Elefantenvogel „bezeugt“ Besiedlung - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Elefantenvogel „bezeugt“ Besiedlung

Künstlerische Darstellung eines Elefantenvogelskeletts (Credit: Alain Rasolo, Wildlife Artist, Madagascar). Mit einer Höhe von etwa drei Metern und einem Gewicht von bis zu einer halben Tonne gehörten die gefiederten Giganten Madagaskars zu den größten bekannten Vögel der Erdgeschichte.

Wann erreichten die ersten Menschen die Insel Madagaskar? Offenbar deutlich früher als bisher angenommen, belegen Spuren an Knochen eines Exemplars der geheimnisvollen Riesenvögel, die einst auf der Insel lebten. Er hat den frühen Madagassen demnach vor über 10.500 Jahren als Mahlzeit gedient. Neben den Informationen zur Besiedlungsgeschichte Madagaskars werfen die Ergebnisse Licht auf die Rolle des Menschen beim Aussterben der bis zu einer halben Tonne schweren Elefantenvögel, sagen die Forscher.

Klar ist: Die große Insel vor der Ostküste Afrikas und ihre ungewöhnliche Fauna und Flora blieben vergleichsweise lange von der Eroberung durch den Menschen verschont. Bisher legten Spuren an Knochen von Lemuren und archäologische Artefakte nahe, dass die Besiedlungsgeschichte Madagaskars auf die Zeit von vor 2400 bis 4000 Jahren zurückgeht. Doch wie sich nun zeigt, lebten offenbar schon deutlich früher Menschen auf der Insel. Die Ergebnisse basieren auf der Untersuchung der Überreste eines Elefantenvogels (Aepyornis maximus), die aus einem zentralen Bereich Madagaskars stammen.

6000 Jahre vordatiert

Wie die Forscher um James Hansford von der Zoological Society of London berichten, zeigen die Knochen eindeutige Schnittspuren, die von einer menschlichen Bearbeitung durch Steinklingen stammen. Das noch wichtigere Ergebnis waren allerdings die Resultate der Radiokarbondatierung. Demnach endete der Vogel in einer Zeit von vor 10.700 bis 10.500 Jahren als Mahlzeit. „Unsere Ergebnisse liefern damit einen Beweis für menschliche Aktivitäten in Madagaskar, mehr als 6000 Jahre früher als bisher angenommen“, resümiert Hansford diesen Aspekt der Studie.

Aus den Ergebnissen gehen auch interessante Informationen über die Rolle des Menschen beim Aussterben der geheimnisvollen Elefantenvögel hervor, sagen die Forscher. Neben Riesenschildkröten, Flusspferden und Riesenlemuren gehörten sie zur heute ausgestorbenen Megafauna Madagaskars. Die bizarren Laufvögel stellten den Vogel Strauß deutlich in den Schatten: Elefantenvögel wurden bis zu drei Meter groß und wogen rund eine halben Tonne. Sie waren einst auf ganz Madagaskar verbreitet, starben dann allerdings gemeinsam mit den anderen Vertretern der Megafauna vor etwa 1000 Jahren aus. Überlieferungen zufolge könnten Restbestände der Elefantenvögel aber auch noch bis vor 500 Jahren in entlegenen Gebieten der Insel überlebt haben.

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Lange Koexistenz mit den gefiederten Giganten

Man geht davon aus, dass die Bejagung durch den Menschen und die Rodung der Wälder eine wichtige Rolle beim Aussterben der Riesenvögel gespielt haben. Ähnliches ist auch im Fall der gefiederten Giganten Neuseelands bekannt – der Moas. Dort zeichnet sich eine sehr schnelle Ausrottung dieser Laufvögel nach der Ankunft der ersten Menschen ab. Wie die aktuellen Ergebnisse belegen, galt dies aber offenbar nicht für Madagaskar: Menschen und riesige Laufvögel haben dort länger koexistiert, als bislang angenommen. „Offenbar hatte der Mensch über 9000 Jahre lang nur begrenzt negative Auswirkungen auf die Tierwelt Madagaskars“, sagt Hansford. „Möglicherweise ergeben sich aus dieser Feststellung Informationen für den heutigen Artenschutz“, meint der Wissenschaftler.

Quelle: Zoological Society of London, Science Advances, http://advances.sciencemag.org/content/4/9/eaat6925

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