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Geschichte+Archäologie

Eiszeitliche „Venus“ in Sachsen-Anhalt entdeckt

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Projektion der Breitenbacher Elfenbeinfragmente auf die Oberschenkel und Brustpartie der „Venus vom Hohle Fels" aus Baden-Württemberg (links und rechts) – Alter: circa 35.000 bis 40.000 Jahre– und einer Venusfigur aus Elfenbein von der Fundstelle Kostenki 1 in Russland (Mitte) – Alter: circa 25.000 Jahre. (Foto: „Venus vom Hohle Fels", Breitenbacher Elfenbeinfragmente (links und rechts): J. Lipták (München); Foto Venus Kostenki 1 (Mitte): MAE (Kunstkamera) RAS, St. Petersburg, Russia, MAE #4464-1)
Es sind drei unscheinbare Fragmente aus Elfenbein – nur zwischen 1,4 und 1,8 Zentimeter groß, glatt poliert und Archäologen seit 2012 bekannt. Die Forscher hatten sie an der Fundstelle Breitenbach in Sachsen-Anhalt entdeckt, unter den Resten einer 34.000 Jahre alten Elfenbeinwerkstatt. Erst jetzt konnten sie die Fragmente identifizieren: Sie gehörten einst zu einer üppigen Frauenfigur ähnlich der berühmten „Venus vom Hohle Fels“. Wie die vollständig erhaltene Statuette von der Schwäbischen Alb zählen die Bruchstücke zu den ältesten bekannten Darstellungen des Menschen

Seit 2009 graben Forscher des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt am Fundplatz Breitenbach im Burgenlandkreis. Vor einigen Jahren entdeckten sie dort eine 34.000 Jahre alte Elfenbeinwerkstatt. Diese Zeit rechnen Archäologen zum sogenannten Aurignacien, das von ungefähr 40.000 bis 33.500 andauerte und zu den frühen Phasen des Homo sapiens auf dem europäischen Kontinent gehört. Vor ungefähr 45.000 Jahren hatte der moderne Mensch Europa erreicht – und begann bald danach im Aurignacien – und damit erstmals in der Menschheitsgeschichte –, Kunstobjekte und Musikinstrumente zu schaffen.

Fundort der weltweit ältesten Kunstwerke sind die Höhlen auf der Schwäbischen Alb, die seit 2017 zum Unesco-Weltkulturerbe zählen . Dort legten Archäologen etwa den Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel und die Venus vom Hohle Fels frei. Die aus Mammutelfenbein geschnitzte Statuette ist ungefähr sechs Zentimeter groß und die älteste eiszeitliche Frauenfigurine. Ähnliche Figuren sind häufiger aus der anschließenden Periode des Gravettiens bekannt, also der Zeit von circa 33.500 bis 23.500 Jahren vor heute. Die typischen Merkmale dieser Figuren sind große Brüste und breite Hüften, sie sind fettleibig und bisweilen kopflos.

Die „Venus von Breitenbach“

Eine der ältesten Venus-Figuren identifizierten nun Forscher um den Archäologen Olaf Jöris vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt. Am besagten Fundplatz in Breitenbach hatten die Ausgräber bereits 2012 einige Elfenbeinfragmente entdeckt, die sie nun einer eiszeitlichen Frauenfigurine zuordneten. Dabei handelt es sich um drei kleine, zwischen 1,4 cm und 1,8 cm große, polierte Bruchstücke. Die Forscher verglichen sie mit der Figur vom Hohle Fels und stellten fest: Die Fragmente entsprechen den beiden Oberschenkeln und der Brustpartie.

Bislang kannten Archäologen aus dem Aurignacien nur die Statuetten aus den Höhlen der Schwäbischen Alb. Die Funde aus Sachsen-Anhalt legen nun nahe, dass in Mitteleuropa die Tradition der Figurenschnitzerei entstand, das Kunstschaffen jedoch nicht auf den süddeutschen Raum begrenzt blieb und sich am Ende der Epoche ausbreitete. Jüngere vergleichbare Figuren aus dem Gravettien fanden sich auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich. Die Ausgräber gehen davon aus, dass sich am Fundplatz Breitenbach ein überregionaler kultureller Umbruch spiegelt.

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© wissenschaft.de – Karin Schlott
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