderen Clans, Punkt 4 schreibt vor, dass Flüchtige fremder Clans nach Abschluss des Projekts zu ihren Clans zurückgeschickt werden müssen. Artikel 5 regelt, in welcher Form Gebühren zu entrichten sind.

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Die zweite Hälfte der Benimm-Regeln umfasste vor allem Anweisungen für das Verhalten der Soldaten und Arbeiter im Alltag. So durften sie ihren eigenen Proviant mitbringen, der Alkoholkonsum war aber auf maximal drei flache Schalen Sake beschränkt. Bei einem Besuch in der Stadt musste erst eine offizielle Erlaubnis des Magistrats eingeholt werden, heißt es im Artikel 7. Treffen mit Angehörigen anderer Clans oder des Shogunats waren strikt verboten, ebenso heiße Bäder in den Badehäusern eines anderen Clans. Für die Zeit des Bauprojekts waren zudem das Sumo-Ringen und das Zuschauen bei einem solchen Kampf verboten. Um die Einhaltung der Regeln sicherzustellen, durften die Arbeiter zudem nur in Gruppen zwischen Kokura und Sunpu reisen.

Wie die Historiker erklären, ähneln diese Benimmregeln sehr stark denen, die auch zwei andere Clan-Anführer damals ihren Bautrupps mit auf den Weg gaben. Das spreche dafür, dass diese Verhaltensregeln auf einen zentralen Benimm-Code zurückgingen, den die Fürsten vom Shogunat auferlegt bekamen, so die Forscher. „Dieses Dokument liefert uns damit wertvolle Informationen über die Politik und Maßnahmen, mit denen das Shogunat die Clanfürsten zum Wiederaufbau mobilisierten und kontrollierten“, sagt Inaba.

Quelle: Kumamoto Universität

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