Eine geheimnisvolle Statue nimmt Gestalt an - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Eine geheimnisvolle Statue nimmt Gestalt an

Visualisierung der Fragmente zur Kolossalstatue Psammetichs I. (Credit: Christopher Breninek)

Ein Jahr nach dem aufsehenerregenden Fund von Teilen einer Kolossalstatue des Pharao Psammetich I. haben Archäologen in Kairo weitere Puzzle-Stücke der riesigen Skulptur ausgegraben. Sie ermöglichten nun eine virtuelle Rekonstruktion – möglicherweise könnte aber auch ein realer Nachbau des monumentalen Standbildes folgen.

Am Anfang der Fundgeschichte stand eine Fehlinterpretation: Im Frühjahr 2017 hielten Experten die tonnenschweren Teile eines gekrönten Haupts und eines wuchtigen Torsos zunächst für die Reste einer Statue von Ramses II. (1303 v. Chr. bis 1213 v. Chr.). Dieser Schluss lag nahe, denn beim Fundort handelte es sich um das Gelände, auf dem einst der Tempels v

on Heliopolis gestanden hat, den der berühmte baufreudige Pharao einst großzügig ausschmücken ließ.

Doch dann berichtigte das Grabungsteam um Dietrich Raue von der Universität Leipzig schließlich die Zuordnung der Skulptur: Die Kolossstatue aus poliertem Quarzit stellte den Pharao Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.) dar. Von ihm gibt es nur vergleichsweise wenige Zeugnisse, was den Fund besonders interessant machte. Seither sind dem ägyptisch-deutschen Archäologenteam am Fundort weitere Entdeckungen geglückt. Unter anderem tauchten drei riesige Zehen der Psammetich-Statue auf sowie ein Stück des Rückenpfeilers mit dem Namen des Pharaos.

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Ein dreidimensionales Puzzle

Darstellung der Kolossalstatue Psammetichs I. im Größenvergleich zu einer Person.(Credit Christopher Breninek)

Die Grabungssaison 2018 hat nun erneut zu weiteren Funden geführt, berichten die Archäologen. Von dem „dreidimensionalen Puzzle“ der Psammettichstatue liegen nun insgesamt rund 4500 Teile vor. Auf dieser Grundlage entwickelte Christopher Breninek von der Universität Leipzig eine Visualisierung des Standbildes, das einst etwa neun Meter aufragte und neun Tonnen schwer war. „Wir haben es nicht für möglich gehalten, diese Statue noch so weit zusammenzubekommen“, sagt Raue. „Mit den ägyptischen Kollegen diskutieren wir derzeit die Möglichkeit einer Rekonstruktion der Skulptur.“

Die virtuelle Darstellung verdeutlicht nun auch die ungewöhnliche Armhaltung, mit der Psammetich I. von den Steinmetzen im ersten Jahrtausend vor Christus dargestellt word

en war. „Wir haben auf der Rückseite der Statue vier Zeichen entdeckt. Sie bedeuten ‚Herr des Armes‘. Das ist der Inbegriff von Tatkraft und der Name, der ausschließlich für Psammetich I. verwendet wurde“, erklärt Raue.

Den Geheimnissen von Heliopolis auf der Spur

Die Forscher berichten auch über weitere aktuelle Funde am einstigen Standort des Tempels von Heliopolis: Im Zentrum des Tempelbezirks legten sie große Reliefs eines Portals von Ramses II. frei. Außerdem entdeckten sie Überreste eines bislang unbekannten Portalbaus mit einem Bildnis des Sohnes von Ramses II., Merenptah. Zudem tauchten in diesem Bereich Basalt- und Granitblöcke auf, darunter ein Falkenfries aus dem Bau des Pharao Nektanebo I. (380 bis 363 v. Chr.).

Die Mischung aus Funden aus verschiedenen Zeitaltern ist Raue zufolge entstanden, weil der Tempel von Heliopolis im Lauf der altägyptischen Geschichte immer wieder ausgebaut und verändert worden war. Später diente er dann allerdings als Steinbruch. Deshalb ist heute nur noch wenig von dem Tempel zu erkennen, der seit dem alten Reich nordöstlich des heutigen Kairo gestanden hatte. Wie der gigantische Komplex einst ausgesehen hat, sollen nun weitere Ausgrabungen erhellen, kündigen die Archäologen an.

Quelle: Universität Leipzig

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